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Toller Service oder Draufzahlgeschäft?

Leiter der ersten privat bewirtschafteten Schulhäuser Nürnbergs sind mit Gebäudediensten zufrieden — Gsell: Keine Kostenvorteile - 16.07.2011 15:26 Uhr

Stück für Stück montieren Künstlerin Manuela Dilly und Herbert Stinzendörfer von SKE Facility Management das riesige Kunstwerk, das bald die Aula der Adalbert-Stifter-Schule ziert.

12.07.2011 © Stefan Hippel


Eigentlich könnte das Kunstprojekt, das Manuela Dilly mit Sechstklässlern der Adalbert-Stifter-Schule verwirklicht hat (der Stadtanzeiger berichtete), längst abgeschlossen sein. Doch obwohl das 3,60 mal 4,20 Meter große Wandgemälde schon seit den Pfingstferien fertig ist, wird es erst seit dieser Woche wie geplant in der Aula aufgehängt.

An den Hausmeistern, die das schwere Kunstwerk mittels eines Baugerüsts an der sechs Meter hohen Wand anbringen müssen, liegt es nicht, betont Manuela Dilly. Im Gegenteil: „So hilfsbereite Hausmeister, die derart mit Freude an die Arbeit gehen und anpacken, habe ich wirklich noch nie erlebt“, lobt die Künstlerin, die Projekte an vielen Nürnberger Schulen gemacht hat.

Dass es trotz der engagierten Mitarbeiter im Schulhaus an der Julius-Leber-Straße länger dauern kann, bis manche Arbeiten erledigt sind, hat einen anderen Grund. Denn anders als andere Schulen wird das Gebäude nicht von der Stadt, sondern von SKE Facility Management bewirtschaftet.

Das heißt, dass die Mannheimer Firma, die für die Stadt Nürnberg drei Schulhäuser und eine Turnhalle neu errichtet oder saniert hat, auch deren laufenden Betrieb übernimmt. Das reicht von Hausmeisterdiensten und Reinigungsarbeiten über Betrieb und Wartung technischer Anlagen bis hin zur langfristigen Instandhaltung der Bausubstanz.
 

"Ein kurzer Anruf reicht meistens"


An der Adalbert-Stifter-Schule läuft die sogenannte Partnerschaft zwischen privaten Investoren und öffentlicher Hand (Private Public Partnership, PPP) laut Rektor Reinhard Rombs „sehr gut“. Auch Helene Buchner, Leiterin der Kopernikusschule in Steinbühl, die ebenfalls von SKE betreut wird, hat auf Anfrage des Stadtanzeigers keinen Grund zum Klagen, wie sie sagt.

Nach „anfänglichen Schwierigkeiten“, so Rektor Reinhard Rombs, habe sich die Zusammenarbeit mit SKE an der Adalbert-Stifter-Schule mittlerweile so gut eingespielt, dass manches sogar schneller laufe, als mit eigenen, städtischen Hausmeistern. „Eine einzige Mail oder ein kurzer Anruf reicht meist, damit etwas erledigt wird.“

Dass die Mühlen im Fall des Wandgemäldes langsamer mahlten, stimme zwar. Aber Vorwürfe macht er der SKE nicht: Bei außergewöhnlichen Arbeiten, die nicht Teil des vertraglichen Leistungskatalogs sind, müsste eben vieles geklärt werden zwischen der Stadt und dem privaten Dienstleister, bevor der loslegen kann.

„Das geht beim Wandbild mit der Frage los, wer die Arbeiten ausführt, bis dahin, was aus der vertraglichen Pflicht des Betreibers wird, der die betroffene Wand regelmäßig zu streichen hat.“ Nicht vergessen dürfe man auch den Brandschutz-Aspekt. In diesem Punkt prüfe die SEK sehr penibel, bevor Malereien oder Plakate in die Gänge dürfen.

Eine Praxis, die Bürgermeister Klemens Gsell begrüßt. „Wenn ich Schulen besuche, erinnere ich ja selbst immer wieder Lehrer und Mitarbeiter daran, das Thema nicht zu vergessen.“ Doch Lobeshymnen mag er nicht anstimmen. Denn jedes Mal, wenn an einer SKESchule eine neue Tafel angebracht, ein Klassenzimmer umgestellt oder eben ein Wandbild aufgehängt wird, flattert die Rechnung für den „Mehraufwand“ dem Schulbürgermeister ins Haus.

„Das sind Arbeiten, die im Schulalltag tausendfach anfallen“, sagt Gsell. Falls vertraglich nichts vereinbart ist, müsse die Stadt zudem jedes Mal mit SKE über den Preis verhandeln. Mit eigenen Hausmeistern, resümiert Gsell, sei man da flexibler. Und unterm Strich wohl auch günstiger. Der knappe Kostenvorteil, den man sich von der privaten Bewirtschaftung erhofft hatte, ist jedenfalls passé. Selbst wenn die Stadt also bei Neubau-

Projekten wie der staatlichen Realschule und FOS oder dem Förderzentrum Paul Moor auf private Partner setzt: Dass sie die Bewirtschaftung wieder abgibt, ist laut Gsell „eher unwahrscheinlich“.
 

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