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Warum konkrete Gehaltsangaben allen helfen

Nürnberger Experte hält genaue Angaben bei Stellenanzeigen für einen Vorteil bei der Suche nach Fachkräften - 18.03.2019 20:33 Uhr

Bei den meisten Stellenanzeigen fehlen bislang konkrete Angaben zum Gehalt. © Foto: Martin Schutt/dpa


Ginge es nach denen, die einen Job suchen, wäre die Sache eindeutig: Studien zufolge wünscht sich eine Mehrheit klare Ansagen, was das Geld angeht, schon bei der Stellenausschreibung. Logisch: Denn das Gehalt ist eben eine ganz relevante Größe, betont der Nürnberger "Persoblogger" Stefan Scheller. Potenziellen Beschäftigten hier klaren Wein einzuschenken, hielte der Personalfachmann für wichtig, um ihnen "auf Augenhöhe zu begegnen". Und auch die Unternehmen könnten profitieren, ist sich Scheller sicher.

Dennoch zögern viele. Eine genaue Gehaltsangabe bei Stellenanzeigen? Das ist nicht praktikabel, heißt es bei der Sparkasse Nürnberg. Denn die Bezahlung richtet sich bei dem Finanzinstitut nach dem Tarif. Und der ist kompliziert. Berufserfahrung, Qualifikation, Fachkenntnisse: All dies spielt für die Einordnung in die jeweilige Gehaltsgruppe und Erfahrungsstufe eine Rolle. "Der Bewerber könnte sich ohne Rücksprache nicht eigenständig in die Tabellen einordnen", sagt Claudia Sigl, Personalleiterin bei der Sparkasse.

Im Vorfeld aussortieren

Also macht das Geldhaus lieber keine Betragsangaben. Stattdessen werden Interessenten darüber informiert, dass sie nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) bezahlt würden und dass ein Teil des Gehalts leistungsorientiert ist. Auch auf die arbeitgeberfinanzierte Altersversorgung wird hingewiesen. Und: Der Bewerber soll seinerseits angeben, was er sich beim Verdienst so vorstellt. So könnten Bewerber mit unrealistischen Vorstellungen gleich aussortiert werden.

Das kann die Auswahl erleichtern. Denn – je nach ausgeschriebener Position – bewerben sich in der Regel zwischen 15 und 200 Interessierte auf eine Stelle.

Beim Nürnberger Versicherungsunternehmen Universa gehen jedes Jahr rund 500 Bewerbungsschreiben für den Innendienst ein — plus 1500 Bewerbungen für eine Lehrstelle. Auf eine Gehaltsangabe bei der Ausschreibung wird verzichtet. Dennoch könnten Interessenten abschätzen, was sie erwartet. Denn es gelte der Tarif der Versicherungswirtschaft. Und der sei jederzeit einsehbar, so Universa-Sprecher Stefan Taschner.

Ähnlich wie bei der Sparkasse richtet sich die Gehaltseinstufung nach den anrechenbaren Berufsjahren, der individuellen Fachqualifikation und der ausgeübten Tätigkeit. Orientierung böten zudem Hinweise zur Eingruppierung mit Beispielen. Bevor eine Stelle neu besetzt wird, gibt es bei der Universa im Durchschnitt fünf Gespräche. Im persönlichen Austausch spielen dann nicht nur die Finanzen eine Rolle. Vielmehr sei es das "Gesamtpaket", womit die Versicherung als Arbeitgeber punkten kann, so Taschner.

Dazu gehörten das Versprechen eines sicheren Arbeitsplatzes, flexible Arbeitszeiten, geförderte Weiterbildung, betriebliches Gesundheitsmanagement und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Aber auch Extras zum Gehalt wie vermögenswirksame Leistungen, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Zuschuss zu öffentlichen Fahrtkosten und zur betrieblichen Altersvorsorge spielten eine Rolle.

Personalexperte Scheller hat durchaus Verständnis für das Zögern der Unternehmen — wenigstens zum Teil. Denn tatsächlich sei es nicht immer einfach, Zusatzleistungen in eine konkrete Gehaltsangabe einfließen zu lassen. Flexible Arbeitszeiten, ein auch privat nutzbares Dienst-Smartphone oder der Zuschuss zum Mittagessen müssten hier berücksichtigt werden.

Dennoch ist Scheller überzeugt: Mit konkreten Angaben könnten Firmen auf der Suche nach Personal punkten. Genau dies müssten sie in Zukunft noch viel öfter tun, um als Arbeitgeber attraktiv zu sein. Gerade in Branchen, in denen der Fachkräftemangel groß sei, könne das der entscheidende Punkt sein, um sich von Wettbewerbern abzugrenzen. Es müssen ja nicht einmal eine festgemeißelte Zahl sein. Schon eine Gehaltsspanne wäre ein Fortschritt, meint Scheller.

In Ländern wie den USA, Großbritannien und Australien sei es längst üblich, eine Bandbreite beim Gehalt zu nennen. Und in Österreich seien Arbeitgeber seit 2012 verpflichtet, zumindest ein Mindestentgelt anzugeben. Persönlich ist der Personalexperte überzeugt, dass sich auch hierzulande bei Stellenanzeigen bald viel ändern wird.

Tatsächlich gibt es auch in Nürnberg das ein oder andere Unternehmen, das über genauere Angaben zumindest nachdenkt. Das geschieht vorerst allerdings ganz geheim im stillen Kämmerlein.

MARKUS HACK

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