Es geht um die Existenz

Trauriger Moment: Schausteller bauen Nürnberger Kinderweihnacht ab - "Reserven sind aufgebraucht"

Tobi Lang
Tobi Lang

Online-Redakteur

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27.11.2021, 15:43 Uhr
Von den Buden der Kinderweihnacht steht nicht mehr viel. Sie waren bereits fertig aufgebaut - dann kam die Absage des Christkindlesmarkts.

© Germann Von den Buden der Kinderweihnacht steht nicht mehr viel. Sie waren bereits fertig aufgebaut - dann kam die Absage des Christkindlesmarkts.

Im Dezember werden auf dem Hans-Sachs-Platz normalerweise Kerzen bemalt, Kekse verziert, Kinder fahren auf einer Mini-Eisenbahn vergnügt im Kreis. All das wird es dieses Jahr nicht geben. Zum zweiten Mal in Folge fällt die Kinderweihnacht nach der Absage des Christkindlesmarktes flach. Wochenlang hatten Schausteller Hütten aufgebaut, das Karussell, die Essensbuden. Benutzt wurden sie nie. Am Wochenende räumten die Betreiber den Platz.

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"Naja, wie soll es einem da gehen", sagt Kurt Grauberger. Auch Tage nach der Absage des Christkindlesmarktes ist ihm der Schock noch deutlich anzumerken. Beim Mittagessen habe er von der Entscheidung der Staatsregierung erfahren, alle Weihnachtsmärkte zu verbieten. "Da ist mir der Appetit vergangen." Er kämpft wie viele um die blanke Existenz. "Das Problem ist, dass die Reserve, die man sich fürs Alter aufgebaut hat, weg ist."

Zwei Jahre lang hat die Schausteller-Dynastie der Graubergers keine großen Einnahmen gesehen. "Das letzte war der Weihnachtsmarkt 2019", sagt der Geschäftsführer. "Zwischendrin haben wir Versuche gestartet, Geld zu verdienen. Das hat ein bisschen geholfen - aber nicht so, dass der Betrieb funktioniert."

"Es wird einige Schausteller im nächsten Jahr nicht mehr geben"

Die Absage der Kinderweihnacht ist ein weiterer Tiefschlag. Einen Großteil der Buden auf dem Hans-Sachs-Platz betreiben die Graubergers selbst, Riesenrad und Karussell sind gemietet, ein paar Stände werden von Fremdfirmen geführt. Der Aufbau startete bereits am 8. November - seit Mittwoch wird nun alles wieder abgebaut.

"Wie viel Geld das alles kostet, kann ich nicht sagen", sagt Grauberger und zählt auf: im Schnitt acht Mitarbeiter, Transportkosten, die Mieten für die Fahrgeschäfte. Er hofft, dass ihm seine Geschäftspartner entgegen kommen - gewiss ist das aber nicht. Der Schaden ist gewaltig.

Das spürt nicht nur Grauberger selbst. Erst am Freitag schrieben die Schausteller und Handelsleute in Bayern einen Brandbrief an Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Die Wut und Enttäuschung über die Pauschal-Absage ist groß, das Gewerbe fühlt sich mit "völlig unzureichenden Hilfsangeboten" abgespeist. Auch Grauberger rechnet mit einem Sterben der Schausteller. "Es wird einige im nächsten Jahr sicherlich nicht mehr geben."

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