Mittwoch, 23.10.2019

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Wurmlarven in der Norikusbucht: Hautausschläge drohen

Experten beruhigen nach "Bohrattacken" - Juckende rote Pusteln - 29.08.2019 05:21 Uhr

Viele Nürnberger entspannen sich in der Norkusbucht. © Michael Matejka


Beim Gesundheitsamt der Stadt Nürnberg haben sich bislang drei Bürger gemeldet, die nach einem Bad in der Norikusbucht solche Hauterscheinungen bei sich beobachtet haben. "Das ist zwar ausgesprochen unangenehm, aber keinesfalls gefährlich", erklärt Renate Scheunemann, Umweltmedizinerin beim Gesundheitsamt. Wurmlarven , so die Ärztin, kommen in jedem naturbelassenen Gewässer vor, das auch von Wasservögeln bevölkert wird. Besonders nach starkem Regen wird Vogelkot ins Wasser gespült, der häufig mit Wurmeiern befallen ist.

So kann die Badedermatitis aussehen. © Wikimedia Commons/Andre van der Lingen/CC


Daraus schlüpfen dann kleine Larven, die in Süßwasserschnecken kriechen und sich zu sogenannten Zerkarien entwickeln. In einer einzigen Schnecke können zwischen 8000 und 10.000 solcher Parasiten heranwachsen, berichtet das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Bei Wassertemperaturen über 20 Grad schwärmen sie dann auf der Wasseroberfläche aus und suchen sich einen neuen Wirt, bevorzugt Enten, Gänse oder Schwäne.

LGL beruhigt Nürnberger

Können die Larven bei den Wasservögeln über die Haut eindringen, verwandeln sie sich dann in einen Wurm, paaren sich dort und legen Eier ab, die dann mit dem Kot der Tiere wieder ausgeschieden werden und den Kreislauf von vorne beginnen lassen.

Aber manchmal wählen die Zerkarien versehentlich einen badenden Menschen als neuen Wirt aus. Sie bohren sich in die Haut ein, werden dort aber durch das Immunsystem des Menschen abgetötet. Der Parasit kann sich beim Menschen weder über längere Zeit halten noch weiterentwickeln, versichert das LGL.

Regelmäßige Proben im Wöhrder See

Die "Bohrattacken" können beim Menschen aber die juckenden roten Pusteln auslösen. Wird der Badegast zu einem späteren Zeitpunkt nochmals befallen, kann es zu einer sogenannten Badedermatitis kommen, einer allergischen Reaktion der Haut.

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Der städtische Eigenbetrieb Stadtentwässerung und Umweltanalytik Nürnberg (SUN) entnimmt auch am Wöhrder See regelmäßig Proben. Die werden aber vor allem auf Krankheitserreger wie Enterokokken untersucht. "Blaualgen oder eben Darmbakterien können dem Menschen gefährlich werden. Zerkarien dagegen nicht", erläutert Umweltmedizinerin Renate Scheunemann, und erklärt damit, warum diese Larven bei Tests nicht berücksichtigt werden. Insofern kann das Gesundheitsamt auch nicht eindeutig bestätigen, dass Zerkarien in der Norikusbucht unterwegs sind. "Wir würden es aber begrüßen, wenn Schilder die Badegäste ganz generell über die Risiken informieren, die in naturbelassenen Gewässern bestehen.“

So sehen die Zerkarien aus. © Martin Kalbe


"Sie vergeht von ganz allein wieder"

Die Badedermatitis lässt sich mit Medikamenten gegen Allergien oder auch juckreizstillenden Cremes behandeln. "Sie vergeht aber von ganz allein wieder“, versichert die Ärztin. Wer mit Kindern am Wöhrder See unterwegs ist, dem empfiehlt Scheunemann, die Kleinen lieber auf dem benachbarten Wasserspielplatz planschen zu lassen, der mit Trinkwasser gespeist wird. Kinderhaut reagiert nochmals empfindlicher auf Zerkarien. Außerdem halten sich Kinder vorwiegend im seichten Wasser auf, wo die Larven bevorzugt zu finden sind.

Für besorgte Erwachsene hat Renate Scheunemann einen pragmatischen Vorschlag: "Gehen sie einfach in ein Schwimmbad."

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