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"Wässerwiesen" - Wenn das Rasengießen Kulturerbe wird

Unterstützung gibt es von der Nürnberger Politik - 25.01.2020 05:57 Uhr

Ein ausgeklügeltes System von Gräben sorgt für die Bewässerung der Wiesen. Das Foto ist im Rednitztal bei Gerasmühle im Südwesten Nürnbergs aufgenommen worden. © Foto: Stadt Nürnberg/Gisa Treiber


Wässerwiesen - bitte, was? Hinter diesem nicht gerade geläufigen Begriff verbirgt sich eine ganz besondere Art der Wiesen-Bewässerung, die seit dem späten Mittelalter an Rednitz und Regnitz praktiziert wird.

Um die Bedeutung dieser alten Kulturtechnik stärker in den Blick zu rücken, soll diese offiziell Kulturerbe werden, wenn es nach mehreren Wasserverbänden in der Region geht. Unterstützung gibt es von der Nürnberger Politik – auch aus einem ganz speziellen Grund.

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Regionale Kandidaten für die Unesco Kulturerbe-Liste

Genau 18 Kandidaten finden sich auf der Liste der bis zum 30. November beim Kultusministerium in München eingegangenen Bewerbungen. Unsere Galerie zeigt einige der regionalen Bewerber für den Titel immaterielles Kulturerbe der Menschheit.


Seit Jahrhunderten sorgen die Landwirte im regenarmen mittelfränkischen Becken dafür, dass die Wiesen gut bewässert werden – und zwar mit einer traditionellen Methode, die deutschlandweit nur noch selten zu finden ist.


In den Wässerwiesen fühlen sich die Störche wohl


Dabei wird Wasser an verschiedenen Stellen aus den Flüssen und Nebenflüssen in Gräben geleitet und dann über ein kilometerlanges System von Be- und Entwässerungsgräben über die Wiesen verteilt.

Aufnahmeprozess ist "nicht ohne"

Im Rednitztal in Nürnberg und Schwabach seien es rund 170 Hektar, die von den Landwirten auf diesem Weg bewässert würden, so Umweltamtschef Klaus Köppel. Im Flussgebiet von Regnitz, Rednitz und Wiesent sind es insgesamt sogar noch rund 800 Hektar.

Nürnbergs Umweltreferent Peter Pluschke (Grüne) informierte den Stadtrat darüber, dass Wasserverbände aus Nürnberg, Forchheim und Möhrendorf (Kreis Erlangen-Höchstadt) den Antrag gestellt haben, diese sogenannten Wässerwiesen ins Bundesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufzunehmen.


Stromtrasse: So könnte die Juraleitung verlaufen


Das Verzeichnis zeigt exemplarisch, welche lebendigen kulturellen Traditionen und Ausdrucksformen in Deutschland praktiziert und weitergegeben werden. Der Weg zur Aufnahme ist nicht ohne: Anträge durchlaufen ein mehrstufiges Verfahren, an dem die Deutsche Unesco-Kommission und verschiedene staatliche Akteure beteiligt sind.

Die Rathaus-Parteien begrüßen diesen Antrag, weil sie die Wiesen und ihre Bewässerung für besonders schutzwürdig halten. "Das sei auch ein wichtiger Punkt für die Kulturhauptstadtbewerbung", sagte CSU-Stadtrat Otto Heimbucher.

Keine neue große Stromtrasse

Auch die SPD befürwortet den Vorstoß – aus einem weiteren Grund: Sie setzt sich auch deshalb für die Wiesen ein, um die kontrovers diskutierte Stromtrasse im Nürnberger Süden zu verhindern. Das Bewässerungssystem würde zerstört, wenn der Netzbetreiber Tennet seine Stromleitung hier unterirdisch verlegen würde, weil dadurch das Grundwasser abgesenkt würde, sagte SPD-Stadtrat Dieter Goldmann im Umweltausschuss.

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Geplante Stromtrasse: Anwohner protestieren gegen Juraleitung

"Komm, sonst kommt die Stromtrasse zu dir!" Unter diesem Motto hatte die Bürgerinitiative "Rettet das Schwabachtal" zu einem Aktionstag gegen die sogenannte Juraleitung eingeladen. Und trotz des regnerischen Wetters und Urlaubszeit waren mehrere hundert Menschen nach Gustenfelden im Landkreis Roth gekommen, um gegen den geplanten Ersatzneubau der Stromtrasse P53 zu protestieren.


Es dürfe keine neue große Stromtrasse durch den Nürnberger Süden geben – weder als Hochspannungsleitung noch mit einer Erdverkabelung. "Entsprechenden Überlegungen für eine neue Juraleitung erteilen wir deshalb eine Absage", betonten auch die SPD-Stadträte Harald Dix und OB-Kandidat Thorsten Brehm.

Auch die CSU sei gegen den Ausbau der 380-KV-Hochspannungsleitung, so Heimbucher. ÖDP-Stadtrat Thomas Schrollinger sprach sich ebenfalls gegen die Stromtrasse aus und erinnerte daran, dass dort auch schon mal eine Autobahn geplant gewesen sei, die verhindert werden konnte. Umweltreferent Pluschke wollte sich dagegen nicht darauf einlassen, "die Juraleitung unter Gewässergesichtspunkten zu diskutieren" .

In Österreich, Belgien und der Schweiz wurde die dort noch vorhandene traditionelle Wiesenbewässerung bereits als Immaterielles Kulturerbe auf nationaler Ebene anerkannt.

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