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Zum Jahrestag: Gedenken an NSU-Opfer in der Südstadt

Demonstranten fordern Solidarität mit "Black Lives Matter"-Protesten - 13.06.2020 19:40 Uhr

Gedenken am Jahrestag an Nürnberger NSU-Mordopfer in der Südstadt.

© Michael Matejka


Die Rolläden des kleinen Ladens an der Gyulaer Straße/Ecke Siemensstraße sind heruntergelassen, die Gitter an den Eingangstüren auch. An der Hauswand hängt ein Porträt von Abdurrahim Özüdoģru. "13.6.2001 von Nazis ermordet. Kein Vergeben - kein Vergessen" steht darunter. Es ist ein kleiner Kreis von Menschen, weit kleiner als noch vor einem Jahr, der sich vor der ehemaligen Änderungsschneiderei am Samstag versammelt hat.

Eingeladen hat die Initiative "Schweigen Durchbrechen", der türkische Generalkonsul Serdar Deniz hält eine kurze Rede, in der er den rechten Terror verurteilt, mit dem das Land zu kämpfen habe. Deutschland sei für viele Türken zur Heimat geworden. Die meisten im Land seien gegen den rechten Terror, so Deniz.

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Gedenken am Jahrestag des NSU-Mordes von Nürnberg

Am Jahrestag des Nürnberger NSU-Mordes an Abdurrahim Özüdoģru fand in der Nürnberger Südstadt eine Kundgebung zum Gedenken an das Opfer statt. Am 13. Juni 2001 starb der Nürnberger durch Schüsse des rechtsterroristischen Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU).


Die Menschen, die sich wenig später und zahlreicher auf dem Aufseßplatz versammeln, gehören dazu. Fünf Jahre hintereinander hat ein Bündnis hier Straßenfeste gegen Rassismus und Diskriminierung organisiert. Heuer muss es bei Ansprachen bleiben. Von Birgit Mair vom Bündnis Nazistopp zum Beispiel, die von Abdurrahim Özüdoģru erzählt, der heute 68 Jahre alt wäre. Der laut Stechuhr an seinem Todestag von 5.45 Uhr bis 13.51 Uhr bei Diehl Schichtarbeit machte, und wenige Stunden später in der Südstadt mit einer Ceska-Pistole hingerichtet wurde.

Solidarität mit "Black Lives Matter"-Protesten gefordert

Dass die AfD inzwischen in den Parlamenten sitzt, habe die Angehörigen der neu NSU-Opfer schwer getroffen, sagt Birgit Mair. Deren rassistisches Gift werde im ganzen Land verteilt. Sie fordert Solidarität ein, auch mit den aktuellen "Black Lives Matter"-Protesten in Amerika.

Als im November 2011 bekannt wurde, dass die Ceska in der zerstörten NSU-Wohnung in Zwickau lag und der NSU enttarnt wurde, sei das "wie ein Paukenschlag" gewesen. Das sagt Sabine Stoll, Redakteurin der Nürnberger Nachrichten und Mitglied im Recherchenetzwerk aus NN und Bayerischem Rundfunk, am Aufseßplatz. Als Polizeireporterin habe sie damals erlebt, wie die Angehörigen der Opfer jahrelang krimineller Machenschaften beschuldigt und kriminalisiert wurden.


Der Rechtsstaat habe die Angehörigen der Opfer im Stich gelassen


Viel zu lange, so Stoll, habe man Hinweise ignoriert, die auf einen ausländerfeindlichen Hintergrund der neun Morde hindeuteten. NN-Redakteurin Sabine Stoll: "Das war ein fataler Fehler."

Rechtsstaat habe Angehörigen der Opfer im Stich gelassen

Umso intensiver konzentriere sich das Rechercheteam auf das Umfeld und die Helfer der Rechtsterroristen, die auch in Nürnberg ihre Netzwerke hätten. Wie viel der Verfassungsschutz wusste, sei eine der Fragen, die nach wie vor auf der Agenda stünden.


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Dass der NSU nur aus drei Personen bestanden habe, wie das Urteil im Zschäpe-Prozess unterstelle, sei absurd. Das betont auch Mark Berger von der Initiative "Das Schweigen durchbrechen". Das "rassistische und antisemitische Grundbrodeln" in der Gesellschaft sei stärker geworden. Der Rechtsstaat habe die Angehörigen der Opfer im Stich gelassen. Das gelte auch für Abdurrahim Özüdoģrus Tochter, die beim Anschlag auf ihren Vater erst 16 war. Während die Demonstranten in der Siemensstraße und am Aufseßplatz durch die Bank Masken trugen und Abstand hielten, ging man bei einer erneuten Corona-Demo für den Schutz des Grundgesetzes auf der Wöhrder Wiese eher auf Tuchfühlung. Manche Teilnehmer umarmten sich, niemand trug Maske oder hielt Abstand, obwohl das auch hier zu den polizeilichen Auflagen gehörte.


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