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Samstag, 24.08.2019

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Tödlicher S-Bahn-Streit am Frankenstadion: Anklage gegen 17-Jährige

Jugendliche müssen sich wegen Körperverletzung mit Todesfolge verantworten - 23.07.2019 11:50 Uhr

Ein Großaufgebot der Feuerwehr und Polizei war in der Nacht auf den 27. Januar am Frankenstadion im Einsatz. © ToMa


Es war ein Gerangel, das zwei jungen Menschen das Leben kostete. Seit Monaten versuchen Polizei und Staatsanwaltschaft zu klären, was in der Nacht auf den 27. Januar am S-Bahnhof Frankenstadion geschah. Klar ist: Eine Gruppe Jugendlicher geriet in Streit, Zeugen sprechen von tumultartigen Szenen. "Aus nichtigem Anlass", wie die Ermittler betonen, konkreter werden sie dabei nicht. Die Jugendlichen seien aus einer nahegelegenen Diskothek gekommen, wegen des dichten Gedränges an der Bahnsteigkante stürzten drei Jugendliche auf die Schienen. Einer von ihnen konnte sich vor einem einfahrenden Zug selbst retten, die anderen beiden wurden erfasst - und tödlich verletzt.

Der Vorfall schockierte nicht nur die Heimatgemeinde der beiden Opfer, die aus Heroldsberg stammten und dort in der A-Jugend Fußball spielten, sondern ganz Franken.

S-Bahn sollte erst zehn Minuten später fahren

Jetzt teilt die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth, die die Ermittlungen leitet, mit, dass man nicht länger von einem Tötungsvorsatz ausgehe. "Denn den Angeschuldigten ist nicht nachzuweisen, dass sie beim Schubsen mit einem herannahenden und durchfahrenden Zug rechneten, der die gestürzten Personen erfassen würde, bevor sich diese von den Gleisen retten könnten", wie es in einer Pressemittelung heißt. Die S-Bahn, auf die die Jugendlichen warteten, sollte erst etwa zehn Minuten später abfahren.

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Anklage hat die Staatsanwaltschaft dennoch erhoben - nicht aber wegen des Tötungsvorsatzes. Der Vorwurf lautet nun Körperverletzung mit Todesfolge. Paragraph 227 des Strafgesetzbuches sieht dafür eine Freiheitsstrafe von mindestens drei Jahren vor - in minder schweren Fällen sei aber auch eine Begrenzung auf ein Jahr möglich. Die Jugendkammer des Landgerichtes muss nun entscheiden, ob sie die Anklage der Staatsanwaltschaft zur Hauptverhandlung zulässt und ein Verfahren eröffnet.


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Es ist das vorläufige Ende aufwendiger Ermittlungen. Die beiden Tatverdächtigen sitzen seit Ende Januar in Untersuchungshaft. Rund 150 Zeugen habe man vernommen, viele von ihnen warteten mit am S-Bahn-Steig. Auch Videomaterial wurde von einer Ermittlungskommission (EKO) ausgewertet. Die beiden 17-Jährigen haben die Schubs-Attacke eingeräumt, einen Tötungsvorsatz aber bestritten.

In Nürnberg entbrannte nach dem schweren Unglück eine Diskussion um die Sicherheit auf Bahnsteigen. Seit einem Vierteljahrhundert biete man Schulungen zum öffentlichen Nahverkehr für Kindergärten und Schulklassen an, sagt die VAG. Auf den Bahnsteigen im Nürnberger Untergrund gebe es zudem auf jeder Seite mindestens einen Notruf- und Nothalte-Knopf. Auch die baulichen Voraussetzungen an dem Bahnhof wurden von Experten geprüft. 

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