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Sonntag, 12.07.2020

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Zahlreiche Vorschriften: Touristen dürfen wieder in Hotels

Branche in der Krise: Hoteliers hoffen auf rasch steigende Übernachtungszahlen - 29.05.2020 05:37 Uhr

Abstand muss sein. Der Frühstücksraum im Nürnberger A&O Hostel dürfte dennoch schon bald wieder sehr gefragt sein. © A&O-Hostels


Ist dieser Platz etwa schon besetzt? Nein, die froschgrünen Smileys signalisieren den Gästen lediglich, wo sie sich an den Rundtischen niederlassen können. 1,50 Meter Abstand sind auch im Frühstücksraum das oberste Gebot. Das A&O Hostel am Nürnberger Hauptbahnhof versucht, seine Gäste auf spielerische Weise durchs Haus zu lotsen, auch wenn der Hintergrund – die Corona-Pandemie – natürlich überaus ernst ist, wie Torsten Loos betont. Er ist für das operative Geschäft der Budget-, Hotel- und Hostelkette zuständig und fiebert dem Samstag regelrecht entgegen. Denn dann dürfen Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätze in Bayern wieder Touristen empfangen.

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Bevor die Hotellerie ihren Betrieb hochfährt, haben das Gesundheits- und das Wirtschaftsministerium des Freistaats ein sogenanntes Hygienekonzept Beherbergung formuliert. Viele Vorgaben sind bereits aus dem Konzept für die Gastronomie bekannt, das seit dem 18. Mai in Kraft ist. Darüber hinaus sieht es beispielsweise vor, dass jede Wohneinheit – gemeint sind Hotelzimmer, aber auch Ferienwohnungen, Ferienhäuser, Wohnwagen oder Wohnmobile – eine eigene Sanitäreinrichtung haben muss. Ein Zimmer gemeinschaftlich bewohnen dürfen nur Personen, für die die Kontaktbeschränkungen nicht gelten.

Markierte Wege

Die neuen Vorgaben verändern den gewohnten Ablauf. Das wird schon beim Betreten des A&O Nürnberg deutlich. Vor dem Einchecken stehen Sprays bereit, mit denen sich die Gäste ihre Hände desinfizieren können. Die kurzen Laufwege sind ebenso mit blauen Linien markiert wie die Abstandsbeschränkungen. Wer Fragen hat, ist durch eine Plexiglasscheibe von den Rezeptionisten getrennt. Ursprünglich bewegliche Möbelteile haben nun einen festen Platz. Wie im Frühstücksraum sind auch die übrigen Sitzgelegenheiten mit Smileys versehen, um den entsprechenden Abstand zu gewährleisten.

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Touristen aufgepasst: Wer die Vorschriften nicht einhält, riskiert hinauszufliegen. In solchen Fällen werde "von allen Möglichkeiten der Vertragsbeendigung konsequent Gebrauch gemacht", wie es im Konzept heißt. Ein Schritt, den Loos unter allen Umständen vermeiden möchte. "Natürlich werden wir die Gäste erst einmal höflich auf die Vorschriften hinweisen."

Hotels, die normalerweise mit Schwimmbädern, Saunen, Wellness- oder Fitnessbereichen für sich werben können, dürfen diese vorerst nicht anbieten. Generell gilt: Vermieter, Mitarbeiter und Gäste müssen in den Gemeinschaftsbereichen eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Hotels und andere Beherbergungsbetriebe sollen eigene Schutz- und Reinigungskonzepte erstellen, die das Risiko einer Infektion minimieren.

Warum erst der 30. Mai?

"Hygienevorschriften gehören zum Geschäft. Das Hygienekonzept ist nach dem Feedback, das ich erhalten habe, nichts, das an der Realität vorbeigeht", sagt Yvonne Coulin. Viele Hoteliers hätten die Vorgaben in etwa so erwartet und sich seit April intensiv darauf vorbereitet. Als Termin für den Neustart hätte sich aber nicht nur die Geschäftsführerin der Congress- und Tourismus-Zentrale Nürnberg schon den Freitag gewünscht. Zahlreiche Touristen, die das verlängerte Pfingstwochenende mit einer Anreise am Freitag gerne voll ausgenutzt hätten, dürften es sich anders überlegt haben.

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Von einer Normalisierung könne wohl auch auf lange Sicht keine Rede sein. "Wer weiß, wann wir jemals das Niveau von 2019 wieder erreichen werden", blickt Coulin skeptisch in die Zukunft. Die Branche hat heftig daran zu knabbern, dass die Besucherzahlen in diesen Corona-Zeiten so dramatisch eingebrochen sind, im Fall der A&O Gruppe in den einstelligen Prozentbereich.

In den vergangenen Wochen hatten Hoteliers lediglich Geschäftsreisende beherbergen dürfen. Ein paar Versuche, ohne dienstlichen Grund in einem A&O Hostel zu übernachten, habe es an mehreren Standorten tatsächlich gegeben, diese seien aber sofort unterbunden worden, erklärt Torsten Loos. Ab morgen muss zum Glück niemand mehr nachweisen, warum er übernachten möchte.

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