Montag, 22.04.2019

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"Treppenwitz": "Extra 3" zieht erneut Stadt Nürnberg durch Kakao

Fast 100 Treppen werden im Winter wegen Unfallgefahr gesperrt - 27.03.2019 20:29 Uhr

Im Winter ist diese Treppe in Langwasser gesperrt. Muss das sein? © NDR/Extra3


Das Areal rund um die Kohlfurter Straße ist eine ruhige Wohngegend, viele ältere Menschen leben dort. Die Gehsteige sind breit, immer wieder liegen Grünstreifen dazwischen, die Wege sind relativ kurz. Doch im Winter, dann, wenn der erste Frost auf den Straßen schimmert, wird der Weg für Anwohner im Südosten Nürnbergs etwas beschwerlicher. Pünktlich zur kalten Jahreszeit sperrt die Stadt eine Treppe, die einen Wohnkomplex mit dem Medcenter in Langwasser verbindet. Fünf Stufen ist sie tief - und offenbar eine Gefahr für die Nürnberger. Findet zumindest die Verwaltung. 

"Treppe in den Wintermonaten gesperrt", prangt auf einem rot-weiß gestreiftem Schild am oberen Ende. "Extra 3", ein Magazin im Norddeutschen Rundfunk (NDR), zieht die Stadt jetzt genau für eben jene Sperrung durch den Kakao. In einem Beitrag sprechen die Satiriker vom "Treppenwitz von Nürnberg" - und von Behörden-Irrsinn. 

Wie das Wetter wirklich ist, sei egal, bis Ende März ist die Treppe gesperrt. Kein Einzelfall - bei beinahe 100 Treppen im Stadtgebiet verfährt der Servicebetrieb Öffentlicher Raum (Sör) ähnlich. "Das Konzept wurde ausgearbeitet, um die Leistungsfähigkeit des städtischen Winterdienstes zu verbessern und die Sicherheit für die Bürgerinnen und Bürger zu erhöhen", sagt die Stadt gegenüber "Extra 3". "Eine hirnverbrannte Idee", nennt es eine Anwohnerin in dem Beitrag. 

Ist die Treppe wirklich so gefährlich?

Der Unmut, so skizziert es das NDR-Magazin, ist groß in Langwasser. Sör möchte die Treppe nicht streuen, weil die Ressourcen im Winterdienst - also dann, wenn Tausende Straßen binnen kürzester Zeit geräumt werden müssen - anderswo gebraucht werden. "(...) In der Abwägung von Einzel- versus Gesamtinteresse erscheint uns ein kleiner Umweg zumutbar", wird die Stadt Nürnberg zitiert. 

Diesen Weg müssen Anwohner in Langwasser stattdessen gehen. © NDR/Extra3


Konkret heißt eben jener "kleine Umweg" für die Anwohner aber: Einmal quer über eine Wiese zu einem anderen Gehweg. Für Senioren und Menschen mit Rollatoren ist das beschwerlich, gerade in der Winterzeit, wenn der Boden tief, gefroren oder voll mit Schnee ist. Das Satiremagazin hat das Maßband ausgepackt - und rund 127 Extra-Meter gemessen. "Das Problem ist, dass wir eingesperrt sind", sagt eine Anwohnerin. Weil immer wieder Menschen um die Absperrung gingen, ließ die Stadt sogar einen Metallzaun aufstellen, heißt es in dem Beitrag.

Ist die Treppe wirklich so gefährlich? Ist an den Stufen in Langwasser in der Vergangenheit etwas passiert? "Noch nie", sagt eine Anwohnerin gegenüber "Extra 3", "noch nie ist hier etwas passiert. Jeder kann seine Füße hochnehmen und richtig runterlaufen. Nur die Stadt bildet sich ein, wir können nicht richtig laufen". 

Es ist nicht der erste Auftritt Nürnbergs in der "Extra 3"-Rubik "realer Irrsinn", in der sich die Satiriker oft an deutschen Behörden abarbeiten. 2015 geriet ein Brücken-Gerippe an der Breslauer Straße in den bundesweiten Fokus. 1990 wurde der Übergang feierlich eröffnet, obwohl direkt darunter eine Fußgänger-Ampel steht. 2008 sperrten die Behörden das Bauwerk. Als "Deutschlands dümmste Brücke" bezeichneten die Macher das Gerüst, deren Rückbau 140.000 Euro kostete

Bilderstrecke zum Thema

Teures Versäumnis: Die Fußgängerbrücke Breslauer Straße

Sie ist und bleibt ein Kuriosum: Die Fußgängerbrücke über der Breslauer Straße steht seit Jahren unverändert unfertig in der städtischen Landschaft, seit Jahren kann kein Fußgänger die Brücke passieren. Ein Fall für die NDR-Satire-Sendung extra 3, deren Team sich das Mahnmal genauer ansah.


Der Beitrag aus Nürnberg wird am Mittwochabend um 22.50 Uhr im Norddeutschen Rundfunk (NDR) ausgestrahlt. Er ist bereits hier in der Mediathek zu sehen.  

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