Stellplätze werden autofrei

17.9.2014, 21:10 Uhr
Der Kreativität sind am Freitag keine Grenzen gesetzt, wenn in der Inneren Laufer Gasse und in der Königstraße Parkplätze für einige Stunden zu Mitmachflächen umfunktioniert werden, wie hier in Leipzig.

Der Kreativität sind am Freitag keine Grenzen gesetzt, wenn in der Inneren Laufer Gasse und in der Königstraße Parkplätze für einige Stunden zu Mitmachflächen umfunktioniert werden, wie hier in Leipzig. © Foto: www.oekoloewe.de

„Die Aktionen am PARKing Day machen deutlich, wie stark der öffentliche Raum in unserer Stadt von Autos bestimmt wird“, schreibt der gemeinnützige Verein Bluepingu als Initiator der Aktion in Nürnberg auf seiner Homepage.

Am 19. September lädt der Verein deshalb Bürger, Künstler und Aktivisten dazu ein, von 14 bis 20 Uhr Parkplätze in der Königstraße und in der Inneren Laufer Gasse zu kreativen Plätzen umzugestalten. „So werden Parklücken vorübergehend zu bunten, belebten Zwischenräumen — offen und begehbar, zugänglich für alle“, sagt Bluepingu-Vorstand Frank Braun.

Das Ordnungsamt sei zunächst skeptisch gewesen, ob die Aktion gesetzlich vertretbar ist. Doch rechtlich gesehen sind die „Parkplatzbesetzer“ laut Bluepingu abgesichert. Denn solange ein Stellplatz nicht ausschließlich für Autos ausgezeichnet ist, können dort auch Fahrräder oder andere Fahrzeuge geparkt werden. Der Verein und das Ordnungsamt einigten sich darauf, dass auf den Stellplätzen eine Mahnwache abgehalten wird und deswegen auch Hängematten und Kicker darauf geparkt werden dürfen.

Sollte der Stellplatz kostenpflichtig sein, bittet Frank Braun darum, für die Zeit ein Parkticket zu lösen. Die Kosten erstattet Bluepingu gegen Vorlage des Beleges zurück.

Nicht begeistert von der Aktion werden insbesondere die Autofahrer auf Parkplatzsuche sein. „Am besten sehr freundlich auf das nächste Parkhaus verweisen“, rät Braun. Malkreide, Luftballons und Bonbons sollen auch extrem genervte Verkehrsteilnehmer besänftigen — diese stellt der Verein in beiden Straßen allen Beteiligten zur Verfügung.

Die Innere Laufer Gasse ist sehr stark befahren. Dort empfiehlt Braun, aus Sicherheitsgründen eine deutliche Abgrenzung gegen die Fahrbahnen aufzubauen, beispielsweise mit einem Flatterband oder einer großen, sichtbaren Pflanze.

Mit Folie bedeckt

Jeder Parkplatz ist etwa 2,3 mal drei Meter groß und soll so kreativ wie möglich genutzt werden. Stühle, Tische, Hängematten, Sitzkissen oder eine Carrerabahn können ebenso aufgebaut werden wie Kasperletheater oder ein Tischkicker. „Besonders schön sieht es auch aus, wenn der graue Boden mit Teppich, Rasen, Hackschnitzel oder Folie bedeckt beziehungsweise mit Kreide bemalt ist“, sagt Initiator Braun. Passanten sollten auf jeden Fall mit in die Aktion eingebunden werden. In anderen Städten haben sich vor allem besonders interaktive PARKs bewährt, wie eine Fahrrad-Reparaturwerkstatt, Live-Musik, der Bau von Fledermauskästen oder ein aufgestellter Kicker. „Der Verkauf von Waren ist bei dieser Veranstaltung nicht gestattet.“

Dringend empfohlen wird den Interessierten jedoch eine Anmeldung per Mail. Zehn Gruppen haben sich bereits vorab bei Bluepingu gemeldet, darunter der Verkehrsclub Deutschland, Greenpeace und die Foodsharing-Initiative.

Mit der Aktion will Bluepingu die Stadtverantwortlichen wachrütteln, mehr Grünflächen in der Stadt einzurichten, nicht länger dem Autoverkehr Vorfahrt zu gewähren, sondern Radfahrern und Fußgängern, sowie die Bürger mehr in die Stadtplanung miteinzubeziehen. Das Ordnungsamt sowie die Stadt trägt die Aktion jedoch mit und will nach Angaben von Braun bereits vor Beginn der Aktion für ausreichend freie Parkplätze sorgen.

Der PARKing Day wurde erstmals 2005 von einem kreativen Kollektiv aus San Francisco initiiert. Jedes Jahr beteiligen sich mehr Städte an dem Aktions-Tag, darunter auch Berlin und Leipzig. Auch in Salzburg und Paris ist dieser Tag bereits seit Jahren eine Institution.

Anmeldungen nimmt Susanne Kitlinski von Bluepingu nur noch heute per E-Mail entgegen. Die Adresse: info@bluepingu.de

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