Denkmalschutz

Verlassen? Imposante Villa in Nürnberg gibt Rätsel auf

10.6.2021, 15:06 Uhr

"Das kann doch nicht sein": Die denkmalgeschützte Villa Hirsch in der Wielandstraße 27 in Johannis steht seit 2013 leer.  © Michael Matejka, NNZ

Sven Heublein findet deutliche Worte. "Es ist skandalös", sagt der Vorsitzende des Bürgervereins St. Johannis. Die Rede ist von der denkmalgeschützten Villa Hirsch in der Wielandstraße 27, die seit 2013 leer steht. "Einerseits geht es hier um Wohnraum, den wir im Stadtteil dringend brauchen könnten, andererseits handelt es sich um ein Denkmal, das zusehends verfällt und nicht saniert wird", kritisiert er.


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"Es kann doch nicht sein, dass der Bund in Gestalt von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben auf solch ein Objekt in absoluter Toplage hockt und acht Jahre lang nichts passiert", so Heublein.

Bei einem Ortstermin: Sebastian Brehm und Sven Heublein (re.) am Eingang.

Bei einem Ortstermin: Sebastian Brehm und Sven Heublein (re.) am Eingang. © Bürgerverein

Seit 2019 macht sich der Bürgerverein für die leerstehende Villa im Viertel stark. Um den Druck zu erhöhen, hat sich Heublein nun Unterstützung von dem Nürnberger Bundestagsabgeordneten Sebastian Brehm (CSU) geholt. Das Ziel? Dass der Eigentümer – also der Bund – eine rasche Nutzung ermöglicht.

Vor zwei Jahren ging es zunächst darum, ob die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) die im Jahr 1913 erbaute Fabrikantenvilla, beispielsweise als Wohnraum für Beschäftigte des Bundes, selbst saniert und nutzt, berichtet Heublein. Eine Alternative wäre auch gewesen, dass die Stadt das 1340 Quadratmeter große Anwesen erwirbt, um hier etwa eine Kita zu ermöglichen. Mittlerweile sei klar, dass die BImA das Gebäude nicht sanieren werde. Auch die Stadt Nürnberg kann mit Blick auf die angespannte Haushaltslage die denkmalgeschützte Villa nicht erwerben. Wirtschaftsreferent Michael Fraas (CSU) dazu: "Es gibt keinen städtischen Bedarf, der den erheblichen finanziellen Aufwand für die Renovierung der Villa rechtfertigt."

Rätselhaft: "Hauptstelle für Befragungswesen"

Und so wagt Heublein gemeinsam mit Sebastian Brehm einen neuen Vorstoß. "Als Bundestagsabgeordneter des Nürnberger Nordens und Mitglied des Bürgervereins ist es mir ein Anliegen, mich für St. Johannis einzusetzen", sagt der CSU-Politiker. Daher habe er sich mit einem Schreiben und persönlichen Gesprächen an die BImA gewandt und darum gebeten, "die ,BND-Villa‘ einer hoffentlich raschen Nutzung zuzuführen".

Und Hier: Heublein (re.) und Brehm vor der Mauer des Anwesens.

Und Hier: Heublein (re.) und Brehm vor der Mauer des Anwesens. © Bürgerverein

Diesen Beinamen hat das Bauwerk mit Blick auf seine markante Vergangenheit bekommen: Der Bundesnachrichtendienst (BND) hatte hier eine sogenannte "Hauptstelle für Befragungswesen" eingerichtet.


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Dies stand ehemals auch auf einem kleinen Aufkleber am Briefkasten. Diese war ursprünglich von den Westalliierten eingerichtet und dann 1958 von der damaligen Bundesregierung übernommen worden. Die Aufgabe war es, Flüchtlinge auszuhorchen, um über sie an Informationen aus Krisenregionen und über Terrorgruppen zu gelangen. Ende 2013 ist der Bundesnachrichtendienst ausgezogen, der Bund hat die "Hauptstelle für Befragungswesen" ein halbes Jahr später offiziell aufgelöst.

Heublein betont: "Das leerstehende Gebäude wird ja nicht besser, je mehr Zeit vergeht. Das Denkmal muss saniert und einer sinnvollen Nutzung zugeführt werden. Wenn die öffentliche Hand dazu derzeit nicht bereit ist, ist eine denkmalgerechte Entwicklung durch einen privaten Investor für eine finanzkräftige Klientel immer noch besser als ein Leerstand." Er könne sich vorstellen, dass dann eine Infotafel auf die Geschichte der Villa hinweist.

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