Operninterim: Vernünftige Position

Zu teuer für baldigen Abriss

Nuernberg , 20.06.2016..Ressort: Politik Fotografie: Stefan Hippel..Chefredakteuere der Nürnberger Nachrichten , Michael Husarek , Portrait
Michael Husarek

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14.1.2022, 17:58 Uhr
Möglicher Standort für das Opern-Interim: Der Innenhof der Kongresshalle.

Möglicher Standort für das Opern-Interim: Der Innenhof der Kongresshalle. © Daniel Karmann/dpa

Der Denkmalschutz und die Vernunft gehen nicht immer eine Liebesbeziehung ein. Häufig stehen sich beide sogar unversöhnlich gegenüber. Hier die Bewahrer alter und schützenswerter Bausubstanz, dort die Pragmatiker, denen es auch um Geld geht. Gerade bei Bauten die von uns allen, also aus Steuermitteln, bezahlt werden, wandeln die (Kommunal-)Politiker häufig auf einem schmalen Grat.

Umso besser, dass sich mit Blick auf das Ausweichquartier für Nürnbergs marodes Opernhaus nun eine gute und den Steuerzahlern im Lande somit auch vermittelbare Lösung andeutet: Indem Bayerns oberster Denkmalschützer betont, dass er sich unter bestimmten Bedingungen auch einen dauerhaften Bau auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände vorstellen kann, öffnet er einer vernünftigen Lösung die Tür.

Nürnbergs Oper ist marode und muss ab 2025  für rund zehn Jahre umziehen.

Nürnbergs Oper ist marode und muss ab 2025  für rund zehn Jahre umziehen. © Daniel Karmann/dpa, NNZ

Denn es wäre schlicht nicht nachvollziehbar gewesen für einen hohen zweistelligen oder gar dreistelligen Millionenbetrag ein Interim zu bauen, um es dann nach zehn Jahren wieder abzureißen. Umso mehr als Nürnberg einen notorischen Mangel an geeigneten Veranstaltungssälen und -bühnen zu beklagen hat. Sogar die Befürworter eines Konzertsaals könnten sich bei einer Dauerlösung im Hof der Kongresshalle wieder Hoffnungen machen.

Was auch immer nach dem Rückzug des Staatstheaters an den Richard-Wagner-Platz auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände an kulturellen Aktivitäten über die Bühne geht: Ohne eine solche Perspektive stünden die beiden Träger des Staatstheaters, der Freistaat und die Stadt, von Anfang an im Verdacht der Verschwendung von Steuergeldern.

Es erstaunt zwar, dass es des Anstoßes einer fachkundigen Grünen-Landtagsabgeordneten aus Schwabach bedurfte, diesen in jeder Hinsicht vernünftigen Weg einzuschlagen. Doch Stadt und Denkmalschutz sollten rasch einen Standort im Innenhof der Kongresshalle suchen, der Voraussetzungen für eine Dauerlösung erfüllt. Mit dem Außenbereich des Torsos tut sich der Denkmalschutz ohnehin schwer, diese Option dürfte bald vom Tisch sein.

Gelingt der Schulterschluss zwischen berechtigten denkmalschützerischen Interessen, die im Umgang mit dem NS-Erbe natürlich gewahrt werden müssen, und einer ansprechenden Architektur, kann in Nürnberg modellhaft gezeigt werden, wie im 21. Jahrhundert notwendige Erinnerungsarbeit und zeitgemäße kulturelle Nutzung in Einklang zu bringen sind.

Mit dem Dokumentationszentrum, das ja ebenfalls mit einem baulichen Eingriff verbunden war, ist der Anfang in der Kongresshalle ohnehin schon gemacht. Darauf sollte nun aufgebaut werden. Die wohl größte Hürde stellen dabei ideologische Scheuklappen dar, die einige lokale Akteure bislang nicht abzulegen vermochten.

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