Was die Menschen seit jeher bewegt

26.3.2014, 08:00 Uhr

© Anna Seibel/PR

Leiko Ikemuras Bildwelt kennt keine Grenzen: Menschen, Tiere, sogar Landschaften scheinen sich miteinander zu verbinden.

Vor dreißig Jahren war die gebürtige Japanerin Stadtzeichnerin Nürnbergs und wurde mit dem „Stadtzeichner-Stipendium“ durch Faber Castell und der Stadt gefördert. Leiko Ikemura hat seitdem eine internationale Karriere gemacht.

Die Zeichnerin, die auch Malerin und Bildhauerin ist, verließ ihr Heimatland mit 21. Seitdem lebte sie in Spanien und in der Schweiz. Nach dem einjährigen Aufenthalt in Nürnberg 1984 blieb sie dann schließlich in Deutschland.

In den 80er und 90er Jahren rückte die weibliche Figur ins Zentrum ihrer Arbeit. Ikemura fasziniert zudem die Verbindung verschiedener Kulturen. Sie selbst verkörpert eine Symbiose aus japanischer und europäischer Kultur. Die Arbeiten dieser Zeit werden im Neuen Museum Werken aus heutiger Zeit gegenübergestellt.

Ein Mann wie ein Baum

Das Zentrum des ersten Raumes bildet das Werk „Last und Lust“ von 1983, eine Mischtechnik auf Baumwolle. Hier treten Figuren und Gegenstände in eine spezielle Beziehung zueinander.

„Ihre Bildwelt handelt von dem, was Menschen zu allen Zeiten, in allen Kulturen bewegt: das Verhältnis der Geschlechter, Erotik und Sexualität, Geburt, Leben und Tod, Zärtlichkeit und Gewalt, Realität und Traum...“, so Thomas Heyden, Leiter der Sammlung. Die Figuren des Werkes sind Mischwesen: Eine Frau mit drei Brüsten oder ein Mann, der die Gestalt eines Baumes angenommen hat. Alle scheinen den Mann im Mittelpunkt des Bildes zu unterdrücken. Sinnbild unterbewusster Ängste des Menschen? Ikemura liefert dem Besucher keine vorgefertigte Interpretation. Der Betrachter soll vor ihren Bildern verweilen und sich emotional damit auseinandersetzen.

Besonders spannend im zweiten Raum ist die Serie der „Contemporary Faces“ von 2011. Die Aquarell-Portraits lassen das eigentliche Modell nur schemenhaft durchscheinen. Beinah geisterhaft wirken die Gesichter.

Leiko Ikemura wurde bereits mit mehreren Kunstpreisen, wie dem August-Macke-Preis und dem JaDe-Preis ausgezeichnet.

Seit 1991 lebt und arbeitet sie in Berlin, wo sie eine Professur an der Hochschule der Künste in Berlin inne hat. NINA PALME

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