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Dienstag, 04.08.2020

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Tote in Marienvorstadt: Hilferufe rissen Nachbarn aus Tiefschlaf

Die 23-Jährige wurde vermutlich Opfer eines Gewaltverbrechens - 11.07.2020 05:53 Uhr

Abgeschirmt: Vor dem Hauseingang in der Reindelstraße stehen Polizeibeamte, die den Tatort absichern, um einen störungsfreien Verlauf der Ermittlungsarbeit in der Wohnung zu gewährleisten. © Foto: NEWS5/Grundmann


Sie waren laut zu hören, die Hilfeschreie der 23-jährigen Frau. Selbst auf der gegenüberliegenden Seite der Reindelstraße rissen sie Leute aus dem Tiefschlaf. So schildert es jedenfalls eine Anwohnerin, die jetzt fassungslos vor dem Mehrfamilienhaus steht. Sie hat beobachtet, wie die Polizei den festgenommenen, mutmaßlichen Täter am Freitag in den frühen Morgenstunden aus dem Haus schaffte, wie die Beamten das Anwesen abriegelten und Teams des Kriminaldauerdienstes sowie der Spurensicherung im Hauseingang verschwanden.

Das Haus mit der Nummer 13, es ist schmucklos und unauffällig. Im Erdgeschoss stehen Geschäftsräume mit großen Schaufenstern leer.
Darüber liegen Wohnungen. Das brutale Verbrechen geschah im dritten Obergeschoss. Gegen 4.30 Uhr gingen mehrere Notrufe in der Einsatzzentrale der Polizei ein. Die Anrufer berichteten unisono von sehr lauten Hilferufen. Eine alarmierte Streifenbesatzung machte sich auf den Weg. Die Beamten klingelten, niemand öffnete die Wohnungstüre. "Die Kollegen verschafften sich dann Zutritt", sagt Polizeisprecher Michael Petzold. Da Gefahr im Verzug war, traten sie die Türe ein – und fanden die Leiche der jungen Frau. Die Tote soll äußere Verletzungen und Spuren von Gewalteinwirkung aufgewiesen haben.

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Die Polizei steht am Anfang der Ermittlungen, die schon bald von der Nürnberger Mordkommission übernommen wurden. Wie das Opfer umgebracht wurde, ob der Täter eine Waffe einsetzte und ob es sich um eine Beziehungstat gehandelt hat – diese Fragen sind noch ungeklärt.

Früheres Verbrechen in der Nähe

Vor Ort fanden die Polizisten schließlich den dringend Tatverdächtigen. Petzold: "Der 26-Jährige ließ sich widerstandslos festnehmen." Im Präsidium folgten dann eine ganzheitliche Spurensicherung an Körper und Kleidung des Tatverdächtigen, Blutentnahme zur Klärung, ob der 26-Jährige unter Alkohol- und/oder Drogeneinfluss stand. Im Anschluss daran wird er erkennungsdienstlich behandelt und von Vernehmungsbeamten befragt. Dann wird er einem Haftrichter vorgeführt.


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Die Reindelstraße in der Marienvorstadt ist eine schmale Fahrbahn, die südlich in die Bahnhofstraße mündet. Direkt dem Tatort gegenüber hat sich vor mehr als eineinhalb Jahren schon einmal Schreckliches zugetragen. In der Nacht von Samstag, 24., auf Sonntag, 25. November 2018 lauerte ein junger Mann einer 57-jährigen Frau in der Tiefgarage eines Neubaukomplexes auf. Die Bewohnerin des Hauses kam gerade von einer Weihnachtsfeier.

Haus komplett gesperrt

Der 22-Jährige überwältigte sein Zufallsopfer. Er versuchte, die Frau mit einer Plastiktüte zu ersticken, stach dann 19 Mal mit einem Taschenmesser auf sie ein und erdrosselte die 57-Jährige schließlich mit dem Trageriemen ihrer Handtasche. Die Leiche bugsierte der drogensüchtige Täter dann in den Kofferraum ihres Kleinwagens. Bei Memmelsdorf stoppte ihn eine Streife der Polizei, weil der 22-Jährige in Schlangenlinien auf der Autobahn unterwegs gewesen war. Im Kofferraum entdeckten die Beamten dann die Frauenleiche.

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Im aktuellen Fall steht für Samstag eine Obduktion der Leiche in der Erlanger Rechtsmedizin an. Noch am Freitagvormittag informierten Polizeibeamte die Eltern der getöteten 23-Jährigen. Das Mehrfamilienhaus in der Reindelstraße war bis in die Abendstunden komplett gesperrt, Bewohner durften nur nach strengen Kontrollen ins Gebäude. Nachbarn, die den Notruf gewählt und die Polizei verständigt hatten, waren schockiert. Für sie zog die Polizei einen Notfallseelsorger hinzu.

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