Zwei Dinge besonders tückisch

Vorfall in Franken: Können Altkleidercontainer auch in Nürnberg zur tödlichen Falle werden?

3.8.2021, 19:23 Uhr
Einsatz in Großostheim: Eine junge Frau war dort in einem Altkleidercontainer ums Leben gekommen. Die Einsatzkräfte konnten sie nur noch tot bergen.

Einsatz in Großostheim: Eine junge Frau war dort in einem Altkleidercontainer ums Leben gekommen. Die Einsatzkräfte konnten sie nur noch tot bergen. © Ralf Hettler, dpa

Vorfälle wie der vom 22. Juli in Großostheim bei Aschaffenburg werfen Fragen auf. Am besagten Donnerstagabend wurde eine 25-Jährige Frau kopfüber in einem Altkleidercontainer steckend gefunden. Die Feuerwehr befreite sie zwar aus der Containerklappe, aber für die junge Frau kam jede Hilfe zu spät. Es wird davon ausgegangen, dass sie versucht hat, Kleidung aus dem Container zu entwenden.

Es gibt keinen Grund

Aber wieso klettern Menschen überhaupt in solche Container? Helmut Huber von der Abteilung „Gebrauchtwaren und Wertstoffe“ des BRK Kreisverband Nürnberg-Stadt kann es sich nicht erklären: "Es gibt eigentlich keinen Grund, weil fast jeder Kreisverband eine Kleiderkammer oder einen Kleiderladen hat." An die Kleiderkammer beispielsweise können sich Menschen in Armut wenden und erhalten dort kostenlos Kleidung. Der Kleiderladen verkauft Second-Hand-Ware für günstige Preise.

Leerung für 50 Euro

"In Deutschland muss niemand Klamotten stehlen", meint Huber und fügt hinzu, dass die meisten Leute mit der gestohlenen Kleidung vermutlich Geld machen wollen. Die andere Möglichkeit ist die, dass man versehentlich etwas in den Altkleidercontainer hinein geworfen hat. Aber für solche Fälle kann man beim BRK anrufen. Wenn ein Container ausgeleert wird, bekommt der Anrufer Bescheid und er kann nach seinem verlorenen Gegenstand suchen. Das Ganze ist kostenfrei. In der Regel werden die Container ein und manche sogar zwei Mal die Woche ausgeleert. Ansonsten kann der Altkleidercontainer gegen eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 50 Euro auch am gleichen Tag geöffnet werden.

Tödliche Schlüsselsuche

Trotzdem kommt es oft genug vor, dass Menschen versuchen, auf einem anderen Weg wieder an ihre Spende zu gelangen. So erging es beispielsweise einen Mann in Braunschweig 2019, der sich bei dem Versuch, seinen Wohnungsschlüssel wieder zu bekommen, Verletzungen zuzog und schließlich im Krankenhaus starb.

Aber wieso sterben Menschen in den Altkleidercontainern? "Zwei Dinge können gefährlich sein: Man bleibt kopfüber stecken, oder man erwürgt sich", mutmaßt Helmut Huber. Ersticken würde man in einem der Container im Kreis Nürnberg nicht, da Luft in den Innenraum gelangt. Aber bei Containern anderen Typs wird dies häufiger als eine weitere Todesursache genannt. Im Jahr 2013 erstickte ein 23-Jähriger in einem Container in Hannover.

In den meisten Fälle handelt es sich um Menschen, die in den Containern feststeckten und dann starben. "In Nürnberg beziehungsweise in einem Container des BRK ist so etwas noch nicht vorgekommen", sagt Huber. Bei dem Container in Aschaffenburg handelte es sich um keinen Container des Bayerischen Roten Kreuzes.

Wie Unfälle vermeiden?

Die Vorkommnisse häufen sich und es stellt sich die Frage, wie man solche Tragödien in Zukunft vermeiden könnte. Der Mechanismus des Containers ist eigentlich so konzeptioniert, dass niemand einfach so hineingreifen kann. Es muss ein Hebel nach unten gedrückt werden und erst danach kann die Person ihre Spende auf eine Fläche legen, die mit dem Loslassen des Hebels samt der Spende in das Innere des Containers verschwindet. "Ich frage mich, wie das alleine gehen soll", grübelt Helmut Huber.

Warnung: Lebensgefahr!

Zudem befinde sich eine Warnung bei der Klappe, die ausdrücklich auf Lebensgefahr hinweise. "Die Aufkleber sind überall zu finden und werden deshalb nicht mehr Ernst genommen. Wer da wirklich rein will, wird es sowieso nicht glauben, oder es einfach trotzdem probiere"“, sagt Huber. Er verweist auf den gesunden Menschenverstand, der eigentlich warnen sollte. Aber gegen die Unvernunft der Leute könne man nichts machen.