Donnerstag, 15.04.2021

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Streit um Rotbier: Kleine Brauerei legt sich mit Tucher an

Kleine Altstadtbrauerei geht gegen Tucher vor - Verfahren läuft noch - 18.12.2019 05:47 Uhr

Tucher gehört zu den größten Brauereien in der Region.

17.12.2019


Die Werbung zeigt es uns deutlich: Fast alles ist irgendwie hausgemacht. Da drückt eine nette blonde Dame die Haselnüsse des Schokoriegels liebevoll von Hand in die warme Kakaomasse und der Whisky-Hersteller vertreibt sich die Zeit beim Schachspiel, während sein Produkt in aller Ruhe vor sich hin reift. Auch aus dem Hause Tucher kommt jetzt ein Bier, das laut Werbespot viel, viel Zeit in Eichenholzfässern verbringt – es ist ein Nürnberger Original. Oder doch nicht? Darüber gibt es aktuell einen Rechtsstreit.

"Original Nürnberger Rotbier“ steht auf dem nostalgisch anmuten- den Etikett jenes Tucher-Biers, das in diesem Jahr auf den Markt gekommen ist. Diese Bezeichnung sowie ein 45-sekündiger Kinospot und weitere Aussagen der Tucher-Brauerei zu ihrem Produkt brachten bei Braumeister Reinhard Engel das Fass zum Überlaufen.

Reinhard Engel von der Hausbrauerei Altstadthof ärgert sich über die Werbe-Sprüche seines Mitbewerbers Tucher–Bräu.

17.12.2019


Derzeit klagt er beim Landgericht Nürnberg/Fürth gegen Tucher-Bräu. Hintergrund des Streits: Mittlerweile 20 Jahre ist es her, dass Engel sein erstes Rotbier in der Hausbrauerei hergestellt hat – "in Anlehnung an die traditionelle Herstellungsweise“, wie er sagt. Zeitgleich startete auch die bis heute erfolgreiche Führung "Rotes Bier in tiefen Kellern“.

Zunächst ein Geheimtipp

Damals galt das wiederentdeckte rötliche Untergärige aus der Altstadt zunächst als Geheimtipp unter Kennern, doch das änderte sich schnell. Seither hat die bis dato fast vergessene Biervariation eine furiose Renaissance erlebt. "Inzwischen bestreiten wir damit zwei Drittel unseres Absatzes“, sagt Engel.

Einige Brauereien zogen nach und brachten in Nürnberg oder im Umland ebenfalls ein Rotbier auf den Markt. Mit der Konkurrenz muss Engel leben, die gehörte schon immer zum Geschäft. Schließlich soll es schon Ende des 16. Jahrhunderts in Nürnberg 35 Rotbierbrauereien gegeben haben.

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Warum er sich nun gerade am Mitbewerber Tucher stört, begründet er folgendermaßen: "Die Bezeichnung 'Original’ impliziert doch den Anspruch, das Einzige und das Echte zu sein, was aus bekannten Gründen nicht der Fall sein kann", sagt er.

Hier sei dringend Fingerspitzengefühl vonnöten, findet der Altstadt-Brauer. Allein schon deshalb, weil das Rotbier gerade auf dem besten Weg sei, neben Bratwurst und Lebkuchen eine weitere regionale Spezialität zu werden. Damit verdiene es laut Engel auch besonderen Schutz. Weiteres Ärgernis für den Braumeister, der die Hausbrauerei im Alt- stadthof 1996 übernommen hat, ist folgende Aussage des großen Mitbewerbers: „Original Reifung in getoasten Holzfässern“. Engel: „Nach unserer Auffassung hat diese Art der Reifung mit der traditionellen Herstellungsweise von Rotbier aber rein gar nichts zu tun.“

"Klärung im Sinne des Verbrauchers"

Und schließlich verweist Tucher, das seit 2004 zur Dr.-Oetker-Gruppe gehört, mit seinem Flaschenetikett auf den Standort Altes Sudhaus am Schillerplatz. Dort wurde auch mit schönen Bildern der Werbespot gedreht, der von einer Medienfirma mit Sitz in München, Berlin und Köln produziert wurde und sich aktuell auf YouTube mit den Stichworten "Tucher“ und "Rotbier" finden lässt. "Hauptsächlich wird in Fürth gebraut“, ist sich Engel sicher, der das Ganze als Verbrauchertäuschung einstuft. 80 Prozent des rötlichen "Nürnberger Originals“, dies habe Tucher eingeräumt, stammen aus der Braustelle in Fürth.

Bier aus Franken gesucht: Quizrunde Nr. 2

© Montage: Sabine Schmid

Erkennen Sie fränkische Landbiere am Wappen? Machen Sie den Test!

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Frage 1/10:

Hier sitzt es sich gut. Ein Prost auf welche Brauerei?

Die Brauerei Schleicher ist in der Gemeinde Itzgrund daheim, eingebettet in eine Hügellandschaft, links und rechts des Flüsschens Itz, zwischen Bamberg und Coburg. 1880 von Andreas Schleicher gegründet, hat sich die Brauerei in den vergangenen Jahren auch einen Namen für Nachhaltigkeit und gesunde Ernährung gemacht und ist inzwischen Forschungsstelle für Malz und innovative Getränke. So gibt es beispielsweise auch ein glutenfreies Demeter-Bier im Sortiment, das Schleicher "Natural". Aber warum ein Storchen-Pils? Ganz einfach: Seit vielen Jahren lebt und nistet auf dem Dach der Brauerei ein Storchenpaar, das inzwischen weit über Itzgrund bekannt ist.

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Frage 2/10:

Ritter mit Flügeln: Wer braut denn den?

Die Brauerei Gradl befindet sich in Leups, nördlich von Pegnitz, im Naturpark Fränkische Schweiz/Veldensteiner Forst. Seit 1683 im Familienbesitz, wird hier vor allem das eher dunkle Leupser Bier nach altem Rezept gebraut. Ein Pils gibt es auch, im Mai und zu Weihnachten wird auch ein kräftiger Bock ausgeschenkt.

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Frage 3/10:

Tierisch gut: Wer steckt hinter diesem Verschluss?

Exakt im Jahr 1900 begannen Josef und Maria Reh in Lohndorf, im Ellertal östlich von Bamberg, eine Metzgerei und einen Flaschenbierhandel zu führen. Ein Jahr später bauten sie schon ein Brauhaus, das Bier lagerten sie in einem nahen Felsenkeller am Waldrand. Gut 120 Jahre später wird hier in der vierten Generation erfolgreich gebraut, mit Bergquellwasser aus dem Ellertal.

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Frage 4/10:

Ein Hauch von Afrika: Wer kennt's?

Keller, Lager, Vollbier, Pils: Die Buttenheimer Löwenbräu ist ein Familienunternehmen, das seit 1880 von einer Generation an die nächste weitergegeben wird.

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Frage 5/10:

Ein stolzes Wappen! Wer braut hier seit 1467?

In Zentbechhofen (Höchstadt) wird seit über 550 Jahren gebraut. Vollbier, Landbier, Kellerbier, Hell und Hefeweizen hat Braumeister Timo Baier im Angebot.

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Frage 6/10:

Was sprudelt vor dieser Wehrmauer?

Ein Bier aus Altmühlfranken: Die Brauerei Ritter St. Georg ist in Nennslingen daheim, wenige Kilometer östlich von Weißenburg. Hopfen und Malz stammen aus der Region, das Wasser aus den Tiefen des Jura und der Fränkischen Alb. 1654 gründete der Bierbrauer Georg Engelhardt die Brauerei, 1778 kaufte sie ein Johann Daniel Gloßner, seitdem ist sie im Familienbesitz der Gloßners.

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Frage 7/10:

Seit 1678 an der Quelle: Wer ist's?

Oberlaleida-Obaladara! Eine Brauerei und eine Schankwirtschaft gibt es seit 1687 im Oberleinleitertal bei Heiligenstadt. Die Familie Ott übernahm 1822 das Anwesen Oberleinleiter Nr. 6, und schenkt dort unter anderem auch das süffige "Obaladara" aus. Bergquellwasser, Malzschrot, Hopfen und eine ganz leichte Karamelnote - das passt!

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Frage 8/10:

Hopfen, Malz und Brauwerkzeug: Wer ist's?

Nicht nur Wanderfreunde in der Fränkischen schätzen das "Hetzelsdorfer": Im Gasthaus Penning-Zeißler gegenüber der St. Matthäus-Kirche kehrt man meist länger ein als nur für eine Verschnaufpause. Das liegt auch am süffigen, dunkel-würzigen Bier, das hier in der Privatbrauerei Penning-Zeißler gebraut wird.

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Frage 9/10:

Ein Bier mit Aussicht: Welches ist's?

Die 1872 gegründete Privatbrauerei Schübel liegt im Herzen von Stadtsteinach im Landkreis Kulmbach, südlich der auf dem Verschluss abgebildeten Burgruine Nordeck. In der inzwischen schon fünften Generation wird das Familienunternehmen von Jürgen Münch und Andrea Schübel-Münch geleitet. Insbesondere das "A fränkisch" und das "Drachenseidla" sind auch im Raum Nürnberg keine Unbekannten mehr. Letzteres, ein unfiltriertes Kellerbier, wurde ursprünglich für den Georgimarkt in Presseck gebraut, wenn die Gemeinde im Zeichen des Drachen feiert.

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Frage 10/10:

Zwei gekrönte Löwen - und welche Brauerei?

Im wunderschönen Ahorntal, am Tor der Fränkischen Schweiz zu Bayreuth, begann im Jahr 1866 der Landwirt Bernhard Stöckel mit dem Bierbrauen - und das mit anhaltendem Erfolg. Die Stöckels integrierten über Jahrzehnte die Brauerei mit viel Erfindergeist in den Bauernhof in Hintergereuth, der heutige Brauereichef Georg Stöckel schenkt vor allem Pils, Helles Lager, Landbier und Premium Weisse aus.

© Montage: Sabine Schmid

Lust auf Brauerei-Quiz, Runde 1?

Dann hier entlang!

Im Vorfeld habe es ein Gespräch mit der Geschäftsleitung der Tucher-Bräu gegeben – einigen konnte man sich nicht. Engel hat im Juli am Landgericht Nürnberg/Fürth Klage eingereicht. "Wir hoffen, auf diesem Weg den Sachverhalt im Sinne der Verbraucher zu klären", sagt Engel. Die Tucher-Bräu selbst hat eine Stellungnahme auf Anfrage unserer Zeitung abgelehnt. Zum laufenden Verfahren wolle man sich nicht äußern.

Rurik Schnackig

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