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Tempo 30 in der Stadt? Geteilte Meinungen in Nürnberg

ADAC Nordbayern spricht sich dagegen aus - 18.01.2020 15:54 Uhr

Verkehrsminister Scheuer will Radfahren sicherer machen und die Straßenverkehrsordnung ändern.

18.01.2020 © Jörg Carstensen, dpa


Baureferent Daniel Ulrich (parteilos) hält es für wichtig, dass die Kommune selbst entscheiden kann, auf welchen Verkehrswegen Tempo 50 oder Tempo 30 gilt. Denn die bisherige, allgemein gültige Regelung des Bundesgesetzgebers kann spezifische Nürnberger Gegebenheiten nicht berücksichtigen. Generell Tempo 30 in der Stadt sei falsch, meint Ulrich. Er hält eine individuelle Einzelbetrachtung für notwendig. Bei den großen Hauptverkehrsstraßen sollte weiter Tempo 50 gelten: Sie bieten die nötige Infrastruktur, um für fließenden Verkehr zu sorgen, der ansonsten wieder auf Schleichwegen durch die Wohngebiete abfließen würde.

Doch der hauptamtliche Stadtrat sieht durchaus Regelungsbedarf an einigen Stellen des Nordostrings, an dem viele Wohnblocks stehen. Dort müsste man mit geringerer Geschwindigkeit auf Anwohner Rücksicht nehmen. Auch die Landgraben-/Wölckernstraße ist als Durchgangsstraße teilweise so schmal, dass dort 50 Stundenkilometer schnell zu fahren Illusion ist, so der Baureferent.

Die Fürther Straße ist zwar auch innerhalb des Rings Hauptverkehrsstraße, doch wegen der Anwohner und des parallel verlaufenden Frankenschnellwegs könne man nachdenken, ob dort Tempo 50 noch nötig ist.

Tempo-30-Zonen vor Schulen sinnvoll

Der ADAC hält unterdessen Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen nicht grundsätzlich für sinnvoll. Da sich dadurch die Fahrzeiten erheblich, insbesondere zu verkehrsarmen Zeiten, erhöhen würden. "Dadurch verlieren diese Straßen ihre Attraktivität. Außerdem wäre eine spürbare Zunahme des Verkehrs in bestehenden Tempo-30-Zonen in Wohngebieten die unerwünschte Folge", so ADAC-Sprecher Simon Hiller auf Anfrage. Dennoch müsse man unterscheiden. Auf Hauptverkehrsstraßen – und dort auf kurzen Streckenabschnitten, wie etwa vor Schulen – könne Tempo 30 sinnvoll sein.


Lesen Sie hier: Elf Tipps zum sicheren Radfahren in der Stadt


Für in jedem Fall sinnvoll hält Siller Tempo 30 in Wohnstraßen. "Gegenüber Hauptverkehrsstraßen erfüllen Wohnstraßen eine spezielle Funktion. Neben der Erreichbarkeit steht die Aufenthaltsfunktion für die Anwohner im Vordergrund." Einen positiven Effekt auf die Umwelt durch eine Regelgeschwindigkeit von 30 km/h sieht der ADAC hingegen nicht. In einer Studie hatte der Automobilclub untersucht, wie sich Tempo 30 im Vergleich zu Tempo 50 auf die Emissionen durch Pkw auswirke.

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"Im Ergebnis führt Tempo 30 weder zur Reduzierung der NOx- noch zur Einsparung von CO2-Emissionen, sondern insgesamt sogar zu teilweise schlechteren Ergebnissen", so Hiller.


Kommentar: Tempo-30-Idee ist für Mobilitätsdebatte wenig hilfreich


Jens Ott begrüßt den Vorstoß für eine Regelgeschwindigkeit von Tempo 30 in den Städten. "Das hilf nicht nur, Unfälle zu vermeiden", erklärt der Nürnberger Kreisvorsitzende des Radfahrerclubs ADFC. "Falls es doch zu einem Unfall kommt, sind die Folgen auch nicht so schwerwiegend wie bei Tempo 50." Ott verweist auch auf das subjektive Sicherheitsempfinden von Radlern. "Es macht schon einen Unterschied, ob eine Auto mit 30 oder 50 km/h an mir vorbeifährt", gibt er zu bedenken. Der ADFC-Vorsitzende mahnt aber auch an, die reduzierte Geschwindigkeit in den Städten dann zu kontrollieren, wenn sie flächendeckend eingeführt werde.

"Das hilft nur, wenn Verstöße auch geahndet werden und der nötige Kontrolldruck da ist." Schon jetzt hielten sich Autofahrer in Tempo-30-Zonen nicht an die Vorgaben. Und noch einen weiteren Aspekt einer Tempo-30-Regelung bringt Ott ins Spiel. "Die Vorgabe ersetzt nicht den Bau weiterer getrennter Radwege in der Stadt. Die müssen trotzdem angelegt werden."

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hv/paul/fra

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