Tödlicher S-Bahn-Streit: Kontrahenten absichtlich ins Gleis gestoßen?

28.1.2019, 15:13 Uhr
Die Jugendlichen waren in der Nacht auf Samstag an der S-Bahn-Haltestelle nahe des Max-Morlock-Stadions aneinander geraten.

Die Jugendlichen waren in der Nacht auf Samstag an der S-Bahn-Haltestelle nahe des Max-Morlock-Stadions aneinander geraten. © ToMa

Zweifacher Totschlag, so lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth gegen zwei 17-Jährige, die seit Samstag in U-Haft sitzen. Sie sollen in der Nacht zum Samstag an der Haltestelle Frankenstadion drei 16-Jährige in das S-Bahn-Gleisbett gestoßen haben. Zwei von ihnen wurden getötet, der dritte konnte sich gerade noch aus dem Gefahrenbereich retten. Die Polizei nahm nach einer Großfahndung die zwei mutmaßlichen Täter (beide 17 Jahre alt) am Wochenende fest.


Jugendliche sterben auf S-Bahngleisen: Bestürzung in Heroldsberg.


Eigentlich sollte es ein ausgelassener Abend werden, doch er endete mit einer Tragödie. Mit Kerzen und Bildern gedenken Bürger der Marktgemeinde Heroldsberg den beiden getöteten Jugendlichen.

Eigentlich sollte es ein ausgelassener Abend werden, doch er endete mit einer Tragödie. Mit Kerzen und Bildern gedenken Bürger der Marktgemeinde Heroldsberg den beiden getöteten Jugendlichen. © NEWS5 / Merzbach

Während einer Veranstaltung für "Coolrider" - Schülerinnen und Schüler, die sich couragiert in öffentlichen Verkehrsmitteln gegen Vandalismus und Gewalt einsetzen - hat sich nun Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zu dem Fall geäußert: "Nach derzeitigem Ermittlungsstand wurden die Opfer ins Gleisbett gestoßen." Ob Alkohol oder Drogen im Spiel waren, kann Oberstaatsanwältin Antje Gabriels-Gorsolke noch nicht sagen. "Den Verdächtigen wurde Blut abgenommen, das Ergebnis über Alkoholwerte und das chemisch-toxikologische Gutachten stehen noch aus."

Jugendliche sitzen wegen Fluchtgefahr in U-Haft

Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden 17-Jährigen allerdings Vorsatz vor. Dem bisherigen Kenntnisstand zufolge hätten die beiden 17-Jährigen billigend in Kauf genommen, dass ihre Kontrahenten von einem herannahenden Zug erfasst werden, sagt sie. Wegen Fluchtgefahr und wegen der Schwere der Tatvorwürfe sitzen die beiden jetzt in Untersuchungshaft. "Fluchtgefahr deshalb, weil wir davon ausgehen, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit versucht wird, sich dem Verfahren zu entziehen", sagt Gabriels-Gorsolke.

Was den Streit unter den Jugendlichen kurz nach Mitternacht auslöste, ist noch Gegenstand der Ermittlungen. Zur Tatzeit warteten auf dem Bahnsteig laut Polizei rund 150 vor allem junge Menschen. Sie kamen von einer Party in einer nahe gelegenen Diskothek und wollten mit einem der letzten Züge nach Hause fahren. Laut Bahnsprecher Anton Knapp handelte es sich bei der S-Bahn, die die beiden Opfer tödlich erfasst hat, um die S3, die auf dem Weg von Neumarkt nach Nürnberg war. An der Haltestelle Frankenstadion hält die Linie in der Regel nicht. "Der Zug hätte durchfahren sollen", so Knapp. Innenminister Herrmann sagte in der Meistersingerhalle, dass die durchfahrende S-Bahn mit einer Geschwindigkeit zwischen 70 und 80 Km/h unterwegs war.