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"Y-Home" bietet Flüchtlingen in Nürnberg Unterkunft

Minderjährige Asylbewerber wohnen und leben in einem Jugendhaus im Zentrum zusammen - 22.08.2013 10:20 Uhr

In der Gemeinschaftsküche wird regelmäßig zusammen gekocht. © dpa


In Jeans und T-Shirt sitzt Hasibullah auf dem Sofa und sieht fern. Über den Bildschirm flimmert ein Zeichentrickfilm. Auf den ersten Blick wirkt der 17-Jährige wie ein gewöhnlicher Teenager; dabei hat der junge Afghane schon mehr erlebt als mancher erwachsene Europäer. Um in Deutschland ein besseres Leben zu beginnen, hat er Familie und Heimat zurückgelassen. Sieben Monate lang war er in einer Flüchtlingsunterkunft in Zirndorf untergebracht. Nun hat er in der Nürnberger Innenstadt mit zehn anderen Jugendlichen aus dem Irak, Iran, Pakistan und Bangladesch ein neues Zuhause gefunden.

In der Küche der Wohngemeinschaft hängt ein großes Plakat, auf das in bunten Buchstaben "Y-Home" geschrieben steht. Das "Y" steht für "young", jung - und verweist auf das Haus des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM), in dem die WG untergebracht ist. Genau das sei auch das Innovative an dem Projekt, erklärt der Leitende Sekretär des Nürnberger CVJM, Michael Götz. Da die Wohngemeinschaft in einem Haus der Jugendarbeit liegt, würden Probleme wie etwa Isolation, die oftmals in Jugendheimen aufträten, verhindert. Stattdessen schaffe die enge Vernetzung mit dem CVJM ein Gefühl der Zugehörigkeit.

Man kann sich dort nur schwerlich einsam fühlen. Im Erdgeschoss befindet sich ein Café, im Treppenhaus herrscht buntes Treiben. Zudem dürfen die Bewohner des "Y-Home" Sporthalle und Kicker des CVJM nutzen. Ehrenamtliche holen die Jungs zum Fußballspielen ab oder veranstalten Spieleabende.

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Doch wie klappt das WG-Leben mit einer Horde Jungs im Teenageralter, die aus fünf verschiedenen Ländern stammen? "Es ist ein ganz normaler pädagogischer Kampf", berichtet die Gruppenleiterin des "Y-Home", Lisa Schröder. Was den jungen Flüchtlingen noch fehle, sei eine Struktur, denn eine Schule könnten die jungen Flüchtlinge erst von September an besuchen. Bis dahin steht dreimal die Woche ein Sprachkurs an. Außerdem wollen Schröder und ihr Team ihren Schützlingen beibringen, selbstständig zu werden. Dazu gehöre, von selbst und regelmäßig aufzustehen oder pünktlich bei einem Treffen zu sein, sagt sie.

Regeln gibt es natürlich auch in der Wohngruppe. Die Jugendlichen bekommen beispielsweise Geld, gehen davon einkaufen und kochen. Am Samstag ist großer Putztag. Auch den Boden wischen sie selbst. Die Motivation, in Deutschland ein besseres Leben zu leben, ist riesig, erklärt Schröder. "Sie kommen mit sehr hohen Zielen, Wünschen, Träumen und wollen alle lernen."

Die WG-Betten sind nach der Eröffnung Anfang Mai inzwischen alle belegt. Derzeit leben etwa 60 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Nürnberg, sagt Frank Schmidt vom Jugendamt der Stadt. "Die Zahl hat sich in den letzten vier Jahren quasi verdoppelt." Starker Andrang herrscht auch in den Erstaufnahmeeinrichtungen für Asylsuchende in Zirndorf und München. Beide Lager sind seit Monaten überbelegt und müssen auf Notunterkünfte ausweichen. München nahm seit Januar bereits 112 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge auf, Nürnberg 22.

Auch das "Y-Home" ist nur ein Zuhause auf Zeit. Viele der jungen Asylsuchenden wissen noch nicht einmal, ob sie überhaupt in Deutschland bleiben dürfen. Die Angst vor der Abschiebung ist groß, sagt Schröder. Dazu kommen traumatische Erlebnisse aus der Vergangenheit, etwa Bürgerkriegserfahrungen, die sich oft in Schlafstörungen, Bauchschmerzen oder Hautausschlägen zeigten. "Was sie brauchen, ist Sicherheit und Stabilität."

Hakar ist froh, ein Zimmer im "Y-Home" zu haben. Der 17-jährige Iraker wollte Ingenieur werden, konnte die Schule wegen des Krieges aber nicht abschließen. So wie für Hasibullah und ihn soll das "Y-Home" auch in den nächsten Jahren ein Zuhause für junge Flüchtlinge sein. "Die ersten Schritte sind sehr verheißungsvoll", stellt Michael Götz mit Blick auf die ersten Monate der Wohngruppe fest. Immerhin liegt das "Y-Home" an der Straße der Menschenrechte. Wenn das kein gutes Zeichen ist. 

dpa

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