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Viel Kritik: Nürnberg rutscht im Fahrradklimatest ab

Quer durch die Fraktionen werden mehr Anstrengungen für Radverkehr gefordert - 24.02.2015 05:58 Uhr

Radfahrer haben es in Nürnberg (hier in der Südstadt im Bereich Brehmstraße / Steinbühler Tunnel) nicht immer leicht. © Horst Linke


Beim letzten bundesweiten ADFC-Fahrradklimatest im Jahr 2012 landete Nürnberg unter 39 Städten mit mehr als 200 000 Einwohnern in der vorderen Hälfte auf Platz 17, diesmal ist man mit Rang 26 ins hintere Drittel abgerutscht, Erlangen hingegen landete auf Rang eins.

Nürnbergs Gesamtnote von 4,0 sei im Vergleich zu 3,89 nicht sehr viel schlechter geworden, kommentiert der hiesige ADFC-Vorsitzende Jens Ott. Trotz des kommunalen Förderprogramms „Nürnberg steigt auf“ seien die Maßnahmen offenbar nicht angekommen. .Das Absacken hält Ott für ein „Alarmzeichen“, die Stadt müsse beim Radverkehr „die Anstrengungen verstärken“.

Ähnlich wird dies von den Verkehrsexperten der Stadtratsfraktionen gesehen. Thorsten Brehm (SPD) sprach von einer „realistischen Einschätzung“, die man nicht abtun könne. CSU-Stadtrat Marcus König hält die Entwicklung für „bedenklich“. Achim Mletzko (Grüne) hält die überwiegend schlechten Bewertungen für „gerechtfertigt und objektiv wahr“. Aus seiner Sicht wird durch den Fahrradklimatest 2014 der im Frühjahr 2013 verliehene Titel „Fahrradfreundliche Stadt“ für Nürnberg „wieder zurechtgerückt“.

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Gute Ansatzpunkte für Verbesserungen sieht Mletzko insbesondere beim gravierendsten Kritikpunkt — dem Falschparken auf Radwegen. Die Note 5,2 spricht für äußerst mangelhafte Kontrollen. Polizei und Kommunale Verkehrsüberwachung müssten „viel rigider gegen Vergehen vorgehen“. Auch Brehm und König sehen hier „Handlungsfelder“, die schnell angegangen werden könnten. Dazu gehört ebenso der Umgang mit Baustellen — Note 5,1 weist auf einen großen Schwachpunkt hin.  Ebenfalls ohne größere Investitionen könnten aus Sicht von Brehm die Ampelschaltungen fahrradfreundlicher eingestellt werden.

Brehm, König und Mletzko sind sich bewusst, dass es bei der Verbesserung der Infrastruktur nicht nur ums Geld geht, sondern auch die Platz-Frage im öffentlichen Raum gestellt werden muss. Baureferent Daniel Ulrich, der in der Fahrradstadt Erlangen wohnt (Platz 1 beim ADFC-Test bei 40 Städten über 100 000 Einwohner, Fürth ist auf Rang 15), sieht keinen Grund dafür, das schlechte Ergebnis zu beschönigen. Die hohe Anzahl an Teilnehmern sei aber ein  Beleg für das große Interesse am Thema Radfahren in Nürnberg. Gerade deshalb hält er es für wichtig, das Klima und die Akzeptanz der Radler als Verkehrsteilnehmer (Note: 4,1) zu verbessern. Mit Blick auf die Lücken bei der Infrastruktur macht Ulrich aber klar, „dass die einfachen Radwege angelegt sind“. 

Jo Seuß (Nürnberger Nachrichten)

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