Wärmebild: Nürnberger Feuerwehr lässt Drohnen fliegen

Das "Original": NN-Redakteur Alexander Brock.
Alexander Brock

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24.12.2020, 05:55 Uhr
Im Auge der Feuerwehr: Nürnberger Brandbekämpfer machen sich neuerdings mit Drohnen und Wärmebildkamera aus der Vogelperspektive ein Bild von Einsatzorten.

© Michael Matejka, NNZ Im Auge der Feuerwehr: Nürnberger Brandbekämpfer machen sich neuerdings mit Drohnen und Wärmebildkamera aus der Vogelperspektive ein Bild von Einsatzorten.

Das Surren kann nervös machen. Ähnlich wie das der Bienen, Wespen oder Hornissen. Nicht umsonst trägt das Flugobjekt auch den Namen der männlichen Insekten dieser Tierchen: Drohne. Doch die ist nicht Natur, sondern Technik. Sechs Rotorblätter-Paare rasen um ihre Achsen und tragen das 2,5 Kilo schwere Teil in die Höhe, den Ölberg hinauf in Richtung Burg.

Eigentlich ist das verboten, die bayerische Schlösserverwaltung erteilt keine Fluggenehmigungen, schließlich haben vom Aussterben bedrohte Wanderfalken ihr Quartier an der Burg. Wer hier eine Drohne steigen lässt, ist die Berufsfeuerwehr Nürnberg - die darf das, zu Übungszwecken. Zwei dieser ferngesteuerten Flugobjekte mit entsprechendem Equipment gehören seit Mitte August zur Ausrüstung der städtischen Einsatzkräfte. Kostenpunkt: 12.000 Euro.

"Ein wertvolles Erkundungsmittel"

Der Nutzen liegt auf der Hand: Jede Drohne ist mit einer Wärmebildkameras ausgestattet. Damit lassen sich aus der Vogelperspektive Einsatzorte gut erkunden. Die Einsatzkräfte können beispielsweise so das Ausmaß eines Waldbrandes besser erfassen und ihre Einsatztaktik nach dem Lagebild anpassen. Bei einer Massenkarambolage auf der Autobahn etwa kann die Feuerwehr per Luftaufnahmen erkennen, an welcher Position im Verkehrsunfall Reisebusse stehen, wo Menschen Hilfe brauchen und wo möglicherweise Lastwagen mit Gefahrgut eingekeilt sind. "Die Drohnen sind ein wertvolles Erkundungsmittel", sagt Sebastian Kahl, Pressesprecher der Berufsfeuerwehr Nürnberg.

Die Wärmebildkamera erkennt über einem scheinbar erloschenen Brandort auch mögliche Glutnester, die mit bloßem Auge gar nicht zu sehen sind, aber nochmals ein Feuer entfachen können. Hilfreich sind die Feuerwehr-Drohnen auch nachts, etwa dann, wenn ein Pflegeheim meldet, dass ein Bewohner abgängig ist. "Mit der Wärmebildkamera kann man die Personen in der Dunkelheit ausfindig machen", erzählt Christian Erb, Leiter der Fachgruppe Drohne bei der Feuerwehr.

Kontakt zum Flughafen-Tower

Das elektronische Auge, das an der Unterseite der Drohne befestig ist, lässt sich in alle Richtungen bewegen. Es überträgt die eingefangenen Bilder auf den Bildschirm, den die Feuerwehrleute am Boden beobachten. Das Filmmaterial wird in der Regel gespeichert, beispielsweise für Einsatznachbesprechungen. Das Material wird aber nach den gesetzlichen Vorgaben wieder gelöscht, versichert Erb.

Vier Mal waren die neuen Flugobjekte seit ihrer Anschaffung im Einsatz: Zwei Mal bei Personensuchen und zwei Mal bei Entschärfungen von Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg, die auf dem Baugebiet an der Brunecker Straße gefunden worden waren. "Bei einer der Entschärfungen haben wir zwei Spaziergänger im Evakuierungsgebiet entdeckt", erinnert sich Sebastian Kahl. Die Passanten wurden dann darüber informiert, dass sie das Areal wegen der geplanten Entschärfung verlassen müssen. "Während einem solchen Einsatz halten wir ständig Kontakt zum Flughafen-Tower, ob der Luftraum auch frei ist. Denn bemannte Luftfahrt hat Vorrang", sagt er.

Gefährliche Rotorblätter

Ein Drohen-Team besteht aus drei Feuerwehrleuten: einem Pilot, der die Drohne steuert, einem Video-Operator, der die Live-Aufnahmen auf dem Bildschirm im Blick hat und einem Luftraumbeobachter - er ist das Bindeglied zwischen Einsatzleitung und Drohnen-Team. Zehn Kräfte der Berufsfeuerwehr Nürnberg sind dafür speziell ausgebildet worden. Die Ausbildung hat zusätzliche 5000 Euro gekostet. Dabei lernten die Piloten auch, wie sie die Drohne sicher mit Händen abfangen können, denn die wirbelnden Rotorblätter sind gefährlich. "Wenn da einer hinkommt, sind die Finger ab", sagt Christian Erb.

Dieses Können ist besonders wichtig, wenn der Akku wider Erwarten schlapp machen sollte und sich unter einer Drohne in der Luft eine Gruppe Kinder versammelt hat. Erb: "Mit dem richtigen Griff lässt sie sich fangen." Im Normalfall landet sie allerdings auf einer kleinen Landefläche mit einem "H". Den Kunststoffteppich haben die Drohnen-Teams immer dabei.

Übrigens: Die Drohnen der Feuerwehr sind eine starke Alternative zu Helikoptern - sie sind leichter, leiser und können sehr tief fliegen. Sie schonen den Schlaf der Stadtbewohner, wenn nachts Personen gesucht werden müssen, die Alten- oder Pflegeheime verlassen haben und nun hilf- und orientierungslos im Stadtgebiet unterwegs sind.

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