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Wildschweine: Darum gibt es in diesem Jahr so viele Tiere

Obwohl die Jagdsaison erst jetzt anfängt, wurden bereits 470 Tiere geschossen - 26.11.2019 09:10 Uhr

Die größte Gefahr besteht bei Wildschwein-Begegnungen, wenn Fußgänger ins Dickicht zu einer Bache kommen, die gerade Frischlinge gesetzt hat, also Junge bekommen hat. Wenn die sich überrumpelt fühlt, in die Enge getrieben und Gefahr für ihre Frischlinge vermutet, dann wird sie die verteidigen. © Hans-Joachim Winckler


Die Wildschweine sind los - und zwar auch schon sehr stadtnah. So berichtete Herr Bärthlein, Leser der Nürnberger Zeitung, von 15 Schwarzkitteln, die in der Nähe von Laufamholz zwischen den Häusern gewütet haben. Auch auf den Wegen haben sie Spuren hinterlassen. Wir haben bei Johannes Wurm, Leiter der Staatsforsten, nachgefragt.

Herr Wurm, wie sieht es dieses Jahr bei den Wildschweinen aus, sind die Besuche in Laufamholz ein Ausreißer oder gibt es mehr Schweine?

Johannes Wurm: Wir haben dieses Jahr wahnsinnig viele Wildschweine. Das hat zum einen mit der Eicheln- und Buchenmast vom vergangenen Jahr zu tun. Da war die Nahrungsgrundlage sehr gut. Dazu kam die milde Witterung, so gut wie keine Jungtiere starben durch Frosteinwirkung. Dadurch haben die Tiere einfach eine gute Lebensgrundlage. Außerdem vermehrt sich das Schwarzwild sehr stark. Wir merken das an den Abschüssen. Die gehen stark nach oben. Dieses Jahr haben wir bereits 470 Tiere geschossen, obwohl jetzt erst die Jagdsaison anfängt. Im gesamten vergangenen Jahr waren es 440 Abschüsse. Die Wildschweine sind das ganze Jahr bejagbar, nur führende Elterntiere haben Schonzeit. Wir unternehmen viel, um die Anzahl in Balance zu halten.

Wie?

Wurm: Wir sind im Oktober in die Drückjagdsaison gestartet und versuchen da auch, alle Jagdmöglichkeiten zu nutzen. Bei der Drückjagd sind wir begrenzt im Nürnberger Raum. Wir können keine Autobahnen sperren und müssen sehr viel Abstand halten, damit da nichts passiert. Auch die Autobahnbaustellen spielen eine Rolle. Am Autobahnkreuz A9/A6 waren Begrenzungen, die sind gerade nicht da. In Fischbach gibt es auch Probleme, da werden wir Anfang Januar eine Drückjagd halten.

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Was mache ich als Fußgänger, wenn ich im Wald einem Wildschwein begegne?

Wurm: Da brauchen Sie keine Angst zu haben. Die größte Gefahr besteht, wenn Sie ins Dickicht zu einer Bache kommen, die gerade Frischlinge gesetzt hat, also Junge bekommen hat. Wenn die sich überrumpelt fühlt, in die Enge getrieben und Gefahr für ihre Frischlinge vermutet, dann wird sie die verteidigen. Aber im Normalfall hauen die Schweine ab und tun nichts. Die haben Respekt vor dem Menschen und wollen keinen Stress. Es kann schon mal Zwischenfälle mit Hunden geben, aber eher nicht mit Menschen. Eher hat die Sau Panik als der Mensch.


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Was tue ich, wenn eine Rotte in meinen Garten kommt?

Wurm: Keine Essensreste im Garten verstreuen, versuchen, den Zaun sicher zu machen und auch so verankern, dass sie nicht unten durch kommen und auf keinen Fall füttern! Für Schäden im Privatgarten kommt niemand auf, denn auf befriedetem Gebiet ruht die Jagd und ich kann dann niemand verantwortlich machen. Anders sieht es bei freiem Feld von Landwirten aus, da gibt es den Wildschaden.

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Ist die Jagd unumstritten?

Wurm: Wir sitzen etwas zwischen den Stühlen. Die einen sehen ein Problem in der starken Vermehrung des Schwarzwildes, aber natürlich gibt es auch Kritiker der Jagd. Ich würde um Verständnis bitten, dass wir die Population im Griff halten müssen, auch das Rehwild. Denn in Zeiten des Waldumbaus wegen des Klimawandels müssen Wildbestand und Wald im Gleichgewicht bleiben.

Darf mit Nachtsichtgeräten gejagt werden?

Wurm: Wir haben einige Jäger, die die Sondererlaubnis haben, mit Restlichtverstärker auf die Jagd zu gehen. Das ist einerseits gut für das Wild, denn auch bei schlechtem Licht kann ich einen sicheren Schuss abgeben. Auch aus Sicherheitsaspekten kann man sich vergewissern, wenn viele Menschen im Wald unterwegs sind, dass ich sicher jagen kann. Man braucht eine Ausnahmegenehmigung dafür, die aber im Regelfall in unserer Region erteilt wird.

Was passiert mit den geschossenen Tieren?

Wurm: Wir verkaufen das Fleisch, gerade wird viel Reh nachgefragt. Beim Schwarzwild wird vor allem Gulasch nachgefragt. Wir haben gerade verschiedene neue Wurstwaren eingeführt, luftgetrocknete Salami zum Beispiel, dazu haben wir Dosenwurst und Frühstücksfleisch neu im Angebot. Es ist ein hochwertiges Produkt und deshalb haben wir selber angefangen, es zu vermarkten

Sabine Göb

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