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Von Düsenjäger verfolgt - doch Flucht in die Noris geglückt

20.12.2021, 07:00 Uhr
Mit Frau und vier Kindern im Sportflugzeug aus der CSSR geflohen: Ladislaw Bezak

© NN Mit Frau und vier Kindern im Sportflugzeug aus der CSSR geflohen: Ladislaw Bezak

Bezak, Kopilot bei der tschechischen Fluggesellschaft CSA, landete mit einer einmotorigen Sportmaschine auf dem Flughafen und brachte in dem zweisitzigen Flugzeug auch noch seine Frau Marie und vier Söhne im Alter von 6 bis 8 Jahren mit. Das waghalsige Unternehmen gelang, obwohl die Maschine über dem Gebiet der CSSR von einem Düsenjäger verfolgt und beschossen wurde. Bezak war, seinem eigenen Bericht zufolge, um 12.45 Uhr in der Nähe von Prag von einem kleinen Flugplatz aus ohne Flugerlaubnis und ohne fliegerische Vorbereitung mit seiner Privatmaschine in Richtung Westen gestartet. Der Flug wurde zunächst nicht beanstandet, aber nach einiger Zeit kam den tschechischen Sicherungsbehörden der Kurs verdächtig vor. Eine Mig 15 nahm die Verfolgung auf und feuerte mehrere Schüsse auf die Sportmaschine vom Typ Omniol 226, Kennzeichen OK-MUA, ab. Dem Kunstflieger gelang es jedoch, sich mit Zickzack-Schleifen in die Wolken zu retten und sich dort zu "verstecken". Das Schnippchen, das Bezak durch sein überragendes fliegerisches Können dem Piloten des CSSR-Düsenjägers schlug, wurde von der Bundeswehr auf dem Radarschirm verfolgt. Die Bundeswehr verständigte sofort den Grenzschutz, da zunächst angenommen wurde, es handele sich um einen verirrten Hubschrauber des Grenzschutzes, der auf tschechisches Gebiet geraten war und dort verfolgt wurde.

Ein Sprecher der Grenzpolizei sagte, daß der Bericht Bezaks über die Beschießung seiner Maschine glaubwürdig sei. Bezak habe sich dann in Nebelfelder gerettet, die über dem Bayerischen Wald hingen. In nur 120 Meter Höhe habe er um 14.10 Uhr die Grenze bei Waldsassen überquert. Um 14.49 Uhr setzte die kleine Maschine auf der Rollbahn des Nürnberger Flughafens auf. Ursprünglich hatte der 39jährige Exweltmeister die Absicht gehabt, über Bayern hinaus zu fliegen und in einem anderen Ort zu landen: dort habe er Freunde, mit denen er wegen der Flucht bereits in Verbindung stehe. Nur weil er durch die Verfolgung und die damit zusammenhängenden Manöver sehr viel Treibstoff verbraucht hatte, habe er sich für Nürnberg als Landeplatz entschieden. Die sechsköpfige Familie wurde in einem Nürnberger Hotel untergebracht, wo sie sich zuerst von der Flucht erholen sollte. Voraussichtlich heute wird sie dann in das Bundessammellager für politische Flüchtlinge in Zirndorf übersiedeln, wo Bezak formell Antrag auf politisches Asyl stellen will. Der Polizei gegenüber hatte er politische Motive für seine Flucht angegeben, diese jedoch nicht näher präzisiert. Bezak war 1960 Kunstflug-Weltmeister in Preßburg (Tschechoslowakei) geworden. Vier Jahre später belegte er bei den Titelkämpfen im spanischen Bilbao den zweiten und 1966 in Moskau den vierten Platz.

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