"Tradition": Norisring-Rennen hält an Grid Girls fest

20.6.2018, 05:56 Uhr
Grid Girls tragen am Norisring die Startnummern der einzelnen Rennfahrer.

Grid Girls tragen am Norisring die Startnummern der einzelnen Rennfahrer. © Foto: Viola Bernlocher

Auf hohen Hacken und leicht bekleidet präsentieren die sogenannten Grid Girls auf der Startbahn (dem Starting-Grid) die Startnummer des jeweiligen Rennfahrers. "Augenschmaus", sagen manche dazu, "Boxenluder", lästern andere. Tatsache ist, dass man dem — männlichen Auge — damit etwas mehr bieten möchte als nur heiße Reifen. Frauen werden hier zu Objekten gemacht, lautet die Kritik. Nummern ließen sich sicherlich auch anders präsentieren. Die Formel 1 entschloss sich Anfang des Jahres, auch im Zuge der "MeToo"-Debatte, künftig auf Grid Girls zu verzichten. Das sei nicht mehr zeitgemäß, hieß es unter anderem in der Erklärung.

Seit Jahrzehnten dabei

Beim Motorsport Club Nürnberg (MCN) und der Rennsportserie DTM ist man anderer Meinung. "Es gibt Sachen, die gehören einfach zusammen", findet MCN-Sprecher Philip Schwarm. Grid Girls gehörten seit Jahrzehnten einfach beim Motorsport dazu. Ein frauenfeindliches Bild könne er darin nicht erkennen. "Solange alles mit Anstand und Niveau abläuft und niemand zu etwas gezwungen wird", gebe es keinen Grund, davon abzurücken.

Es sei schließlich eine Tradition. Zu entscheiden hat es der Motorsport Club Nürnberg aber ohnehin nicht. Die Entscheidung liegt bei der DTM, die die jungen Frauen mit nach Nürnberg bringt. Man habe die Entscheidung der Formel 1 mit Interesse verfolgt, sagt ein Sprecher der DTM-Dachorganisation ITR. Auch die weltweiten Reaktionen darauf habe man verfolgt. Unabhängig davon habe man sich aber selber schon Gedanken zu dem Thema gemacht, betont der Sprecher. Am Ende stand der Entschluss, dass die jungen Frauen auch 2018 fester Bestandteil der Startaufstellung sein werden.

"Mit Traditionen kann man brechen"

"Grid Girls gehören zum Motorsport und sind Teil der DTM-Tradition. Das haben nicht nur die Reaktionen unserer Fans in den sozialen Netzwerken deutlich gezeigt", so lautet das Statement der DTM. Wenn die Motoren am Wochenende vom 22. bis 24. Juni am Dutzendteich aufheulen, werden also die jungen Frauen wie immer bereitstehen.

Schade findet die Frauenbeauftragte der Stadt Nürnberg, Hedwig Schouten, diese Entscheidung. Mit "Tradition" zu argumentieren, findet sie falsch. "Mit Traditionen kann man brechen. Wir leben nicht mehr im Weltbild der 50er oder 60er Jahre." Indem man Frauen rein auf ihr Äußeres reduziert, auf ihre Körpermaße, werden stereotype Rollenklischees weiter zementiert, findet sie. Dass die jungen Frauen sich freiwillig zur Verfügung stellen, ändert daran ihrer Meinung nach nichts.

Aus ihrer Sicht gebe es Alternativen, mit denen der Rennsport nichts von seiner Attraktivität einbüßen würde. So könnten stattdessen etwa Rennsport-Fans die Startnummern hochhalten. "Warum verlost man das nicht? Ganz nah an den Fahrern und der Rennstrecke zu sein, das wäre doch eine tolle Sache für die Fans", findet sie. Gedanken darüber müssten sich aber natürlich die Veranstalter machen. "Ich bin sicher, da kämen gute Lösungen zusammen", meint sie.

Wir begleiten das Norisring-Rennen auf nordbayern.de am Wochenende mit einem Live-Ticker. 

40 Kommentare