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Steigende Schülerzahlen in Bayern: Es mangelt an Lehrern

Viele Millionen Euro fließen derzeit in die Digitalisierung von Schulen - 09.09.2019 10:35 Uhr

In diesem Jahr sind die Schülerzahlen in Bayern um 0,5 Prozent zwar auf 1,65 Millionen gesunken - die Zahl der Abc-Schützen ist aber um 0,3 Prozent auf 115 200 gestiegen. © Marius Becker/Illustration (dpa)


Am kommenden Dienstag werden wieder in ganz Bayern die Schulranzen geschnürt. Viele Millionen fließen derzeit im Schulbereich in die Digitalisierung. Doch es gibt noch viele weitere Baustellen.

Personalsituation

"Wir machen ja was, weil wir auch sehen, dass was zu machen ist", entgegnet die bayerische Kultus-Staatssekretärin Anna Stolz (Freie Wähler) auf die ewige Kritik am Lehrermangel in Bayern. 1000 zusätzliche Lehrerstellen wurden geschaffen, in den nächsten vier Jahren sollen insgesamt weitere 4000 folgen. Zudem kamen 65 neue Stellen für Schulpsychologen und 35 für Schulsozialpädagogen hinzu. Auch hier sollen in den nächsten vier Jahren 400 weitere Stellen folgen.

"Wir haben außerdem 700 zusätzliche Studienplätze für Lehramt an Grundschulen geschaffen", betont Stolz. Bis diese in den Schulen ankommen, wird es freilich einige Jahre dauern. Deshalb sollen weiter Realschul- und Gymnasiallehrer zu Grund- und Mittellschullehrern qualifiziert werden. 1200 Lehrer befinden sich nun in dieser Zweitqualifizierung, 370 beginnen neu, 1400 haben sie bereits abgeschlossen. Auch für Förderschulen müssen Lehrer nachqualifiziert werden.

Befristet angestellte Lehrkräfte

Bislang sind in Bayern 92 Prozent der staatlichen Lehrkräfte verbeamtet, drei Prozent sind unbefristet angestellt, fünf Prozent haben nur befristete Verträge. Diese befristeten Arbeitsverhältnisse werden häufig heftig kritisiert.

"Wir haben ein Sonderprogramm zur Entfristung und Verbeamtung. In diesem Jahr haben wir dafür 519 Planstellen zur Verfügung. Diese Lehrkräfte werden also unbefristet eingestellt oder verbeamtet", erklärt Stolz. Im Doppelhaushalt 2019/20 sind insgesamt 808 solcher Stelle vorgesehen.

Studie: Bis 2025 fehlen mehr als 26.000 Grundschullehrer

Entwicklung der Schülerzahlen

In diesem Jahr sind die Schülerzahlen in Bayern um 0,5 Prozent auf 1,65 Millionen gesunken. Die Zahl der Abc-Schützen ist aber um 0,3 Prozent auf 115.200 gestiegen. In Mittelfranken ist die Zahl der Grundschüler sogar um 2,7 Prozent angewachsen, in Mittelfranken gehen 15.166 Schülerinnen und Schüler am kommenden Dienstag zum ersten Mal in die Schule.

"Wir erwarten weiter leicht steigende Schülerzahlen", sagt der Nürnberger Schulamtsdirektor Thomas Reichert, obwohl die Zahl der Abc-Schützen in der Stadt sogar leicht von 4349 auf 4286 gesunken ist.

Das Ministerium erwartet, dass die Gesamtschülerzahl von derzeit 1,65 Millionen bis 2030/31 auf 1,85 Millionen ansteigen wird.

Bislang sind in Bayern 92 Prozent der staatlichen Lehrkräfte verbeamtet, drei Prozent sind unbefristet angestellt, fünf Prozent haben nur befristete Verträge.


Schulschließungen

Nach dem abgelaufenen Schuljahr wurden die Mittelschulen Dentlein, Happurg und Seeackerstraße in Fürth aufgelöst. Acht weitere Mittelschulen in Mittelfranken sind inaktiv. "Ich glaube nicht, dass das ein langfristiger Trend ist. Die Schülerzahlen wachsen ja von unten wieder hoch – und einige davon werden sicher auch in den Mittelschulen landen", ist Johannes-Jürgen Saal, Bereichsleiter Schulen der Regierung von Mittelfranken, überzeugt.

Berufsschulen

Die meisten Berufsschüler werden im Bereich Wirtschaft und Verwaltung ausgebildet. Die Zahlen sind aber seit Jahren rückläufig. "Industriekaufleute haben zunehmend Konkurrenz durch Bewerber mit Bachelor-Abschlüssen", meint Saal. Zurück gehen die Zahlen auch in den Bereichen Ernährung und Körperpflege, im Aufwind befindet sich die Kategorie "Monoberufe". "Das liegt an den stark nachgefragten Fachinformatikern", sagt Saal.

Jugendliche ohne Ausbildungsplatz

Etwa 1700 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz besuchen die Berufsschulen in Mittelfranken. Um ihre Berufsschulpflicht zu erfüllen, mussten sie bislang drei Jahre lang einen Tag pro Woche in die Berufsschule.

Nun beginnt ein neuer Modellversuch an acht Klassen in Mittelfranken, bei dem die Jugendlichen ein Jahr lang jeden Tag die Berufsschule besuchen. "In diesem Jahr sollen sie ausbildungsreif gemacht werden. Diese Jugendlichen müssen sich an geregelte Abläufe gewöhnen. Schon allein, regelmäßig zu einer bestimmten Zeit aufzustehen und dann zu einem bestimmten Ort zu gehen, ist für sie eine Herausforderung, die ihnen ihre Familien nicht mehr beibringen können", verdeutlicht Saal.

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