Aufruf zum "Wintertesten"

Welt-Aids-Tag: Das Virus im Schatten von Corona

23.11.2021, 17:15 Uhr
Kerzen in Form einer Aids-Schleife erinnern an den Welt-Aids-Tag.

Kerzen in Form einer Aids-Schleife erinnern an den Welt-Aids-Tag. © PRAKASH MATHEMA, AFP

Der Unterschied ist eklatant: Das Sars-CoV-2-Virus wütet, nachhaltig wirksame Medikamente für eine Heilung lassen noch auf sich warten. Immerhin aber gibt es wirksame Impfstoffe. Beim HI-Virus, das vor 40 Jahren erstmals für Schlagzeilen sorgte, ist es umgekehrt: Einen Impfstoff gibt es nicht, dafür aber hochentwickelte Wirkstoffe, die Infizierten ein halbwegs geregeltes Leben ermöglichen. "Sogar Hochleistungssport ist möglich", sagt Manfred Schmidt, Fachvorstand bei der Aids-Hilfe Nürnberg-Fürth-Erlangen.

Dennoch bleiben das Virus und die Krankheit Aids eine Herausforderung. Nicht allein medizinisch, sondern auch für die Psyche von Betroffenen und die Gesellschaft: "Zu schaffen macht vielen die anhaltende Stigmatisierung und Ausgrenzung, zumal sie nicht selten verknüpft ist mit der Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen, etwa der queeren Community", stellt Schmidt im Blick auf den bevorstehenden Welt-Aids-Tag am 1. Dezember fest.

Langer Atem nötig

Der bietet Gelegenheit, nicht nur an Verstorbene zu erinnern, sondern auch die gesellschaftliche Verantwortung für ein gutes Miteinander und die Überwindung von Diskriminierung in den Blick zu rücken. Und klarzumachen, dass "es einen langen Atem braucht, um so eine Infektionskrankheit zu bekämpfen", sagt Schmidt. Was auf Corona mindestens ebenso zutreffen dürfte wie auf Aids.

Anlass bietet der Tag aber auch, vor allem bei neuen und wechselnden Partnern, den "Wintercheck" zu nutzen. "Das frühe Testen ist einer der Hauptansatzpunkte für ein weiteres erfolgreiches Bekämpfen von HIV", unterstreicht Sarah Armbrecht von der Aids-Beratung Mittelfranken der Stadtmission Nürnberg.

Deshalb biete die Stadtmission seit vergangenem Jahr auch HIV-Schnelltests ohne Arzt an. Bisher sei dieses Angebot von 96 Personen wahrgenommen worden. Daneben, so Schmidt, gebe es nun auch Heimtests. "Auch ein telefonischer Erstkontakt ist bei uns möglich. Hoffentlich erreichen wir damit noch mehr Menschen."

Präsenz in der Öffentlichkeit

Um Vorurteile abzubauen, läuft aktuell die deutschlandweite Kampagne "Leben mit HIV - anders als du denkst". Betroffene geben dabei Einsicht in ihren Lebensalltag. Mit Info-Ständen präsentiert sich die Aids-Hilfe am Samstag, 27. November, in Fürth (Neue Mitte, Rud.-Breitscheid-Straße) von 10 bis 16 Uhr und von Dienstag, 30. November, bis Donnerstag, 2. Dezember, in Nürnberg, Pfannenschmiedsgasse (jeweils 10 bis 20 Uhr).

Zur aktuellen Kampagne werden Spitzbuben mit Aids-Schleife von Hildes Backwut verteilt und der Soli-Bär Paula gegen Spenden abgegeben. Bei einer Tombola lockt ein Paris-Flug als Hauptpreis. In St. Jakob in Nürnberg gestalten Seelsorger am 1. Dezember um 18 Uhr den traditionellen Gottesdienst zum Welt-Aids-Tag mit anschließender Gedenkveranstaltung zum Thema "Freiheit" statt. Dieses Thema sei durch den Austausch mit Betroffenen entstanden und meine, so Armbrecht, "die Freiheit, sein Leben zu führen, genauso wie die Freiheit von der eigenen Krankheit ohne Angst vor Diskriminierung erzählen zu können. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg."

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