TC Enzian sucht Mitglieder

Traditionsverein aus Nürnberg: Hüttenromantik und Naturgenuss

31.8.2021, 05:55 Uhr
Ruhe und tolle Aussicht: Die Terrasse der TC Enzian-Hütte hoch über dem Hirschbachtal ist ein Lieblingsplatz von Ulrich Büttner. 

Ruhe und tolle Aussicht: Die Terrasse der TC Enzian-Hütte hoch über dem Hirschbachtal ist ein Lieblingsplatz von Ulrich Büttner.  © Stefan Hippel, NNZ

"Die wunderschöne Aussicht, die Ruhe: Mir geht einfach das Herz auf, wenn ich auf unserer Hütte bin. Da kann ich richtig abschalten", sagt Sandra Schellhorn.

Schon als Kind nahmen sie die Eltern mit zu den Wanderungen und zum vereinseigenen Häuschen, das idyllisch im Wald oberhalb von Fischbrunn auf einem Felsen thront.

Auch heute nutzen ihr Lebensgefährte und sie wann immer es geht das Vereinshaus der "Enzianer". Draußen grillen oder drinnen in der gemütlichen Küche kochen, auf der sonnigen Terrasse entspannen oder zu den geheimnisvollen Felsen im Hirschbachtal spazieren – so verbringt sie am liebsten ihre Freizeit.

Traditionsverein aus Zabo: Seit über 110 Jahren treffen sich die

Traditionsverein aus Zabo: Seit über 110 Jahren treffen sich die "Enzianer" zum Wandern und Werkeln. © Stefan Hippel, NNZ

Auch Ulrich Büttner, Schriftführer des Vereins, berichtet von leuchtenden Kinderaugen, wenn er mit seinen Enkeln einen Ausflug zur Hütte macht: Hier können sie Feuer schüren, im Wald toben. Größere Kinder und Erwachsene finden nur wenige Fußminuten entfernt den Noris- und Höhenglückssteig, hunderte Kletterrouten und ein dichtes Netz an Wanderwegen.

Gründung vor 110 Jahren

Vor 110 Jahren, als sich die ehemaligen Schulfreunde und mittlerweile gestandenen Handwerker aus Zerzabelshof zusammentaten, entsprachen Ausflüge in die Fränkische und Hersbrucker Schweiz, Klettern und Wandern dem Zeitgeist. Wandervereine hatten großen Zulauf. Wenn man nicht in der Natur unterwegs war, feierte man rauschende Feste, das wird nicht nur aus der Vereinschronik des TC Enzian, sondern auch aus den Chroniken anderer Vereine, wie dem Alpenverein deutlich. Einmal im Monat – das ist bis heute so – trifft man sich in Nürnberg zu einem "Stammtisch" und einmal mit Monat schnürt man gemeinsam die Wanderschuhe.

Ein Stück Zeitgeschichte: Die alten Hüttenbücher liefern viele Informationen.

Ein Stück Zeitgeschichte: Die alten Hüttenbücher liefern viele Informationen. © Stefan Hippel, NNZ

Zu einem solchen Verein gehörte damals auch unbedingt eine eigene Hütte: Die "Enzianer" wurden im Hirschbachtal fündig: 1919 kauften sie das "Waldheim Fischbrunn" und renovierten es in den folgenden Jahren. "Die Mitglieder sind mit dem Zug nach Hohenstadt gefahren und haben dann Baumaterial und Werkzeuge zu Fuß bis auf die Hütte getragen", berichtet Ulrich Büttner, Schriftführer des TC.

An der Hütte wird gewerkelt

In den 1970er-und 80er-Jahren vergrößerten und modernisierten sie das Gebäude. Auch derzeit stehen Bauarbeiten an: Weil der Holzwurm an einigen Stellen zugeschlagen hat, muss renoviert werden.


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Die Mitglieder haben einen Teil der Wandverkleidungen und eine Zwischendecke entfernt, nun müssen sie noch Balken erneuern. "Wir haben in der Regel zwei Mal im Jahr Arbeitseinsätze auf der Hütte", berichtet Büttner.

Das Material wird heutzutage aber nicht mehr zu Fuß, sondern mit einem Traktor auf den Berg verfrachtet. Finanziert werden die Um- und Ausbauten vor allem durch die Einnahmen des jährlichen Hüttenfests (das wegen Corona zweimal ausfallen musste) und dem Jahresbeitrag (40 Euro) der Mitglieder.

Bombenkrieg aus der Ferne erlebt

Wer mit Ulrich Büttner die alten Hüttenbücher durchblättert, erfährt durchaus Spannendes: So berichten Mitglieder, die sich im Zweiten Weltkrieg ins Hirschbachtal in Sicherheit gebracht hatten, wie sie die Bombardements auf Nürnberg aus der Ferne erlebten. Unter anderem schreiben sie von einem rot gefärbten Himmel über der Stadt.

Club-Spieler als Mitglieder

Aber auch bekannte Namen haben sich in den alten Hüttenbüchern verewigt: So waren die erfolgreichen Club-Fußballer Hans "Abel" und Baptist Übelein – und später deren Nachkommen – aktive Mitglieder im TC. Jean Müller, der als Hauptwegewart des Fränkischen Albvereins das große Wanderwege-Netz rund um Nürnberg mit anlegte war ebenfalls aktiver "Enzianer".


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Derzeit sucht der Verein nach neuen Mitgliedern: Menschen, die gerne in der Natur sind und Spaß daran haben, ein oder zwei Mal im Jahr auf der Hütte tatkräftig mit anzupacken. 110 Jahre nach der Vereinsgründung ist Wandern in der "Fränkischen", Hüttenromantik und Klettern auch bei jüngeren Menschen und vor allem bei Familien mit Kindern ja wieder sehr beliebt – und Ulrich Büttner hofft, dass Interessierte den Weg zum TC Enzian finden.

Kontakt über E-Mail: tcenzian@web.de

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