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Totalverlust statt Traumrendite: Betrug mit Blockheizkraftwerken

Ein Mega-Verfahren um Betrug mit Umwelttechnik beschäftigt das Landgericht weiter - 18.12.2018 17:38 Uhr

Der personelle Aufwand des Verfahrens ist enorm, wie ein Archivbild aus dem Jahr 2014 zeigt, als der Prozess in die erste Runde ging. © dpa


Sonne, Wind und Erdwärme, innovative Techniken und ein gutes Umweltgewissen – der Traum von der sicheren Energiezukunft wurde zuletzt nach der Atom-Havarie 2011 in Japan befeuert. Auch die Nürnberger GFE Group (Gesellschaft zur Förderung erneuerbarer Energien) ritt auf der Energiewelle munter mit, versprach saubere Energie und in den GFE–Chefetagen wurde wohl vor allem von nie versiegenden Geldströmen geträumt. Werbeprospekte versprachen den Anlegern hocheffiziente Minikraftwerke mit Wundermotoren, betrieben von einem Mix aus Rapsöl und Wasser. Ihre riesige Stromleistung sollte für bis zu 35 Prozent Rendite sorgen. Denn der Anleger, der pro 10 Kilowatt 10.000 Euro plus Mehrwertsteuer investierte, vermietete das Minikraftwerk an die GFE zurück. 

Statt Traumrendite folgte der Totalausfall: Im Jahr 2014 verurteilte die 12. Strafkammer des Landgerichts Nürnberg-Fürth die Spitzenmanager des angeblichen Öko-Unternehmens nach 94 Verhandlungstagen und 212 Zeugenaussagen zu Freiheitsstrafen zwischen drei und neun Jahren. Sie hatten 1400 Kunden um rund 60 Millionen Euro geprellt. Denn die Blockheizkraftwerke funktionierten nicht wie angegeben — dies wussten nicht nur die Manager, sondern auch die Verkäufer. 

Lukrative Provisionen 

Aufgrund der lukrativen Provisionen nahmen alle Mittäter mindestens billigend in Kauf, dass die Firma den Bach hinuntergehen und die Anleger auf ihrem Schaden sitzenbleiben würden. Die Verurteilten wussten, dass sie nur leere Versprechungen bieten konnten und zur Herstellung solcher Kraftwerke gar nicht in der Lage waren. Letztlich handelte es sich um ein Schneeballsystem. 

Im damaligen Prozess schilderten Anleger, darunter auch ein Kabarettist aus Veitshöchheim, dass sie ihre Altersvorsorge verloren haben. Doch bis heute wollen sich nicht alle Anleger eingestehen, dass sie sich an dieser Anlage die Finger verbrannten. Obwohl die GFE-Gruppe ihre Gelder in die Schweiz verschob, werden bis heute im Internet Verschwörungstheorien verbreitet. Die "innovative GFE" wird als Opfer der Ölkonzerne betrachtet und die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth und der damalige Insolvenzverwalter als verlängerter Arm der Atomlobby verunglimpft. 

Nun folgt das Strafverfahren, zweiter Teil: Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth hat wieder Anklage erhoben: Auf 480 Seiten werden 15 weitere Angeklagte beschuldigt, an dem raffinierten Betrugsnetzwerk beteiligt gewesen zu sein. Die Rede ist von Betrug in 1507 Fällen. 

Der zuständigen Wirtschaftsstrafkammer waren die Beweise gegen vier der Beschuldigten nicht schwer genug, statt 15 werden ab Ende Januar nur elf Männer und Frauen auf der Anklagebank Platz nehmen müssen. Einer der Beschuldigten ist zwischenzeitlich verstorben. 

 

Ulrike Löw Gerichtsreporterin

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