WBG soll Flüchtlings-Unterkünfte in Nürnberg bauen

2.10.2014, 06:00 Uhr
Zelte (wie hier auf der Deutschherrnwiese) als fragwürdiger Ort der Unterbringung von Flüchtlingen. Das Nürnberger Sozialamt bittet in seiner Not nun das Wohnungsunternehmen WBG um Unterstützung.

© Wolfgang Heilig-Achneck Zelte (wie hier auf der Deutschherrnwiese) als fragwürdiger Ort der Unterbringung von Flüchtlingen. Das Nürnberger Sozialamt bittet in seiner Not nun das Wohnungsunternehmen WBG um Unterstützung.

Der außergewöhnliche Flüchtlingszustrom zwingt zu außergewöhnlichen Maßnahmen. Die Zentrale Aufnahmeeinrichtung Zirndorf etwa muss derzeit erneut auf ihre Zelte auf der Deutschherrnwiese und an der Frankenstraße zurückgreifen, da innerhalb von einer Woche mehr als 700 Neuankömmlinge verbucht wurden. Allein am vergangenen Dienstag trafen laut Regierung 180 weitere Flüchtlinge in Zirndorf ein.

Ganz so groß ist der Druck in Nürnberg noch nicht, aber auch im städtische Sozialamt herrscht Hochbetrieb: Pro Woche treffen schließlich rund 30 weitere Flüchtlinge ein, für deren dauerhafte dezentrale Unterbringung die Stadt zuständig ist. Neben Privatwohnungen werden diese vor allem in Pensionen, Hotels und ähnlichen Herbergen einquartiert. „Noch haben wir Luft und bekommen auch weitere Objekte angeboten“, sagt Dieter Maly. Aber der Markt, so der Leiter des Sozialamts, sei begrenzt.

Sozialamtsleiter Dieter Maly (li.) baut auf Hilfe von WBG-Geschäftsführer Frank Thyroff.

Sozialamtsleiter Dieter Maly (li.) baut auf Hilfe von WBG-Geschäftsführer Frank Thyroff. © Roland Fengler

Um nicht irgendwann auf dem Trockenen zu sitzen, setzt die Stadt auf nachhaltige Lösungen - und Hilfe von außen. Bei einer Art Krisengespräch zum Thema Flüchtlinge, zu dem OB Ulrich Maly am Montag neben den betroffenen Dienststellen auch WBG-Geschäftsführer Frank Thyroff eingeladen hatte, war man sich schnell einig: Das Wohnungsunternehmen soll der Stadt aus der Patsche helfen und neue Unterkünfte errichten. Und das möglichst schnell.

„Wir denken dabei nicht an Container“, betont Dieter Maly. „Es gibt auch schnelle bauliche Lösungen, die später irgendwann sogar anderweitig, etwa als regulärer Wohnraum, genutzt werden könnten.“ Bevor es so weit ist, müsse die WBG allerdings erst einmal nach geeigneten Flächen suchen, sagt der Amtsleiter.

Obwohl seit der Zusage von Frank Thyroff erst zwei Tage verstrichen sind, habe man bereits Arbeitsgruppen gegründet, die nach Flächen Ausschau halten, bestätigt Dieter Barth. „Wenn die Stadt um Hilfe bittet, sind wir als städtisches Unternehmen natürlich bereit, im Rahmen unserer Möglichkeiten zu helfen“, sagt der WBG-Sprecher.

So auch schon beim Thema Kinderbetreuung: „Als vor einigen Jahren Kitas fehlten, hat die WBG auf Anfrage der Stadt ebenfalls geholfen und in kurzer Zeit acht Kindertagesstätten errichtet“, erinnert Barth. Falls die WBG nun den Auftrag zur Errichtung von Unterkünften für Flüchtlinge oder unbegleitete minderjährige Flüchtlinge erhält, „wird sich sicher auch hier etwas ergeben“, ist er überzeugt.

Einen Bau durch die WBG-Tochter „WBG Kommunal“, die bereits viele Bauprojekte für die Stadt abgewickelt hat, fände Dieter Maly ideal: „Wenn wir als Stadt bauen, dauert es fünf Jahre, bis die nötigen Mittel im Haushalt sind, und nochmals fünf Jahre, bis wir das Personal bekommen.“

Betreiben wollen die Unterkünfte jedoch weder das Sozialamt, das prinzipiell nur Beherbergungsverträge mit Hoteliers und Pensionsbesitzern abschließt, noch die WBG. Als etwa vor Jahren die Regierung von Mittelfranken ein WBG-Objekt in der Straßburger Straße als Übergangsheim mietete, musste laut Barth Personal des BRK ran. „Sollten wir eine Einrichtung bauen, dann suchen wir zu gegebener Zeit einen Betreiber“, sagt er. „Aber wir haben beste Verbindungen zu Wohlfahrtsverbänden.“

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