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Traurige Hochsaison: Tierheim Nürnberg stößt an Grenzen

Weil Halter verreisen wollen, geraten Einrichtungen an ihre Grenzen - 18.08.2019 13:27 Uhr

Diese beiden Welpen landeten vor drei Jahren im Tierheim. Bei ihren neuen Herrchen dürfen sie hoffentlich mit in den Urlaub fahren. © Foto: Tierheim Nürnberg


Die Urlaubshochsaison ist im vollen Gange. Gerade in dieser Zeit stehen Tierbesitzer vor der Frage: Wohin mit dem Haustier im Urlaub? Im schlimmsten Fall landen die Hund oder Katze einfach vor der Tür. Die hohe Zahl an eintreffenden Tieren in den Tierheimen während der Sommermonate scheint das zu belegen. Jährlich würden in dieser Zeit deutschlandweit durchschnittlich 70.000 Neuaufnahmen in den Tierheimen des Deutschen Tierschutzbundes verzeichnet, sagte Hester Pommerening vom Deutschen Tierschutzbund auf Anfrage der Nürnberger Zeitung. Das liege unter anderem an den sogenannten Urlaubsabgaben, erklärte Pommerening.

Auch das Tierheim in Nürnberg ist während der Sommerzeit voll ausgelastet. Ob es tatsächlich an den Urlaubern liege, die ihre Haustiere aussetzen, sei schwer zu einzuschätzen, sagt Einrichtungsleiterin Tanja Schnabel: "Die meisten Tiere, die zu uns kommen, werden als Fundtiere bei uns abgegeben." Trotzdem habe es auch in diesem Sommer einige sehr unerfreuliche Fälle gegeben, sagen Schnabel und Marcus König, geschäftsführender Vorsitzender des Tierschutzvereins, der als Träger des Tierheims fungiert.

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König berichtet von einer Familie, die in den Urlaub fuhr und fünf bis sechs Löwenkopfkaninchen einfach im eigenen Garten dem Schicksal überließ – die Nachbarn hätten das Tierheim alarmiert. "Das ist schon sehr rücksichtslos", findet König. Schnabel sagt, dass neulich zwei Katzen in einem Karton vor einem Wohnhaus ausgesetzt worden seien. Dafür zeigt die Heimleiterin keinerlei Verständnis: "Bevor man sein Haustier aussetzt, kann man es ja auch gleich zu uns bringen." Immerhin auf dem Parkplatz des Tierheims hätten Unbekannte neulich eine Box mit drei jungen Kätzchen abgestellt, so König. "Die verlassen sich dann darauf, dass wir die Tiere finden."

"Gerade für solche Fälle gibt es Tierpensionen"

In der Regel ist die einzige Voraussetzung für eine Abgabe im Tierheim, dass das Tier bereits geimpft ist. Eine Lösung für Urlauber, die ihren Schützling nach der Reise wiederhaben wollen, wäre das allerdings nicht. "Gerade für solche Fälle gibt es Tierpensionen", sagt Schnabel.

Solch eine Tierpension für Hunde und Katzen im Kreis Nürnberg ist die Tierpension Haas. Auch hier macht sich die Ferienzeit bemerkbar. Für die kommenden Wochen wird das Haus komplett belegt sein. Auf dem 11 000 Quadratmeter großen Gelände befinden sich 29 Hunde- und acht Katzenzimmer. Gerade für die Urlaubszeit sei eine frühzeitige Reservierung in der Pension nötig, um überhaupt noch einen Platz zu bekommen, erklärt Heimleiter Peter Haas: "Für Haustierbesitzer sollte das allerdings klar sein. Den Urlaub plant man ja auch normalerweise lange im Voraus."

Hund für einen Euro verscherbelt

Ob man sein Haustier nicht lieber mit in die Ferien nehmen sollte, macht Haas von der Art des Urlaubs abhängig. "Fährt man in die Berge für einen Wanderurlaub, würde ich den Hund auf jeden Fall mitnehmen", sagt der Pensionsleiter. Bei einem Strandurlaub oder einem Urlaub, für den man mit dem Flugzeug verreisen müsse, würde er generell davon abraten, sein Haustier mitzunehmen.

Moira Gerlach, Fachreferentin für Heimtiere vom Deutschen Tierschutzbund, empfiehlt für Katzen und kleinere Heimtiere, sie in ihrer gewohnten Umgebung versorgen zu lassen. Sie rät, sich möglichst frühzeitig bei Familienmitgliedern, Freunden oder Nachbarn zu erkundigen, ob jemand die Betreuung übernehmen kann. "Im besten Fall besteht schon ein Vertrauensverhältnis zwischen Tier und Betreuer, ansonsten sollten beide die Möglichkeit haben, sich im Vorfeld kennenzulernen", schreibt Gerlach in einer Pressemitteilung.

Doch trotz solcher Alternativen wie der Tierpension oder der Versorgung durch Bekannte zu Hause schreibt die Ferienzeit immer wieder Geschichten, die jeden Tierfreund schockieren: So hat eine Familie in Nordrhein-Westfalen ihren Hund wegen einer anstehenden Urlaubsreise via Kleinanzeige zum Verkauf angeboten – für einen Euro. 

Elda Böhm

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