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Stadtrat stimmt gegen Ausmalung des Rathaussaals

Nun ist der Weg frei für einen Bürgerentscheid in Nürnberg - 03.04.2014 05:59 Uhr

So hatte sich der Maler Michael Matthias Prechtl die moderne Ausmalung des Rathaussaals Ende der achtziger Jahre vorgestellt. Sie könnte nur in einer Dokumentation zu sehen sein. © Stadt Nürnberg


Zwei Möglichkeiten stehen im Raum: Ausmalung nach den Motiven von 1904/1905,die fotografisch überliefert sind – wie es die Altstadtfreunde fordern –, oder aber eine umfassende Dokumentation und Präsentation der Geschichte des gesamten Rathauses.

Die Bürger können jetzt am Tag der Europa-Wahl, am 25. Mai, darüber abstimmen, welchen Weg die Stadt gehen soll. Die Entscheidung für den Bürgerentscheid und für den Text, über den abgestimmt wird, fiel einstimmig. „Der Bürger soll entscheiden“, war das Credo von Rednern aller Parteien.

In der Debatte, wie sich der Stadtrat zur Ausmalung stellen soll, gab es aber Abweichler, weil die CSU den Fraktionszwang aufhob. CSU-Stadtrat Jürgen Helmbrecht sprach sich für die Ausmalung aus: „Der ausgemalte Rathaussaal wäre ein Highlight für Nürnberg.“ Neben Helmbrecht stimmten auch Bürgermeister Klemens Gsell sowie fünf weitere CSU-Stadträte und die BIA für die Ausmalung.

Wenn der Stadtrat keine Position eingenommen hätte, dann wäre auch ein Bürgerentscheid nicht möglich. „Die Alternative zur Ausmalung ist nicht, dass nichts passiert“, sagte OB Ulrich Maly. Das, was passieren soll, wenn die Bürger sich gegen die Ausmalung aussprechen, präsentierte Kulturreferentin Julia Lehner.

Die "Herzkammer" städtischen Lebens

Das Rathaus und damit der Rathaussaal sollen zentraler Teil einer „historischen Bildungsachse“ werden, die zusammen mit dem Stadtmuseum Fembohaus, dem eine Neukonzeption bevorsteht, und der neuen Ausstellung auf der Kaiserburg über das reichsstädtische Nürnberg informiert. „Es soll das Verhältnis Kaiser-Stadt aus Sicht der Stadt dargestellt werden“, sagte Lehner zur Funktion des Fembohauses.

Das Rathaus ist für die Kulturreferentin die „Herzkammer“ des städtischen Lebens, und in ihm solle die Vielfalt seiner Geschichte gezeigt und erzählt werden. „Die Konzentration auf nur einen Aspekt ist zu wenig“, meint Lehner. Das neue Informations- und Bildungskonzept wird die Nutzung der Räume nicht beeinträchtigen.

Mit Text-Tafeln und Bildschirmen, so die erste Planung, will die Stadt über die Geschichte der Rathausbauten vom Mittelalter bis zur Neuzeit informieren. In ihrem Vortrag vermied Lehner, die Reichskleinodien zu erwähnen. Offenbar sollen diese in der Burg gezeigt werden, was ihrer Funktion innerhalb der Symbolik der Stadtgeschichte aber nicht entspricht: Die Stadt sicherte die Reichskleinodien und nicht die Kaiserburg.

Im Rathaussaal selbst sollen mit Bildern, Texten, Filmen und Grafiken die Funktion des Saales, seine Gestaltung und Ausmalung sowie seine historische Bedeutung dargestellt werden. Die Texte sollen mehrsprachig für Touristen, Fachleute und Bürger aufbereitet werden, sicherte Lehner zu. Sie vergaß dabei nicht, darauf hinzuweisen, dass das alles Geld kostet.

Als verbindendes Element zwischen Burg, Fembohaus und Rathaus ist
an eine „Kaiserweg“-App gedacht. Außerdem will Lehner den Rathaussaal mit zeitlich begrenzten Aktionen wieder mehr zugänglich machen: Als Galerie, in der Gemälde hängen, die von der Stadt in Auftrag gegeben wurden, oder als Ort für digitale Kunstbeiträge.

CSU-Stadtrat Michael Reindl regte an, eine Anlaufstelle für die städtischen Museen im Rathaus unterzubringen. Maly versprach, noch vor dem Bürgerentscheid eine Kostenschätzung für die Ausmalung und für das Informationssystem vorzulegen. 

Von André Fischer (Nürnberger Zeitung)

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