Kabarett im Citykino

Christoph Reuter testete Kick-Publikum auf Musikalität

Michelle Ermer

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29.4.2022, 11:00 Uhr
Bei Christoph Reuters Kabarett war das Publikum gefragt.

© M. Ermer Bei Christoph Reuters Kabarett war das Publikum gefragt.

Nicht umsonst hieß das Programm des Pianisten „Alle sind musikalisch (außer manche)“: Wer zwei Töne hören beziehungsweise unterscheiden könne, sei musikalisch, sagte Reuter. Das hat der Musiker, Komponist und Buchautor aus Berlin dann auch überprüft: Sein Publikum bestand den Test ohne Probleme.

Dass Musik überall stattfindet, bewies er, indem er den Gesang der Wale in Reimform verband. Ihr Schall brauche nach einer Stunde, während der die Wale ihn produzieren, elf Stunden um die Erde – die Tiere können sich also selbst hören. „Der Dreivierteltakt des Meeres“, wie es Reuter beschrieb.

Werbung im Ohr

Der studierte Jazzmusiker spielte ein Medley aus einigen bekannten Filmtiteln. Das Interessante dabei: Brennt sich eine Szene beim ersten Anschauen ein, dann hilft allein die Musik, sich ein Leben lang daran zu erinnern. Auch die Werbung versuche dies auszunutzen: Musikstücke, ob in Werbeslogans oder direkt im Laden, beeinflussen die Kaufentscheidung.

Auch die HZ-Mitarbeiterin Michelle Ermer bezog Reuter in sein Programm ein und überzeugte mit seinem Improvisationstalent: Aus einer C-Dur-Tonleiter entwickelte er anhand ihrer Telefonnummer aus fünf Tönen ein neues Stück. Selbst wenn das „nur für diesen Abend bestimmt sei“, die Zuschauer spürten: Der Mann an den Tasten weiß, was er tut.

Um ein Instrument zu lernen, braucht es aber nicht nur Talent. 10 000 Stunden Übung seien laut Forschern nötig, um aus Talent Können zu machen. Selbstredend, dass Mozart viele Stunden mehr ansammelte, bis er so komponierte konnte, obwohl er sicher mehr Talent besaß als so manch anderer.

Musikwissen abgefragt

Reuter gab sein Wissen ans Publikum weiter: Um zumindest einen Popsong interpretieren zu können, ist die „C-Dur-Kralle“ hilfreich. Das ist ein Karton im Postkartenformat mit drei Löchern für Daumen, Mittelfinger und kleinen Finger. Hit dieser Haltung könne man fast alle Akkorde abdecken, die ein solches Stück benötigt. Und durch den gleichmäßigen Fingerabstand funktioniere es fast von selbst. Das zeigte Reuter an einem angespielten Tonbeispiel.

Welcher Stil ist am aufwendigsten: Klassik, Jazz oder Popmusik? Das Publikum bekräftigte das Klischee, im Jazz ginge es weniger um Proben als um Improvisation. Doch gerade der Jazz ist am tonstärksten, gefolgt von Klassik und Pop.

Welche Musik man zwischen dem 15. und dem 25. Lebensjahr höre, sei übrigens maßgebend für den späteren Musikgeschmack, so der Pianist. Diese Prägung halte sich in der Regel das ganze Leben – und so sei davon auszugehen, dass Heavy-Metal-Fans auch mit 80 Jahren noch mit dem Rollator rocken. Mit solchen Bildern kassierte Reuter, der unter anderem das Bühnenprogramm von Eckard von Hirschhausen begleitet und eigene Bandprojekte hat, viele Lacher.

Lust aufs Buch

Wäre das Gehör seiner Zuhörerinnen und Zuhörer noch feiner, könnten sie sogar den eigenen Herzschlag hören, so der Pianist. Er testete sie auf allerhand Töne, schaffte den Rundumschlag durch diverse Stilrichtungen und interpretierte Stücke neu. Damit machte er Lust auf mehr – etwa sein erstes Buch, das er im vergangenen Jahr zum Thema Musikalität geschrieben hat. Auch darin geht es um kurzweilige Fakten rund um die Musik, die unser Leben täglich nebenbei begleitet.

Am Ende seiner Musikdoppelstunde hatte Christoph Reuter sein Ziel erreicht: Die Faszination für Musik zu wecken oder zu vertiefen, ohne lehrerhaft zu klingen und immer mit einem Quäntchen Spaß, Spontanität und im Dialog mit seinen Gästen.

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