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Vom eigenen Erfolg überrannt

Die Musikschule stößt durch das „Mubikin“-Projekt an ihre Kapazitätsgrenzen - 01.07.2014 20:58 Uhr

Wie hier in der Grundschule Eibach erlernen derzeit viele Kinder frühzeitig ein Instrument durch die Initiative „Mubikin“. © Michael Matejka


Eigentlich ist Musikschul-Chef Rudolf Wundling ganz zufrieden. Am Horizont zeichnet sich die lange ersehnte neue Zentrale in der Kulturwerkstatt „Auf AEG“ ab. Im Jahr 2016 soll es soweit sein. Dann werden 1200 zusätzliche Quadratmeter zur Verfügung stehen und damit auch Platz für das bislang noch in Langwasser beheimatete Chorzentrum. „Positiv-euphorischen Stress“, nennt Wundling all die Zusatzarbeit, die er derzeit mit der Planung verbringen muss.

Und dennoch gibt es Sorgenfalten in Wundlings Gesicht. Und die hängen ausgerechnet mit der Erfolgsgeschichte von Mubikin zusammen. Gedacht ist die musikalische Früherziehung für Kinder in den letzten beiden Kindergarten-Jahren (bzw. in der Vorschule) und in den ersten beiden Grundschul-Jahrgängen, also im Alter zwischen vier und acht Jahren. Immer mehr Einrichtungen wollen an diesem großzügig von den Stiftungen „Persönlichkeit“ und „Bouhon“ unterstützten Modellprojekt teilnehmen.

Seit der Einführung 2011 hat sich die Teilnehmerzahl auf jetzt rund 1600 Kinder verdreifacht. Im neuen Schuljahr sollen die Helene-von-Forster-Grundschule in Röthenbach, die Friedrich-Wanderer-Grundschule im Westen und die Grundschule Fischbach hinzukommen. Mittlerweile präsentiert sich der Jobmarkt für „Elementare Musikerzieher“ als ziemlich abgegrast, sodass kaum noch diesbezügliches Fachpersonal zu finden ist.

Grenzen der Belastbarkeit

Auch auf der Leitungsebene ist man an die Grenzen der Belastbarkeit gelangt. Wundlings Stellvertreterin Gabriele Rüll hat nicht nur ihren hausinternen Elementar-Fachbereich zu managen, sondern muss auch die komplizierten Stundenpläne mit Kindergärten und Schulen verwalten. „Eine Regiestelle, die diese Koordinationsarbeit leistet, wäre hier bitter nötig“, erläutert Wundling.

Das sieht man auch im Amt für Kultur und Freizeit, also der übergeordneten Dienststelle der Musikschule, und in Julia Lehners Kulturreferat so. Und dennoch konnten sich die Ämter nicht dazu durchringen, dem Kulturausschuss, der sich übermorgen sowohl mit Mubikin als auch mit der aktuellen Lage der Musikschule beschäftigen wird, einen Antrag auf Stellenerhöhung vorzulegen.

Im Gegenteil. Als Konsolidierungsbeitrag wurden der Musikschule weitere Lehrstunden nach dem Eintritt mehrerer Pädagogen in den Ruhestand gestrichen. Das hat Auswirkungen. „Zum einen baut sich durch Mubikin ein gewisses Erwartungspotenzial auf. Das heißt, es gibt viele Kinder, die wollen mit acht Jahren nicht aufhören zu musizieren, sondern weitermachen. Und für die müssen wir lange Wartelisten einrichten.“ Aktuell, so schätzt Wundling, stehen rund 500 Bewerbungen an, die nicht zum Zuge kommen können.

Außerdem möchte Wundling auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren. Seiner Meinung nach müsste gerade der popularmusikalische Bereich ausgebaut werden (hier gibt es eine enorme Nachfrage) und auch eine interkulturelle Öffnung erfolgen. So beginnt nach den Ferien ein Angebot für griechische (Baglama) oder türkische (Saz) Laute. Bouzouki und die westafrikanische Bechertrommel Djembe sollen folgen.

Allein für die Abarbeitung der Wartelisten bräuchte die Musikschule fünf neue Stellen. Ein weiteres Problem: Zum Glück nehmen auch viele Kinder mit Nürnberg-Pass oder Sozial-Gutscheinen die Angebote wahr (ihre Zahl hat sich seit 2006 fast verdoppelt). Aber das führt zu empfindlichen Finanzausfällen. „Immerhin“, sagt Schulchef Wundling, „haben wir dennoch in den letzten beiden Jahren eine schwarze Null hinbekommen.“

Aufgabe der Orchesterarbeit

Sorge macht ihm schließlich noch ein anderer Punkt, der zu einem Großteil mit der G-8-Schulform zu tun hat. Wegen der starken schulischen Beanspruchung der Gymnasiasten am Nachmittag war es nicht mehr möglich, das Nürnberger Jugendorchester aufrecht zu erhalten. „Und das schlägt sich nun auch auf andere Ensembles nieder“, bedauert Wundling. Aber gerade gemeinsames Musizieren sei viel wichtiger als Einzelunterricht.  

JENS VOSKAMP

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