Donnerstag, 19.09.2019

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Zwei Ex-Banker versprechen bezahlbare Mieten und gute Rendite

Neue Genossenschaft Wohnblau setzt auf ökologische, soziale und rentable Projekte - Unternehmen macht aus Verlustrisiko kein Geheimnis - 11.02.2016 19:37 Uhr

Bezahlbarer Wohnraum ist in Ballungszentren knapp. Die Nürnberger Genossenschaft Wohnblau will hier gegensteuern. © Foto: dpa


Mit dem Aufbau eines Unternehmens kennt sich Jürgen Koppmann aus. 18 Jahre war er bei der seit 1997 aktiven Nürnberger Umweltbank beschäftigt - davon lange im Vorstand. An entscheidender Stelle war der Diplom-Kaufmann damit am beständigen Wachstum des fränkischen Pioniers in Sachen ökologische Finanzdienstleistungen beteiligt.

So lange, bis dieses Gefühl in ihm keimte und ihm schließlich keine Ruhe mehr ließ: „Ich muss noch mal etwas Neues beginnen.“ Ende 2014 war es dann so weit. Koppmann hat - nur wenige Monate vor dem unerwarteten Rückzug des Bankgründers Horst P. Popp - die Umweltbank verlassen. Das neue Projekt des 47-Jährigen: Zusammen mit Benjamin Zeeh, ebenfalls lange bei der Umweltbank tätig, hat Koppmann die Genossenschaft Wohnblau gegründet. Das Ziel: Nach ökologischen Kriterien Wohnraum schaffen, der bezahlbar ist.

Zwei Trends kommen den beiden Ex-Bankern dabei zugute: Zum einen polieren Wohnungbaugenossenschaften derzeit ihr Image auf Hochglanz: Was lange als verstaubt galt, gewinnt in Zeiten hoher Mieten und Immobilienpreise sowie steigendem Interesse an Mehrgenerationenhäusern an Attraktivität. Zum anderen sind viele Menschen, die ihr Geld anlegen wollen, ratlos: Klassische Sparanlagen sind bei Zinsen, die selten über ein Prozent hinausgehen, schließlich kaum mehr verlockend.

Es sind daher zwei Zielgruppen, die Wohnblau ansprechen möchte: die reinen Anleger auf der einen Seite und die, die für sich selbst eine Wohnung suchen, auf der anderen. Wer nur investieren möchte, ist mit einer Mindesteinlage von 5000 Ã dabei. Obergrenze sind 500 Anteile zu je 1000 Ã. Wer mieten will, muss mindestens einen Anteil zeichnen.

„Angemessene Verzinsung“

Den einen verspricht die Genossenschaft bezahlbare Mieten, den anderen stellt sie „eine sinnvolle, sozialverträgliche und nachhaltige Geldanlage mit überschaubarem Risiko bei angemessener Verzinsung“ in Aussicht. Die Dividende soll demnach 2017 mit einem Prozent starten und 2022 vier Prozent erreichen. Auch die Risiken werden in der Informationsbroschüre der Genossenschaft genannt: So handle es sich bei der Mitgliedschaft um eine unternehmerische Beteiligung. Und bei einer solchen drohten grundsätzlich immer Verluste.

Um Wohnungen zu schaffen, will Wohnblau sowohl in den Neubau investieren als auch bestehende Mehrfamilienhäuser erwerben. Eine Immobilie nennt die Genossenschaft bereits ihr Eigen: ein Mehrfamilienhaus in Cadolzburg. Pro Wohnprojekt will die Genossenschaft zwischen einer halben und 15 Mio. Ã investieren.

Dabei will sie nach eigenem Bekunden einen Dreiklang aus den Aspekten ökologisch, sozial und rentabel erreichen. Das bedeutet: Die Immobilien sollen hohe Energiestandards erfüllen und gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein. Um die Mieten bezahlbar zu halten, sollen möglichst Mittel des sozialen Wohnungsbaus eingesetzt werden. Zudem sollen Familien, Singles, Senioren und Alleinerziehende unter einem Dach wohnen. Nicht zuletzt werden die Projekte den Plänen zufolge effizient kontrolliert, Verwaltungs- und Werbekosten bleiben niedrig, so dass eine „angemessene“ Dividende gezahlt wird.

Neben Wohnblau betreiben Koppmann und Zeeh die Stadtblau GmbH. Die Firma berät Wohnungsbaugenossenschaften und übernimmt das Projektmanagement für Baugemeinschaften. So soll unter ihrer Federführung ein Gebäudekomplex in Erlangen- Büchenbach entstehen. Dort sollen Anfang 2018 elf Familien einziehen. Das Besondere: Die künftigen Bewohner kennen sich schon heute. Schließlich bilden sie die Baugemeinschaft, die die Wohnanlage ohne Bauträger stemmt. Das sei in der Regel günstiger. Denn die Marge für den Bauträger - meist 15 bis 20 Prozent - fällt weg, erklärt Zeeh. Der Nachteil: Der Preis ist noch nicht fix, die künftigen Eigentümer tragen das Risiko. 

MARKUS HACK

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