Freitag, 13.12.2019

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VAG will den öffentlichen Nahverkehr attraktiver machen

Umdenken in Sachen Mobilität erfordert Investitionen - 30.05.2019 05:56 Uhr

Der Erste der neuen Gliederzüge vom Typ G 1 für die U-Bahn traf zu Monatsbeginn in Nürnberg ein; derzeit ist er mit einer zweiten Garnitur auf einer Siemens-Teststrecke im Einsatz auf Probe. © Foto: Claus Felix


Rund 152 Millionen Mal haben Fahrgäste im vergangenen Jahr die U- und Straßenbahnen und die Busse der Nürnberger Verkehrs-AG (VAG) genutzt. Das entspricht durchschnittlich 228 Wegen pro Bürger und Jahr. Der öffentliche Nahverkehr deckte knapp ein Viertel der gesamten Mobilität ab und erreichte im sogenannten Modal Split 23 Prozent.

Klimaziele erfordern Umsteuern

Damit wurde das 2017 erreichte Rekordniveau gehalten – und es soll und muss noch viel mehr werden. Denn "wenn die Klimaziele wenigstens 2030 erreicht werden sollen, ist ein viel entschlosseneres Umsteuern erforderlich", bekräftigte der Vorstandsvorsitzende der Städtischen Werke, Josef Hasler, bei der Vorlage der Bilanz des Unternehmens. "Die eigentlich für 2020 vorgesehenen Ziele sind sowieso nicht mehr zu schaffen."

Was bisher laufe – etwa der Aktionsplan "Saubere Luft" des Bundes —, könne nicht mehr sein als ein Anfang. Unabdingbar ist vor allem ein Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs mit konsequenter Förderung – Hand in Hand mit Einschränkungen für den Individualverkehr. "Das haben inzwischen zahlreiche Studien untermauert, zuletzt eine der Leopoldina", so Hasler weiter. Zu den Weichenstellungen gehören nicht zuletzt wirksame, aber sozial ausgewogene Veränderungen im Steuer- und Abgabensystem.

Investitionen in Technik und Marketing

Auf die künftigen Anforderungen stellt sich die VAG zum einen mit dem Ausbau der Abo-Werbung und intensiver Förderung des Fahrkartenverkaufs über das Internet ein; noch in diesem Jahr erwartet Tim Dahlmann-Resing, Vorstand für Technik und Marketing, den 100 000. Abo-Kunden. Den Fahrgästen, die sich fest binden, will die VAG vor allem das E-Ticket mit Chip im Scheckkartenformat schmackhaft machen. Ebenfalls noch heuer soll erstmals die Zwei-Millionen-Marke beim Online-Vertrieb überschritten werden.

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Weit umfangreicher – und teurer – sind freilich die Anstrengungen zur Erweiterung und Erneuerung des Fuhrparks: Allein die 34 vierteiligen U-Bahn-Züge vom Typ G 1, die bis 2022 die 42 älteren Doppelzüge ersetzen, schlagen mit gut 260 Millionen Euro zu Buche – von denen "nur" rund 54 Millionen durch staatliche Zuschüsse gedeckt sind. Für die Erneuerung von 40 Straßenbahnzügen sind 24 Millionen Euro (ebenfalls bis 2022) vorgesehen, aktuell läuft die Ausschreibung für die Bestellung von zwölf neuen Trambahnen. "Wenn die Pläne für die Stadt-Umland-Bahn Gestalt annehmen, werden wir noch weitere Züge bestellen müssen", ergänzt Hasler.

Die Busflotte wird elektrisch

Auf rund zehn Jahre angelegt ist die Umstellung der Busflotte auf Elektrofahrzeuge. Der erste Testbus hat im Tagesbetrieb bereits rund 40.000 Kilometer zurückgelegt und komme auch bei den Fahrgästen sehr gut an, berichten die Verantwortlichen. Im kommenden Jahr sollen sechs E-Busse dazukommen. "Bisher gibt es nur einen guten Hersteller; ich hoffe sehr, dass bald andere Marken nachziehen", so Hasler in der Hoffnung, dass Konkurrenz die hohen Preise dämpft.

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Insgesamt hat die VAG 2018 wirtschaftlich besser abgeschnitten als erwartet: Sie erzielte Einnahmen von knapp 180 Millionen Euro; rund zwei Drittel gab sie für die Personalkosten aus. Das Defizit von 69,7 Millionen Euro – fast identisch mit dem des Vorjahres – ließ sich, wie üblich, durch die N-Ergie ausgleichen.

Wolfgang Heilig-Achneck

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