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Urteil gegen den Messerstecher von St. Johannis rechtskräftig

Motiv des Angeklagten konnte nicht festgestellt werden - 12.05.2020 20:26 Uhr

Die Fahndung nach dem Messerstecher lief im Dezember 2018 auf Hochtouren: Auf der Suche nach der Waffe durchkämmten die Polizisten den Stadtteil St. Johannis. Am 15. Dezember wurde Daniel G. festgenommen. © Foto: Roland Fengler


Dezember 2018 stieß Daniel G. kurz hintereinander drei Frauen ein Messer in den Körper – und versetzte mit diesen brutalen Angriffen den Nürnberger Stadtteil St. Johannis in Angst und Schrecken. Zwei Tage später wurde Daniel G. festgenommen. Warum er das tat?

Am 19. September 2019 saß er, ein muskulös gebauter Mann mit kurz geschorenem Haar und bleichem Gesicht, in der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Nürnberg-Fürth. Versuchter Mord in drei Fällen, lautete der Vorwurf. "Es tut mir unheimlich leid", sagte Daniel G., als er seine Personalien angab.

Doch mehr kam dem Mann nicht über die Lippen. Am 16. Oktober wurde Daniel G. nach mehreren Verhandlungstagen und einer ausführlichen Beweisaufnahme schuldig gesprochen.

Revision des Angeklagten erfolglos

Gerade hat der Bundesgerichtshof (BGH) das Urteil bestätigt: Die Schwurgerichtskammer hatte Daniel G. zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, G. hatte dagegen erfolglos Revision eingelegt.

Die lebenslange Freiheitsstrafe meint, dass die Strafvollstreckung nach 15 Jahren prüfen wird, ob der Rest der Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden kann. In Bayern sitzen, statistisch betrachtet, "Lebenslängliche" fast 22 Jahre hinter Gittern. "Das Motiv des Angeklagten konnte nicht festgestellt werden", so teilt nun auch der BGH mit.

Das Vorstrafenregister des Daniel G. ist lang, es umfasst 18 Einträge. Er saß wegen Drogendelikten, Betrug, Beleidigung und Diebstahl im Gefängnis, auch ein Sexualdelikt brachte ihm bereits eine Verurteilung ein.

In der öffentlich geführten Hauptverhandlung am Landgericht vermutete der Vater des Daniel G. im Zeugenstand "Hass auf Frauen" als Motiv der Bluttaten, doch G. schwieg auch hierzu. Die drei Frauen waren zur falschen Zeit am falschen Ort – sie wurden schlicht zu Zufallsopfern, eine Erkenntnis des Prozesses, so grausam wie banal. G. war wohnungs- und arbeitslos, als er Berlin verließ, weil er dort keine Zukunft mehr für sich sah.

In Nürnberg kannte er sich gut genug aus, um sofort einen Unterschlupf in einer Notunterkunft zu finden. In der Wärmestube ließ er sich am 13. Dezember 2018 ein Frühstück aushändigen, dann irrte er durch Nürnberg. Überwachungskameras zeichneten die Wege des Mannes in den Stunden vor der Tat in weiten Teilen auf.

"Gottvertrauen und Lebensmut"

Am Abend, davon gibt es kein Video, attackierte er die Frauen: Um 19.20 Uhr griff er eine Arzthelferin im Kirchenweg an. Sie war auf dem Weg zu einer Haltestelle. Gegen 22.40 Uhr stach er eine Apothekerin kurz vor deren Haustür nieder, sie kam von einer Weihnachtsfeier. Um 22.45 Uhr rammte er in der Burgschmietstraße einer jungen Mutter ein Messer in den Bauch.

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Stich-Attacken mitten in Nürnberg: Drei Frauen lebensgefährlich verletzt

Drei Frauen sind am Donnerstagabend Opfer eines Stich-Angriffs geworden. Die offenbar zufälligen Opfer eines noch unbekannten Täters mussten nach den Attacken im Klinikum notoperiert werden. Die Polizei fahndete mit einem Großaufgebot nach dem Täter.


Die drei Frauen wurden schwer verletzt, besonders schlimm traf es die junge Mutter. Was damals keiner ahnte: Während die Ärzte im Nordklinikum um das Leben der Frau kämpften, schlief G. im Keller des Krankenhauses. Doch diese Frau, die der Messerstecher am schwersten verletzt hat, sprach im Prozess von "Gottvertrauen" und ihrem "Lebensmut", den sie nicht verlieren wolle. Mittlerweile sind sie und ihr Partner Eltern eines zweiten Kindes.


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ULRIKE LÖW

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