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Übers Holper-Pflaster bis zur Burg: E-Scooter im Test

NZ-Redakteurin testet Elektro-Fahrzeug in Nürnberg - 11.08.2019 06:00 Uhr

Eine Helmpflicht besteht für E-Scooter nicht, deshalb hat sich die NZ-Redakteurin ohne Schutz auf den Scooter gewagt. Der ADAC empfiehlt aber, einen Helm zu tragen. © Roland Fengler


Ich habe Glück: Gleich vor dem Gebäude des kicker-Sportmagazins an der Badstraße steht einer der E-Scooter. Vielleicht ist ein Kollege heute schon damit zur Arbeit gekommen? Die Ausleihe ist simpel: Ich habe mir vorher die kostenlose App von Voi aufs Smartphone geladen. Nun gebe ich meine Mail-Adresse und die Kreditkarten-Daten ein, buche den Scooter über den QR-Code am Lenker und los geht’s.

Weil ich ein E-Roller-Neuling bin, fahre ich erst mal zur Wöhrder Wiese. Auf den Wegen dort kann ich ein bisschen üben. Bei fast 30 Grad bläst mir der Fahrtwind angenehm kühl ins Gesicht, als ich den Scooter auf seine Höchstleistung - 20 Kilometer pro Stunde - beschleunige.

Trotz der Hitze muss ich nicht schwitzen, weil ich nicht strampeln muss wie auf einem Fahrrad. Wenn mir Fußgänger oder Radler entgegenkommen, bremse ich etwas ab. Zweiräder und Passanten harmonieren gut, wenn alle Rücksicht nehmen aufeinander.

Ansteigende Straßen sind kein Problem

Nach ein paar Bremsübungen - der Scooter hat eine am linken Lenker und am Hinterrad, die mit dem Fuß bedient werden muss - wage ich mich ins Stadtgetümmel: Über die Insel Schütt, Obstmarkt und Theresienstraße rolle ich der Burg entgegen. Die Autos fahren langsam in der Innenstadt, da fühle ich mich auf meinem E-Scooter daneben sicher.

Auch die ansteigenden Straßen Richtung Burg sind für den Roller kein Problem: Er wird zwar langsamer, aber er schafft es. So leicht und ohne jede Anstrengung habe ich mich Nürnbergs Wahrzeichen noch nie genähert.

Das Kopfsteinpflaster, über das ich bei meiner Tour fahren muss, macht mir allerdings zu schaffen. Das Fahrzeug hat keine Federung, es schüttelt mich ordentlich durch. Am Ende habe ich sogar leichte Kopfschmerzen, wenn ich über hoppeliges Pflaster fahre. Und die Ruckelei beeinträchtigt auch zeitweise meine Sehfähigkeit ein bisschen - vielleicht, weil ich Brillenträgerin bin.

Bilderstrecke zum Thema

Praxistest: Mit dem E-Scooter durch Nürnberg

E-Scooter: Im Moment sind sie in Nürnbergs Innenstadt an jeder Ecke zu sehen. NZ-Redakteurin Judith Horn hat eines der Elektro-Vehikel ausgeliehen und ist damit die Nürnberger Innenstadt abgefahren.


Wenn ich Handzeichen beim Abbiegen geben will, wird es ebenfalls ziemlich wacklig. Am besten fährt es sich mit beiden Händen am Lenker. Über die Wöhrder Wiese geht es langsam wieder zurück zum Verlag. Dort fahre ich noch die Marienstraße entlang, auf dem roten Fahrradstreifen rechts der Fahrbahn. Drei Motorräder überholen mich und scheren vor mir in die rechte Abbiegespur ein – mir wird kurz ein bisschen flau im Magen. Geübte Nürnberg-Radfahrer hätten damit aber sicher kein Problem.

Akku hat gut durchgehalten

Eine Stunde etwa war ich unterwegs, mit zahlreichen Stopps. Der Akku des Rollers hat gut durchgehalten. Auch die Rückgabe funktioniert problemlos: Ich stelle ihn einfach an einer geeigneten Stelle ab und logge mich in der App aus.

Fazit: Das E-Scooter-Fahren macht sehr viel Spaß. Es eignet sich ideal dazu, die Stadt einmal aus einem anderen Blickwinkel zu er-"fahren". Als Ersatz fürs Auto ist der E-Roller aber eher nicht geeignet – zumal ein schwerer Rucksack auf dem Rücken oder eine Tasche das Fahrgefühl sicher trüben.

Judith Horn

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