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Trotz Kritik: Bio-Toilette am Wöhrder See soll bleiben

Das umweltfreundliche stille Örtchen funktioniert ohne Spülung - 13.09.2020 05:28 Uhr

Zum Teil hinter Hecken versteckt steht das grüne Bio-Toilettenhäuschen am Rand des Parkplatzes beim Norikus am Wöhrder See.

12.09.2020 © Foto: Jo Seuß


Die Toilettenfrage gehörte zu den Topthemen, als es im Zuge der Sanierung des Wöhrder Sees auch um Verbesserungen außerhalb des Gewässers ging. Inzwischen gibt es öffentliche Klos im Anfang 2020 eröffneten Café Strandgut am Nordufer sowie am Südufer die WCs in der im Sommer fertiggestellten Umweltstation, worauf Tafeln hinweisen. Schon seit September 2019 läuft zudem offiziell der zweijährige Modellversuch mit einer Bio-Toilette, die am Rand des Parkplatzes vor dem Norikus aufgestellt wurde.

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Der Wöhrder See von damals bis heute

1959 beschloss der Stadtrat, den Wöhrder See zwischen Wöhrd und Erlenstegen für Erholungszwecke anzulegen. Er wird heute von der Stadtbevölkerung für Spaziergänge, Joggen, Bummeln und Fischen genutzt - und neuerdings natürlich auch fürs Schwimmen. Die Bildergalerie zeigt, wie der See entstanden ist.


Von der Firma "Eco Toiletten" aus Brandenburg stammt das ökologische Klohäuschen, das ohne Wasser auskommt. Statt Seife gibt es Handwaschpaste und die Fäkalien werden über ein Fließband abtransportiert – mit Strom, den Solarzellen am Dach produzieren. Das funktioniert leise, reibungs- und weitgehend geruchlos. Nur im Urinal für die Männer müffelt es nach einem Jahr Testlauf etwas stärker; dank der Frischluft, die über und unter der Klapptür reinkommt, ist das trotzdem erträglich.

Kritik und eindeutige Spuren

Ein durchaus positives Fazit zieht Bürgermeister Christian Vogel nach der Halbzeit des Bio-Toiletten-Pilotversuchs für Nürnberg. "Es mussten Kleinigkeiten repariert werden", sagt der Sör-Chef und spricht von "normalem Verschleiß. Nichts wirklich Großes" sei vorgefallen. Trotzdem gibt es auch Kritiker – wie zum Beispiel Shahram Vanedi vom Bootsverleih am Wöhrder See.


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Er hat beobachtet, dass die Bio-Toilette immer wieder mal zu gewesen und von Tretbootkunden nicht gefunden worden sei. Als Konsequenz zeigt er auf eindeutige Spuren hinter Sträuchern und Bäumen am Ufer. Vanedi hat deshalb bei der Stadt angeregt, dass er für eine weitere öffentliche Toilette sorgt, in Verbindung mit der Erweiterung des Bootsverleihs.

Bei Sör sieht man jedoch keine Perspektive für ein solches Projekt am Südufer. Vogel betont, er habe sich nochmals beim zuständigen Bezirk wegen der Bio-Toilette informiert: "Da wurde mir bestätigt, dass die Anlage im Großen und Ganzen sehr gut angenommen wurde. Sie hat sich aus Sicht der Fachabteilung bewährt." Es habe "nur sehr wenige Schließungen gegeben". Einmal hätten "Witzbolde fast alle Schrauben der Scharniere entfernt, die Tür drohte rauszufallen; ein weiteres Mal wurde der Verschlussriegel demoliert", berichtet Vogel und stellt fest: "Der Vandalismus ist begrenzt".

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Als kleines Ärgernis gilt lediglich die Erfahrung, dass das Urinal ab und an für "große Geschäfte" genutzt werde, wenn die Hauptkabine besetzt ist. Trotzdem bleibe die Bio-Anlage bis auf weiteres nachts unverschlossen. Laut Vogel will die Stadt 2021 weitere drei bis vier Anlagen in stark genutzten Parks aufstellen. "Wir sind aktuell dabei, mit möglichen Partnern zu sprechen."

Absage an Jamnitzerplatz

Ein Schild erklärt die Bedienung der Bio-Toilette. Auf das lange Halten des Tasters wird auch auf Englisch hingewiesen.

12.09.2020 © Foto: Jo Seuß


Aktuell wird mit einer Investition von rund 100.000 Euro für alle Anlagen kalkuliert. Genaue Zahlen müsse laut Vogel aber die Ausschreibung bringen und letztlich vom Werkausschuss Sör beschlossen werden. Klar ist, dass mobile Bio-Toiletten erheblich günstiger sind. Vogel: "Feste Standorte erhöhen die Maßnahme erheblich. Hier reden wir pro Anlagen bereist von hohen sechsstelligen Beträgen."

Überall sei das Eco-Modell aber nicht geeignet. Etwa dem Jamnitzerpark erteilt Vogel dem Modell angesichts einer "deutlich höhere Vandalismusgefahr" eine klare Absage: Hier müsse im Rahmen der für 2021 geplanten Umgestaltung "etwas Robusteres hin". Sör sei diesbezüglich "schon in Gesprächen mit verschieden Anbietern".


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