Donnerstag, 13.05.2021

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Wenn der Wetzendorfer Landgraben überläuft: Wer in Nürnberg betroffen wäre

Hochwasserfibel gibt Tipps für Anwohner - 11.04.2021 11:27 Uhr

Nicht nur auf Grünflächen, sondern auch auf Neubauprojekte wie die „Neue Mitte Thon“ würde sich ein Hochwasser im Wetzendorfer Landgraben auswirken

06.04.2021 © Michael Matejka, NNZ


Kennen Sie den Wetzendorfer Landgraben? Er entspringt am Marienberg, sein Einzugsgebiet reicht bis an die Kaiserburg heran – und trotzdem wird aus ihm auf seinem Weg durchs Knoblauchsland nicht viel mehr als ein kleines Rinnsal, das an der Stadtgrenze zu Fürth in die Pegnitz mündet. Obendrein ist das Bächlein vielerorts auch noch verrohrt. In Thon und Schniegling zum Beispiel unterquert es so ganze Siedlungen. Nein, man muss ihn wirklich nicht kennen, den Wetzendorfer Landgraben.

Das dürfte sich jedoch ändern, wenn es zu einem seltenen Hochwasser käme, mit dem statistisch nur alle 100 Jahre zu rechnen ist. Was dann passieren würde, hat das Wasserwirtschaftsamt Nürnberg ermittelt, und in Form einer Karte festgehalten: dem Überschwemmungsgebiet Wetzendorfer Landgraben.

Fünf Stadtteile betroffen

Mit Großreuth und Kleinreuth hinter der Veste, Thon, Wetzendorf und Schniegling sind gleich fünf Stadtteile betroffen. Grund genug für den Bürgerverein St. Johannis-Schniegling-Wetzendorf sowie den Vorstadtverein Nürnberg-Nord, über die Folgen für Anwohnerinnen und Anwohner zu informieren. Über 30 Menschen haben sich an diesem Donnerstagabend versammelt – wegen Corona nur in einem virtuellen Raum.

Anfangs betont Hans-Dietrich Uhl, stellvertretender Leiter des Wasserwirtschaftamtes, dass ein Überschwemmungsgebiet nicht geplant oder beliebig verändert werden kann, sondern "von der Natur vorgegeben" ist. Grundlage sei ein detailliertes Geländemodell, dass sogar Dämme oder Einschnitte einzelner Straßen berücksichtige. Darauf werde anschließend anhand von Regendaten, Gewässerprofilen und weiteren Faktoren modelliert, welche Wasserabflüsse zu erwarten sind. Zwei Ingenieurbüros würden für "zusätzliche Kontrolle" sorgen.

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Die Überschwemmungsgebiet-Karte des Wasserwirtschaftsamtes ist inzwischen fertig. Sie zeigt, wie sich der Wetzendorfer Landgraben im Fall eines einhundertjährlichen Hochwassers seinen Weg durch die Häusersiedlungen von Thon und Schniegling bahnen würde. Charakteristisch für den Landgraben sei sein "relativ flaches Gelände", erklärt Uhl. Dies verursache großflächige Überschwemmungen, wenn auch nicht besonders tief.

Folgen für Hausbesitzer und Landwirte

Jetzt liegt der Ball bei der Stadt, die das Überschwemmungsgebiet Anfang März erst einmal "vorläufig gesichert" hat, wie der offizielle Ausdruck lautet. Bis spätestens in sieben Jahren muss der Servicebetrieb öffentlicher Raum (Sör) nun ein dauerhaftes Hochwasserschutzkonzept erstellen.


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Was aber bedeutet die vorläufige Sicherung konkret für Betroffene? Das wollen an diesem Abend nicht wenige Hausbesitzer, aber auch Landwirte wissen. "Zusätzliche Auflagen", sagt Uhl, wird es allein durch die vorläufige Sicherung nicht geben – zumindest, solange keine Neubauvorhaben anstehen. Es gelte ein Bestandsschutz auch für landwirtschaftliche Nutzungen.

Allerdings, so Klaus Köppel, müsse die "gute fachliche Praxis" eingehalten werden. Konkret nennt der Leiter des städtischen Umweltamtes "Vorsorgemaßnahmen" wie Befestigungsanker für Öltanks, damit diese bei Hochwasser nicht weggeschwemmt werden. Generell empfiehlt Köppel die Lektüre der "Hochwasserschutzfibel" des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Wohnungswesen.

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Interessant ist auch, dass zwei große Stadtentwicklungsvorhaben mitten im Überschwemmungsgebiet des Landgrabens liegen: Sowohl die Neue Mitte Thon auf der ehemaligen Straßenbahnwendeschleife als auch das Wetzendorfer Neubaugebiet. In beiden Fällen sei der Hochwasserschutz bereits berücksichtigt worden. In Thon etwa kämen dazu unterirdische Kanäle oder auch ein abgesenkter Platz in Frage. "Das wird den Städtebau sicherlich nicht beeinträchtigen", sagt Köppel.


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Die Überschwemmungsgebiet-Karte für den Wetzendorfer Landgraben finden Sie hier.

Max Söllner Volontär in der Lokalredaktion E-Mail

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