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Zuschauerschwund: Der Norisring kämpft ums Überleben

Regen-Sonntag trübte die Stimmung beim Motorsportclub Nürnberg - 01.07.2014 06:00 Uhr

Lediglich 121.000 Besucher kamen zum Norisring an die Zeppelintribüne. Der Negativtrend setzt sich fort. © Sportfoto Zink / JüRa


NZ: Herr Brandmann, wie ist die Stimmung beim MCN nach diesem Wochenende?

Peter Brandmann: Der Sonntag ist für uns meist das Zünglein an der Waage. Er entscheidet darüber, ob wir einen Gewinn machen, kostendeckend arbeiten oder am Ende sogar einen Verlust verbuchen müssen.

NZ: Der Sonntag fiel diesmal regelrecht ins Wasser, eigentlich untypisch für die Glutofen Norisring. Also ist die Stimmung eher schlecht, oder?

Brandmann: Normalerweise verkaufen wir sonntags noch 1000 bis 1500 Karten an der Tageskasse. Diesmal waren es nur 131 Tickets. Ob wir einen Verlust gemacht haben, wissen wir erst, wenn wir in zwei bis drei Monaten alle Rechnungen bekommen haben.

NZ: Und das, obwohl Lokalmatador Marco Wittmann am Start war, der als fränkischer Rennfahrer die DTM-Wertung anführte . . .

Brandmann: Wir sind durchaus ein bisschen enttäuscht. Er ist Mitglied bei uns im MCN und kam als Führender. Da hatten wir uns ehrlich gesagt schon mehr erhofft.

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Wickens siegt am Norisring - Wittman "daheim" nur Siebter

Robert Wickens hat das Rennen am Norisring gewonnen. Der Kanadier kam nach 83 Runden als erster ins Ziel. Für Mister Norisring Jamie Green blieb nur Platz zwei. Vorjahres-fast-Sieger Mattias Ekström wurde Dritter, Lokalmatador Marco Wittman nur Siebter.


NZ: Welche Kosten fallen an so einem Rennwochenende an?

Brandmann: Das fängt bei Gebühren für Strom, Wasser und Telefon an und geht weiter über die Kosten, die wir an die Stadt abführen müssen. Für jeden Quadratmeter Fläche zahlen wir. Auch der Tribünenaufbau ist ein großer Posten. Der wird von spezialisierten Gerüstbaufirmen durchgeführt und kostet viel Geld. Außerdem müssen Stromleitungen und Wasserleitungen erst verlegt und die Betongleitwände und Zäune extra für das Rennen aufgebaut werden. Das Sicherheitspersonal, Abfall- und Altölentsorgung sowie Lärmschutzmessungen nicht zu vergessen.

NZ: Das hört sich kostspielig an. . .

Brandmann: Auf einer permanenten Rennstrecke wie sie beispielsweise in Hockenheim steht, dreht man nur den Schlüssel rum, und alles steht zur Verfügung. Bei uns ist der Norisring am Donnerstagabend noch eine normale Straße und Freitagfrüh eine Rennstrecke. Alles muss jedes Mal aufs Neue gemacht werden. Ohne unsere vielen Ehrenamtlichen wäre der Norisring für uns nicht mehr bezahlbar.

NZ: Müssen sich die Motorsportfans sorgen machen, dass der Norisring eines Tages im Rennsport-Kalender fehlt?

Brandmann: Im Moment nicht. Wir zehren von den Vorjahren. Aber das geht nicht endlos. Ein Teil ist schon aufgebraucht. Zudem haben wir in der Vergangenheit mehrere Hunderttausend Euro in den Sicherheitsstandard der Strecke investiert. Das muss man erst wieder erwirtschaften.

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Sexy Attraktion vor jedem Rennen: Die Grid Girls

Sie sind wohl die ansehnlichste Attraktion neben den schnellen Autos am Norisring: Die Grid Girls. Wegen des schlechten Wetters waren die Damen bisweilen mit einer Jacke bekleidet, dennoch waren sie ein Augenschmaus - nicht nur für Motorsportfans.


NZ: Wie fällt der Vergleich mit der Konkurrenz aus?

Brandmann: Andere Veranstalter würden sich glücklich schätzen, wenn sie unsere Zuschauerzahlen hätten. Wären wir eine permanente Rennstrecke, hätten wir auch kein Problem.

NZ: Das zurückgehende Interesse am Automobilsport ist kein Problem, das den Norisring allein beschäftigt. Generell kommen zu den Rennen der DTM weniger Zuschauer. Auch bei der Königsklasse in der Formel 1 bleiben teils die Zuschauer weg. Woran liegt das ihrer Meinung nach?

Brandmann: Das stimmt, alle bekommen Probleme. Das ist ein schleichender Prozess, aber die Tendenz ist deutlich erkennbar. Auch wir leben nicht in einem goldenen Käfig und stellen uns deshalb der Herausforderung. Ich denke, dass vor allem die enorme Fernsehversorgung eine Rolle spielt. Es wird sehr viel live berichtet. Und wenn das Wetter dann mal nicht passt, bleiben die Leute eben zu Hause und schauen das Rennen im Warmen. Ein kleiner Grund könnte auch sein, dass das Regelwerk in den letzten Jahren undurchsichtiger wurde. Wer vorn fährt muss nicht zwangsläufig immer der sein, der am Ende gewinnt. Stichwort erzwungene Reifenwechsel.

NZ: Was wird der MCN unternehmen, um überlebensfähig zu bleiben und wieder mehr Leute an die Rennstrecke zu locken?

Brandmann: Wir machen uns viele Gedanken und betrachten auf der einen Seite das Betriebswirtschaftliche. Wir werden versuchen, weiter Kosten zu reduzieren und die Notwendigkeit mancher Dinge genau zu prüfen. Mit den Norisring Classics haben wir beispielsweise schon in diesem Jahr versucht, ein neues Publikum anzusprechen.

Außerdem wollen wir uns in Zukunft noch stärker auf die jungen Leute konzentrieren und versuchen, sie über die sozialen Netzwerke für uns zu begeistern. Der Norisring muss noch mehr Event-Charakter bekommen, was wir mit einer Showbühne, dem Public Viewing und einer Live-Band am Sonntag auch schon versucht haben. 

Fragen: Stefan Jablonka (Nürnberger Zeitung)

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