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Wegen PFC-Sanierung: Nordanbindung droht das Aus

Konzept für belastete Flächen am Airport steht - 20.06.2016 16:52 Uhr

Für die Sanierung der Betroffenen Areale des Nürnberger Flughafens liegt mittlerweile ein Gesamtkonzept vor. Eine Fachfirma kommt zum Schluss, dass die kontaminierte Erde nicht abgetragen werden muss. © Weigert


Bereits seit Jahren bereiten die mit giftigen poly- und perfluorierten Kohlenstoffverbindungen (PFC) belasteten Flächen am Flughafen der Stadt wie auch dem Airport Kopfzerbrechen.Vor allem im Bereich des "Löschbeckens Ost" sind die Schadstoffe, die bei Löschübungen eingesetzt wurden, ein großes Problem: Die gesetzlichen Grenzwerte — im Boden wie im Grundwasser — werden hier um ein Vielfaches überschritten.

Nun liegt ein Gesamtkonzept für die "Sicherung und Sanierung der betroffenen Areale" vor. Eine Fachfirma kommt nach umfangreichen Untersuchungen zum Schluss, dass die kontaminierte Erde nicht abgetragen werden muss. Die Experten, die viel Erfahrung in der Altlasten-Sanierung von Nato- und Bundeswehrflughäfen oder ehemaligen US-Basen haben, schlagen stattdessen vor, den am stärksten belasteten Bereich abzudichten. Auf diesem etwa drei Hektar großen Areal soll zuvor auch belastetes Erdreich aus den weiteren, allerdings viel kleineren Standorten aufgehäuft werden.

Sanierung kostet 3,2 Millionen Euro

Durch die Abdichtung des entstehenden Hügels werde verhindert, dass der Regen weiteres PFC aus dem Boden ins Grundwasser spült, so der Geschäftsführer des Unternehmens Heinrich Schoger, der das Konzept im Umweltausschuss präsentierte. Flankiert wird die Maßnahme durch eine verbesserte Entwässerung rund um das Areal sowie mehrere Brunnen- und Filteranlagen zur Grundwasserreinigung, so wie jene, die am Flughafen bereits testweise im Einsatz ist.

Insgesamt schlägt die Lösung, die sowohl bei der Verwaltung als auch bei den Stadträten im Ausschuss auf Gefallen stieß, mit 3,2 Millionen Euro zu Buche. Losgehen könnte die Sanierung - falls es keine Verzögerungen im Planungs- und Genehmigungsprozess gibt - im Sommer 2017. Wie lange es dauert, bis die PFC-Konzentration im Grundwasser auf ungefährliches Niveau reduziert ist, sei jedoch nicht absehbar. Daher hat man auch berechnet, wie viel der Sanierungsbetrieb über 20 Jahre kosten würde, nämlich 9,4 Millionen Euro.

Belastung hält noch lange an

Wegen des Sanierungsgutachtens sieht die Grünen Fraktion im Nürnberger Stadtrat nun keine Zukunft mehr für eine Nordanbindung des Flughafens. "Positiv ist, dass ein Verfahren ge­funden wurde, das es wohl ermög­licht, die erheblichen Schäden für Um­welt, Natur und Grundwasser auf lan­ge Sicht zu beseitigen", sagt die um­weltpolitische Sprecherin der Frakti­on, Britta Walthelm.

Die Stadträtin verweist aber gleichzeitig auf die lan­ge Zeitdauer der Sanierung. "Wir werden also aller Voraussicht nach noch lange mit der Belastung leben müssen", sagt Walthelm. "Und selbst wenn wir das Grundwasser-Problem in den Griff bekommen, haben wir immer noch rie­sige Mengen belasteten Bodenmateri­als auf dem Flughafengelände – was Bauprojekte erheblich teuer und kom­pliziert macht."

Praktisches Aus für Nordanbin­dung

Nach Einschätzung der Grünen-Fraktion verfestigt sich damit neben dem politischen Aus - der Stadtrat hatte das Projekt mit Mehrheit und gegen die CSU abgelehnt - auch das praktische Aus für die Nordanbin­dung. Walthelm: "Denn die Vorausset­zungen des Planfeststellungsverfah­rens, dass PFC nicht die Baumaßnah­men beeinflusst, werden in absehba­rer Zeit nicht gegeben sein."

Zum Bau eines Tunnels unter der Start- und Landebahn für die Anbin­dung müsste sehr viel Wasser abge­pumpt werden, das aber ja belastet ist. Die Regierung von Mittelfranken hatte daher festgelegt, dass die PFC-Belastung erst beseitigt werden muss.

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