Söder befürchtet große Eingriffe in den Wald

Diskussion um Areal für ICE-Werk: Muna-Süd bei Feucht scheint auszuscheiden

13.1.2022, 17:07 Uhr
Altbürgermeister Konrad Rupprecht (links) und die Feuchter CSU feiern einen Teilerfolg.

Altbürgermeister Konrad Rupprecht (links) und die Feuchter CSU feiern einen Teilerfolg. © Herbert Bauer

Seit Wochen kursierte das Gerücht, dass es in Sachen ICE-Standort Muna Bewegung gebe. Jetzt bestätigen sich entsprechende Vermutungen: Ministerpräsident Markus Söder hat sich mit einem Schreiben an seine Parteifreunde in Feucht gewandt und reagiert damit auf deren dringende Bitte um Unterstützung. Söder macht deutlich, dass die Sachlage beim Standort Muna Süd ähnlich sei wie beim ehemaligen Standort Altenfurt Fischbach. Hier wie dort war und ist Wald in großem Umfang von Abholzung bedroht und soll - wenn es nach den Gegnern des Infrastrukturprojekts geht - erhalten werden.

Söder: "Großflächige Eingriffe in den Wald"

Bei der Abwägung aller Umstände sei die Staatsregierung zum Ergebnis gelangt, am Standort Altenfurt/Fischbach keine Staatswaldflächen für ein ICE-Ausbesserungswerk zur Verfügung zu stellen. „Ich habe das Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gebeten, nun auch umgehend die Betroffenheit des Staatswalds im Bereich der Muna zu prüfen“, schreibt Söder an den Feuchter CSU-Vorsitzenden Konrad Rupprecht. Die aktuellen Planungen der Bahn verursachen laut Söder „großflächige Eingriffe in den Wald“ und würden „diese Flächen dauerhaft der Natur und den Menschen entziehen“. Südlich der Muna wären große Waldflächen betroffen, die im Eigentum des Freistaats stehen. Wenn die Bahn dieses Areal nicht erwerben kann, ist es als Standort für ein ICE-Werk gestorben.

Inge Jabs freut sich über die Nachricht und bedankt sich bei der Feuchter CSU für deren Einsatz.

Inge Jabs freut sich über die Nachricht und bedankt sich bei der Feuchter CSU für deren Einsatz. © Antonia Kourtides

Feuchter CSU spricht von einem Teilerfolg

Die Feuchter CSU reagiert mit großer Erleichterung auf das Schreiben des Ministerpräsidenten, spricht aber zunächst nur von einem Teilerfolg, da sich Söder in seinem Brief lediglich auf den Standort Muna-Süd bezieht. Das Areal nördlich davon ist nicht Eigentum des Freistaats, sondern des Bundes. Im Dezember hatte sich der Ortsverband mit genau der Argumentation an Söder gewandt, die dieser nun aufgreift, um einen Verkauf des Waldes am Standort Muna-Süd zu verhindern: Hier gelte dasselbe wie für das Areal bei Altenfurt/Fischbach.

Mitten im Wald: So plant die Deutsche Bahn ihr ICE-Werk am Standort Muna-Süd.

Mitten im Wald: So plant die Deutsche Bahn ihr ICE-Werk am Standort Muna-Süd. © Marion Fink/Deutsche Bahn

Für die Feuchter CSU hatte sich im Vorfeld Harald Danzl mit der Bitte um Unterstützung an Regierungspräsident Thomas Bauer, an den Nürnberger Oberbürgermeister Marcus König, an Landrat Armin Kroder und an etliche Landtags- und Bundestagsabgeordnete gewandt. Dann gab es eine Resolution des CSU-Kreisverbands Nürnberger Land, der sich gegen das ICE-Werk im Reichswald aussprach. Offenbar blieben die permanenten Hilfe- und Alarmrufe aus Feucht nicht ohne Wirkung. Aus Sicht der Feuchter CSU dürfte nun zumindest der Standort Muna-Süd vom Tisch sein. Es liege jetzt an den örtlichen und überörtlichen Vertretern der derzeit in Berlin regierenden Ampel-Parteien, im Hinblick auf den Standort Muna-Nord weiter aktiv zu werden, heißt es in einer Pressemitteilung der Feuchter Christsozialen zu aktuellen Entwicklung.

Kotzur begrüßt die Entwicklung, fühlt sich aber übergangen

Bürgermeister Jörg Kotzur (parteilos) erfuhr gestern durch den Boten vom neuen Stand der Dinge in Sachen ICE-Standort. Dass sich hier ein Erhalt des Waldes südlich der Muna abzeichnet, sei sehr zu begrüßen, sagt er im Telefongespräch mit der Redaktion. Er bedauert aber, dass die Staatskanzlei es offenbar versäumt habe, ihn als Gemeindeoberhaupt unmittelbar zu informieren. „Es verwundert mich schon, dass der CSU-Ortsverband zuerst davon erfährt.“ Der Bürgermeister weist auch darauf hin, dass er bereits im November vergangenen Jahres an Ministerpräsident Söder geschrieben und darum gebeten habe, nach Alternativen Ausschau zu halten, die geringere Eingriffe in die Natur nötig machen würden.

Freude in der Waldsiedlung und beim Bund Naturschutz

Inge Jabs freut sich als Vorstandssprecherin der Wohnungsgenossenschaft Waldsiedlung riesig über die Nachricht, dass Muna-Süd jetzt wahrscheinlich aus dem Verfahren ausscheidet. „Wir haben die Herausnahme ja schon vor Monaten gefordert“, betont sie. Schriftlich hat sie mit anderen Feuchtern im Herbst letzten Jahres die Forderung auf dem CSU-Parteitag in Nürnberg einer Referentin Söders übergeben (wir berichteten). Jabs bedankt sich jetzt auch ausdrücklich bei der Feuchter CSU für deren Einsatz.

Ministerpräsident Markus Söder mischt sich ein zweites Mal in die Standortsuche für das neue ICE-Werk Nürnberg ein. Diesmal zugunsten der Feuchter Kritiker des Infrastrukturprojekts.

Ministerpräsident Markus Söder mischt sich ein zweites Mal in die Standortsuche für das neue ICE-Werk Nürnberg ein. Diesmal zugunsten der Feuchter Kritiker des Infrastrukturprojekts. © Tobias Arhelger/stock.adobe.com

Große Freude auch bei Sophie Wurm, der Vorsitzenden der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe in Feucht. Wurm hofft nun, dass es vielleicht doch noch gelingt, einen Standort für ein ICE-Ausbesserungswerk zu finden, der nicht im Reichswald liegt.

Die Deutsche Bahn wollte sich am Donnerstag auf Nachfrage des Boten nicht näher zu der jüngsten Entwicklung äußern.