Montag, 22.04.2019

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TV-bekannter Konditor Neef aus Nürnberg in U-Haft

Ihm werden Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung vorgeworfen - 21.03.2019 19:00 Uhr

Erst vergangene Woche war der Konditor Florian Neef in der TV-Sendung "Das Perfekte Dinner" zu sehen. Nun sitzt er in U-Haft. © Günter Distler


Mit fünf Franken kochte Florian Neef (32) in der vergangenen Woche im TV-Sender Vox noch um die Wette - und holte mit einer weiteren Teilnehmerin den Sieg, in der Konditorei gratulierten die Gäste. Ob er selbst die Ausstrahlung der aufgezeichneten Koch-Dokumentation - gedreht wurde schon Anfang Januar - im Fernsehen verfolgen konnte, bezweifelte seine Mutter auf Nachfrage. Er weile im Urlaub, schilderte die Seniorchefin vor wenigen Tagen gegenüber Nordbayern.de.

Tatsächlich wurde jetzt bekannt, dass sich der Konditor seit zwei Wochen in U-Haft befindet. "Missbrauch von Schutzbefohlenen" lautet der Vorwurf, den die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth jedoch nicht bestätigt. Noch stehen die Ermittlungen am Anfang, es gelte die Unschuldsvermutung, so Rechtsanwalt Thomas Dolmany.

Der Strafverteidiger steht in engem Kontakt zur Mutter und betont, dass die rund 30 Mitarbeiter – viele sind seit Jahrzehnten in der Konditorei beschäftigt - zur Familie Neef halten und natürlich ändere sich auch an der Qualität der Produkte nichts.

"Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung"

Die Paragrafen des Sexualstrafrechts stehen im 13. Abschnitt des Strafgesetzbuches, "Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung" lautet die Überschrift und daran lässt sich schon einiges ablesen. So gelten für Schutzbefohlene wie Schüler, Azubis oder Konfirmanden besondere Regeln: Paragraf 174 verbietet Ausbildern, Betreuern oder Arbeitgebern (auch freiwillige!) sexuelle Kontakte mit Jugendlichen, da nicht nur die fehlende innere Reife des Minderjährigen, sondern auch dessen Zwangslage und Abhängigkeitsverhältnis ausgenutzt wird. Doch sollten sich die im Raum stehenden Vorwürfe erhärten, sieht das Strafgesetzbuch einen Strafrahmen von drei Monaten bis zu fünf Jahren vor. 

Schon jetzt sitzt Neef hinter Gittern - und auch wenn es sich für ihn anders anfühlen dürfte, eine Strafe ist die U-Haft nicht. Sie soll die Durchführung des Strafverfahrens sichern, und verhindern, dass der Verdächtige flüchtet, Beweise fälscht. Ein Verdacht, den die Staatsanwaltschaft nicht gegen jeden Beschuldigten hegt. Bis der Prozess beginnt, bleiben die meisten Beschuldigten auf freiem Fuß. Es sei denn, dass ein Haftgrund wie Verdunkelungs- oder Fluchtgefahr besteht.

U-Haft muss verhältnismäßig sein

Übrigens muss sich der Beschuldigte nicht versteckt halten oder gar schon bei laufendem Motor im Auto sitzen, wie im Fernsehkrimi. Allein der Gedanke an eine lange Freiheitsstrafe könnte zur Flucht reizen: So besteht bei einem verdächtigen Wirtschaftskriminellen, der es beruflich gewohnt ist, das halbe Jahr im Ausland zu verbringen, weit eher die Gefahr der Flucht als bei einem Familienvater.

Auch meint Fluchtgefahr nicht, dass der Beschuldigte gleich eine abenteuerliche Fluchtkarriere hinlegt. Als Haftgrund reicht die Vermutung, dass der Beschuldigte zum Prozess nicht antritt. Doch selbst wenn die Beweise gesichert sind, der Haftgrund der Verdunklungsgefahr entfällt, muss der Beschuldigte nicht in jedem Fall aus der U-Haft entlassen werden. Der von den Ermittlungsrichtern am häufigsten angenommene Haftgrund ist die Fluchtgefahr. Die U-Haft muss verhältnismäßig sein, sie darf die Dauer der zu erwartenden Strafe nicht übersteigen. Die Ermittlungsbehörden müssen Verfahren so schnell wie möglich betreiben - schließlich gelten Häftlinge bis zu ihrer Verurteilung als unschuldig. Das Freiheitsrecht des Bürgers und das Interesse an der Strafverfolgung müssen abgewogen werden.  

Ulrike Löw

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