22°

Freitag, 03.07.2020

|

zum Thema

Verschwinden der Präriehunde im Tiergarten bleibt rätselhaft

Baggerarbeiten für das neue Wüstenhaus: Keine einzige Spur führt zu den Nagern - 31.01.2018 06:00 Uhr

Ein Mini-Bagger schaufelte die oberste Erdschicht weg, um die Laufwege freizulegen und möglicherweise auf Skelette der Präriehunde zu stoßen. Doch die süßen Erdhörnchen bleiben verschwunden... © Foto: Linke


Die putzigen Nager mit den dicken Backen und den fleißig grabenden Pfoten lebten im angrenzenden Freigelände jahrelang. Sie hatten ein umfangreiches, unterirdisches Gangsystem angelegt. Dorthin zogen sich die Erdhörnchen auch zum Winterschlaf zurück - und kamen regelmäßig im Februar oder März wieder. Bis zum Frühjahr 2015.

Die Besucher standen vor dem Gehege und starrten auf die leere Fläche: Kein einziges herumwieselndes Erdhörnchen mit rötlich-braunem Pelz war zu erspähen. Irgendwann wurden die Pfleger unruhig, dass sich kein einziger der bis zu 30 Zentimeter großen Präriehunde blicken ließ. Nachforschungen waren nicht so einfach. Denn mit ihren emsigen Pfötchen können sie 300 Meter lange Gänge graben, die in bis zu fünf Meter Tiefe hinab reichen. 

Bilderstrecke zum Thema

Tiergarten Nürnberg: Aus Flusspferdhaus wird Wüstenhaus

Jahrzehntelang war es das Zuhause für die Flusspferde im Nürnberger Tiergarten: Webbi, Kati & Co. - die dicken Kolosse waren Publikumslieblinge. Doch sie hatten dort viel zu wenig Platz. Jetzt wurde das Gebäude zum Wüstenhaus umgestaltet, um dort Pillendreher, Fette Sandratte und Wüstenvögel Nordafrikas zu zeigen.


Ein Mini-Bagger schaufelte zunächst die oberste Erdschicht weg, um die Laufwege freizulegen und möglicherweise auf Skelette der Präriehunde zu stoßen. Doch das Ergebnis war: nichts. So blieb das urplötzliche Verschwinden der pausbäckigen Sympathieträger für die Tiergarten-Leitung ein Rätsel. Hatte eine Seuche die gesamte Erdhörnchen-Mannschaft einige Meter unter der Erde dahingerafft? Oder haben Iltisse im Blutrausch die zehnköpfige Sippe ausgelöscht? Das mysteriöse Schicksal bewegte damals viele Zoo-Gäste - und nach einem Artikel in den Nürnberger Nachrichten auch die Medienwelt: Viele Tageszeitungen, Radiosender und TV-Stationen zogen nach.

Das Schicksal der vermissten Präriehunde

Selbst der Einsatz eines großen Baggers bei den Arbeiten für das Wüstenhaus brachte nichts zutage: "Wir haben kein Knöchelchen gefunden, überhaupt nichts", erklärte Tiergarten-Direktor Dag Encke jetzt gegenüber nordbayern.de. Manche Zoo-Besucher meinten, die Präriehunde in anderen Gehegen des weitläufigen Tiergartens zu entdecken. Doch die Biologen des Tiergartens mussten bei der Überprüfung feststellen, dass es sich bei den vermeintlich ausgewanderten Präriehunden um Ziesel oder Erdmännchen handelt. Die Suche ist endgültig eingestellt, das Schicksal der vermissten Präriehunde bleibt ungeklärt.

Bilderstrecke zum Thema

Löwen, Tiger und Delphine: Die Geschichte des Nürnberger Tiergartens

Bei seiner Eröffnung 1912 lag das Tiergarten-Areal noch in der Nähe des Dutzendteichs. 883 Tiere 193 verschiedener Arten beherbergte der Tiergarten damals - heute sind es über 3000 Tiere fast 300 unterschiedlicher Arten. Hier gibt's die schönsten Bilder aus über 100 Jahren Zoo-Geschichte!


Bilderstrecke zum Thema

Präriehunde, Ziesel und Co.: Kennen Sie den Unterschied?

Die Verwirrung seit dem mysteriösen Verschwinden der Präriehunde ist groß. An jeder Ecke meinen die Besucher des Tiergartens in Nürnberg nun die wuseligen Nagetiere entdeckt zu haben. Doch die Verwechslungsgefahr ist groß: Wir erklären die Unterschiede zwischen den Artverwandten.


Hartmut Voigt Lokalredaktion Nürnberg E-Mail

7

7 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Nürnberg