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Wegen Bauboom: Nürnbergs Grünflächen schwinden

Umweltschützer verglichen Baum- und Wiesendichte der vergangenen neun Jahre - 03.10.2018 14:29 Uhr

Wegen der gravierenden Wohnungsnot in Nürnberg wurden viele Grünflächen in den letzten Jahren zugebaut.

08.01.2014 © Wolfgang Heilig-Achneck


Die Vermutung hatten die Naturschützer schon lange. Immer wieder riefen Bürger an und beklagten, dass die Natur mehr und mehr zurückgedrängt werde. Jetzt sehen sie ihren Verdacht bestätigt — vor allem im Süden der Stadt. Diese Aussage stützen die Mitglieder des Bund Naturschutz (BN) auf eine Vorher-Nachher-Analyse, die sie mit Google-Earth vorgenommen haben. Die Software erlaubt mit Hilfe von Satellitenbildern einen sehr genauen Blick aus der Luft. Das Jahr 2009 diente als Ausgangsgrundlage und wurde mit der aktuellsten Aufnahme verglichen, die etwa ein Jahr alt ist.

Das Ergebnis findet der BN niederschmetternd: 75 Prozent Verlust und nur 25 Prozent Neupflanzung stellte er fest. Seit 2009 habe es in der Südstadt an 119 Standorten Änderungen gegeben, die das Stadtbild langfristig prägen. Zwar seien Flächen und einzelne Bäume im Luftbild nicht immer sicher zu erfassen, räumt der BN ein, die Tendenz sei aber eindeutig.


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"Der Bauboom der vergangenen zehn Jahre führt gerade auch in absoluten Defizitbereichen zu weiteren Verlusten", kritisiert der BN. Oft seien es Stadtbrachen, die jahrzehntelang ungenutzt waren, die aber einen attraktiven Naturwuchs an Bäumen und Sträuchern aufweisen.

"Schwere Bedingungen"

Dabei haben es nach Ansicht der Naturschützer Gehölze in Nürnberg ohnehin schon schwer. Die Bedingungen in der Stadt seien für Bäume alles andere als ideal: Trockenheit und Hitze sowie verdichtete Böden und Versiegelung. Darüber hinaus komme es zu mehr Krankheiten aufgrund des extremen Stadtklimas und zu Schäden durch Baustellen. "Der Jahrhundertsommer in diesem Jahr wird sicher weiteren Stadtbäumen das Leben kosten", hält der BN in seiner Analyse fest.

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Bürgermeister und Sör-Chef Christian Vogel kennt das Empfinden, teilt aber nicht die Einschätzung. Er hat Zahlen, die eine andere Sprache sprechen: Bei den Grünflächen gebe es vom Jahr 2016 auf das Jahr 2017 sogar eine Steigerung — von 5,14 Millionen Quadratmeter auf 5,5 Millionen Quadratmeter.

Offene Türen werden eingerannt

Nächste Woche werde der Baumbericht vorgetragen. Bei den Straßenbäumen sei auch hier eine Mehrung festzustellen, kündigt er an. Aber warum gehen die Beobachtungen hier so weit auseinander? Vogel meint, dass oft die privaten Flächen ebenfalls gedanklich der Stadt zugeordnet werden.

Bei all den Beschwerden werde oft auch vergessen, dass manche Flächen laut Bebauungsplan seit 20, 30 Jahren als Wohnbebauung festgelegt sind. Generell renne man mit der Forderung nach mehr Bäumen und Grünflächen bei der Stadt offene Türen ein. "Aber wehe, es fallen dem Vorhaben dann Parkplätze zum Opfer", schildert der Bürgermeister die Interessenkonflikte. Der BN hält an seiner Beobachtung fest und fordert ein schnelles Gegensteuern. Gewünscht wird ein "100-Bäume-Pflanzprogramm mit Schwerpunkt Südstadt", insbesondere entlang von Grünzügen. "Die Ergebnisse unserer Untersuchung sind alarmierend und sollten zum Umdenken anregen", heißt es.

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Rurik Schnackig

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