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Verschwinden Sandstein-Schnörkel unter Styropor?

Wer saniert, der dämmt: Fall in der Adamstraße könnte gut ausgehen — Umgang mit Gründerzeit-Fassaden klären - 24.10.2012

Idyllische Adamstraße: Am Haus Nummer 41 (rechts) wird bereits gearbeitet. Ob die alte Sandsteinfassade unter Dämmplatten verschwinden wird, ist vorerst noch offen.

© Hagen Gerullis


Dass jemand davon Aufhebens machen würde, hat Bernd Baumgärtner überrascht. In der Süd- und Nordstadt hat er nämlich schon mehrere Häuser aus der Jahrhundertwende optisch zu Neubauten gemacht; ihre Fronten verschwanden mitsamt aller Schnörkel und Bordüren unter 16 Zentimeter dickem Styropor — und kein Hahn krähte danach.
Doch im Stadtteil Rennweg, in der idyllischen und baumbestandenen Adamstraße, setzen dem Geschäftsführer der Kilian-Wohnbau plötzlich erboste Architekturkritiker im Internet („Fassadenfrevel droht“) sowie die kommunale Bauordnungsbehörde zu. Ziel: Das Gebäude mit der Hausnummer 41 darf nicht verschwinden, auch wenn es weder unter Denkmal- noch unter Ensembleschutz steht.

Diese wunderschöne Straßenseite müsse erhalten bleiben, sagt auch Daniel Ulrich, der Chef der Bauordnungsbehörde. Er macht jedoch kein Geheimnis daraus, dass der Stadt rechtlich die Hände gebunden sind. Wer dämmen will, braucht keinen Bauantrag. Auch nicht für alte Sandsteinfassaden, wenn die nicht auf der Denkmalliste stehen. Nur weil die Kilian-Wohnbau an der Rückseite Balkons anhängen will, liegt dem Amt überhaupt ein Bauantrag vor. Er habe dem Bauherren bereits „gut zugeredet“, so Ulrich. Innen zu dämmen sei zwar nicht ganz einfach, doch auf jeden Fall machbar.
Offenbar hatten die Überzeugungsversuche im Bauamt einigen Erfolg. Er sehe das Thema mittlerweile etwas anders, gibt Bernd Baumgärtner auf Anfrage zu Protokoll. Sprich: Obwohl einige der Eigentumswohnungen für Quadratmeterpreise um 3100 Euro schon verkauft sind, will er womöglich doch auf die schonende, wenn auch etwas teurere Innendämmung setzen.

„Nicht stur durchziehen“

Baumgärtner: „Wir wollen das ja nicht stur durchziehen.“ Allerdings sei der hohe Dämmwert, für den es zinsgünstige Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gibt, ein Verkaufsargument gewesen. Mit den Kunden muss er reden. Gegenüber gehören ihm zwei weitere alte Häuser, nur eines steht unter Denkmalschutz.
Der Stadtrat müsse sich mit der Problematik möglichst bald auseinandersetzen und klären, wie mit Gründerzeithäusern, die in Nürnberg den Krieg überstanden haben, umgegangen werden soll. Das sagen sowohl Stadtheimatpflegerin Claudia Maué als auch Michael Bengl von den Altstadtfreunden. Wer saniert, der dämmt, das werde künftig immer häufiger so sein. Maué: „Da könnten ganze Viertel entwertet werden.“ Um das zu verhindern, müssten freilich mehr Straßenzüge als Ensembles geschützt werden.
 

VON CLAUDINE STAUBER

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