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Wird der Hauptmarkt künftig für Radler geöffnet?

Stadträte diskutierten über Ergebnisse der Verkehrszählung vom Juli 2014 - 23.01.2015 06:00 Uhr

Freie Bahn für Drahtesel am Hauptmarkt: Dieses „Symbol“ halten Grüne und ÖDP im Interesse einer fahrradfreundlichen Stadt für wichtig. Bisher ist das Überqueren für Radfahrer nonstop verboten, wird aber geduldet. © Stefan Hippel


In seiner Analyse machte Baureferent Daniel Ulrich klar, dass es sich bei der alljährlichen Zählung von 230 Schülern an rund 100 Stellen um eine „Autoverkehrszählung“ handele. Die Daten vom Juli 2014 haben keine gravierenden Veränderungen aufgezeigt. Um 0,7 Prozent nahm das Gesamtaufkommen an den Nürnberger Stadtgrenzen ab, was immer noch 567 260 Fahrzeuge in 16 Stunden bedeutet; der Pkw-Anteil lag fast unverändert bei 90,8 Prozent. Dass sich die Zahl der Busse kräftig, um 11,6 Prozent auf 2930, erhöht hat, hält er für weniger gravierend. Grund: Der Markt der Fernbus-Anbieter werde derzeit bereinigt, weshalb mit keiner weiteren Steigerung zu rechnen sei.

Etwa 0,6 Prozent Fahrzeuge mehr sind auf den Pegnitzbrücken registriert worden — insgesamt 210 314. Auffallend war hier ein Rückgang des Radler-Anteils im Vergleich zu 2013 um 1,1 auf 8,5 Prozent. Der Baureferent hält die Aussagekraft dieser Zahl aber für gering, weil Radfahrer gern auf Nebenstraßen unterwegs seien. Ulrich räumte dennoch ein, dass es zum erklärten Ziel der Stadtverwaltung von 20 Prozent noch ein weiter Weg sei. Er schätzt den aktuellen Radfahrer-Anteil, der auch witterungsabhängig sei, auf 11 bis 15 Prozent.

Die "Not der Schwächeren"

Bei der Diskussion wies Thorsten Brehm (SPD) auf die Bedeutung „für eine lebenswerte Stadt“ hin, dass „noch mehr auf Schiene und Fahrrad umsteigen“. Er würdigte dennoch den erhöhten Radwege-Etat und die Einrichtung eines „Runden Tisches Radverkehr“. Brehm plädierte für eine „verbesserte Zählmethodik“, um aussagekräftigere Analysen zum Radverkehr zu bekommen. Auch CSU-Stadtrat Marcus König hält es für sinnvoll, „bei der Radwegzählung mehr in die Tiefe zu gehen“ und dafür zusätzliche Schüler einzusetzen.

Das „hohe Niveau des Gesamtaufkommens“ sprach Achim Mletzko (Grüne) ebenso an wie die „Not der Schwächeren“. Radler und Fußgänger müssten „in einer eng gebauten Stadt wie Nürnberg“ mehr Fläche bekommen, wie von Fahrrad-Verbänden gefordert werde. Ungeachtet vieler Lücken im hiesigen Radwegenetz sieht Mletzko auch das 24-Stunden-Radverbot am Hauptmarkt als Problem. Eine offizielle Öffnung wäre für ihn eine „symbolhafte Handlung“ im Interesse des Radverkehrs.

„Großer Handlungsdruck“

Auch ÖDP-Stadtrat Thomas Schrollinger sieht darin ein „nicht zu unterschätzendes Signal“. Eine Vorlage zu diesem langjährigen Reizthema wird derzeit im Baureferat erarbeitet und vielleicht schon in der nächsten Verkehrsausschuss-Sitzung behandelt. Schrollinger sieht jedenfalls „großen Handlungsdruck“, um dem Anspruch einer fahrradfreundlichen Kommune gerecht zu werden.

Baureferent Ulrich versprach für die Verkehrszählung im Juli 2015 Besserung. Das Geld für eine Fahrrad-Zählstelle werde vom Freistaat Bayern spendiert, zudem sollen 50 zusätzliche Schüler an den Radrouten postiert werden. OB Ulrich Maly verwies darauf, dass es etwa bei der VAG bereits Daten zur Freizeitnutzung von Fahrrädern gebe. Laut Verkehrsplaner Frank Jülich hat es etwa im Fall Humboldtstraße bereits Zählungen gegeben, die eindeutig die Zunahme des Radverkehrs dank einer verbesserten Route belegt haben. Klar sei aber: Je umfangreicher eine Untersuchung sein soll, desto mehr Geld kostet sie.

Im Übrigen wies Baureferent Ulrich noch auf einen Statistik-Fehler in der Vorlage der Verwaltung hin: Die Zahl der Pkw in Nürnberg stieg im Vergleich zu 2013 nur deshalb um 23 584 auf 235 861 Autos, weil die Anhänger mitgezählt wurden. Die Zunahme der neuen Pkw liege folglich nicht bei neun, sondern bei gut einem Prozent. 

JO SEUSS (Nürnberger Nachrichten)

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