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Vom Lockdown zur grünen Zone: Initiative will No-Covid-Modellregion Nürnberg

In vier Phasen zu mehr Freiheit: Wann mit ersten Lockerungen zu rechnen wäre - 15.04.2021 18:50 Uhr

"Es reicht! Covid stoppen Effektiv. Solidarisch. Demokratisch." ist auf einem Tuch zu lesen, das Teilnehmer einer "No-Covid" Kundgebung auf dem Magdeburger Domplatz aufspannen.

31.03.2021 © Klaus-Dietmar Gabbert, dpa


An Tübingen, der vielzitierten Modellstadt mit zuletzt steigenden Corona-Fallzahlen, lässt Thomas Pettinger kein gutes Haar. "Die Idee solcher Modellprojekte ist tot." Zuletzt machte der Nürnberger, der im Bereich der Digitalisierung von Medizin arbeitet, mit einer Petition gegen den Präsenzunterricht an Schulen auf sich aufmerksam. Nun haben er und weitere Mitstreiter ein Konzept für eine No-Covid-Modellregion in den Grenzen der Metropolregion Nürnberg vorgelegt, das Öffnungen "in möglichst schneller Zeit" erreichen will.

Erst Lockdown, dann Öffnungen

Zuvor aber, und das ist der große Unterschied zu Tübingen, soll die Inzidenz durch einen harten Lockdown "auch im Bereich der freien Wirtschaft und der Verwaltungen" stark abgesenkt werden. "Das ist das Grundprinzip von No-Covid, dass wir eine möglichst niedrige Inzidenz erreichen", erklärt Pettinger bei einer virtuellen Vorstellung seiner Pläne.

Seine Initiative einer No-Covid-Modellregion steht noch am Anfang, will aber schnell bei Unternehmen, Politikern und Kulturschaffenden um Unterstützung werben. Zwei von ihnen sind schon an diesem Abend mit dabei: Mike Bock, der für die Grünen im Nürnberger Stadtrat sitzt, sowie Matthias Damm, Theaterleiter des Nürnberger Kinos Casablancas. Persönlich gefällt beiden das vorgestellte Konzept sehr gut. Sie kündigen an, es in Partei beziehungsweise Kino besprechen zu wollen.

Die No-Covid-Modellregion sieht eine Kombination aus rigorosem Lockdown und einer "Langfriststrategie für Bevölkerung, Wirtschaft und Kultur" vor - in insgesamt vier Phasen: Zuerst soll in Unternehmen, Verwaltungen, Schulen und Zuhause eine breit angelegte Testkampagne starten. "Testen bringt nach wie vor viel", sagt Pettinger und verweist auf das Beispiel Dänemark.

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Ruhephase für zwei bis drei Wochen

Parallel zum Testen kann die sogenannte "Ruhephase" beginnen, in der Kontakte und Mobilität für zwei bis drei Wochen - das heißt mindestens drei Inkubationszeiträume des Corona-Virus - auf ein absolutes Minimum reduziert werden. Laut Pettinger könnte dies auch Betriebsruhen bei "engagierten Unternehmen" bedeuten. Wichtig sei eine klare Kommunikation, dass man in dieser Zeit nicht unterwegs sein soll. Es gehe darum, "das Verhalten der Bevölkerung zu beeinflussen". Dazu müsse auch der ÖPNV reduziert und der Autoverkehr unattraktiv gemacht werden. Nur Geschäfte des täglichen Bedarf dürften geöffnet bleiben - mit strikten Zugangskontrollen.

Zu ersten vorsichtigen Lockerungen könnte es in der daraus resultierenden "Absenkungsphase" kommen. Ab einer Inzidenz von unter 50 denkt Pettinger an die Schulen, ab unter 35 auch an die Außengastronomie. Weiterhin müssten "massive Tests" durchgeführt werden.


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Sinkt die Sieben-Tages-Inzidenz unter zehn, wäre die "Grüne Zone" erreicht. Dann könnten sämtliche Geschäfte, Kulturbetriebe und sonstige Einrichtungen "weitgehend normal" öffnen. Werden mehrere Tage lang überhaupt keine Infektionen mehr vermeldet, sei sogar eine Aufhebung der Maskenpflicht denkbar.

Niedriginzidenz zu Pfingsten?

Würde mit der Umsetzung der No-Covid-Modellregionen jetzt begonnen, dann könnte schon zu Pfingsten eine solche "Niedriginzidenzphase" erreicht sein, sagt Pettinger. Warte man weiter ab, seien hingegen selbst die Sommerferien in Gefahr. "Nichts ist billiger für Staat und Wirtschaft, als die Pandemie möglichst schnell zu beenden."


Was sich hinter der "No-Covid"-Strategie verbirgt


Rechtlich sei es den lokalen Entscheidungsträgern möglich, härtere Maßnahmen als die der Länder zu ergreifen, ist Pettinger überzeugt. Sein Konzept arbeite "mit den Mitteln, die wir lokal haben". Seiner Ansicht nach sprächen die Erfahrungen von Ländern wie Portugal, Neuseeland und Australien ganz klar für eine No-Covid-Strategie: "Man muss nur beobachten, was international funktioniert, schon ist man da."

Ein "strenges Grenzregime" hält Pettinger übrigens für "keinen entscheidenden Faktor", wobei er zugibt, das noch nicht abschließend auf regionaler Ebene ausgearbeitet zu haben. Sinnvoll aber wären Tests für alle, die in die Metropolregion einreisen.

Info: Das No-Covid-Konzept für die Metropolregion Nürnberg hat Thomas Pettinger auf seinem Blog veröffentlicht.

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Max Söllner Volontär in der Lokalredaktion E-Mail

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