Innovation für Arbeitssicherheit

Mit der VR-Brille beim Baumfällen

Hersbrucker Zeitung

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6.9.2022, 11:00 Uhr
Lisa Haugeneder, Dual-Studierende der Bayerischen Staatsforsten, platziert virtuell das Rückweichetuch.
 

© PR Lisa Haugeneder, Dual-Studierende der Bayerischen Staatsforsten, platziert virtuell das Rückweichetuch.  

Um den Unterricht aber noch sicherer, effektiver und abwechslungsreicher zu gestalten, haben die Bayerischen Staatsforsten und die Bayerische Landesunfallkasse ein Training in virtueller Realität entwickelt. Wer die helmartige VR-Brille aufsetzt, steht mit einem Schlag und beiden Beinen auf raschelndem Blättergrund, inmitten eines bunten Laubwaldes, beschreibt es die Pressemeldung anschaulich. Dann folgt aber kein Jump-,n‘-Run-Spiel, sondern die einzelnen Arbeitsschritte der motormanuellen Holzernte in virtueller Realität - ein Novum und einmalig in der forstwirtschaftlichen Ausbildungswelt.

Die Idee für eine VR-Anwendung kam von der Landesunfallkasse. Sebastian Großmann, Fachkraft für Arbeitssicherheit am Bildungszentrum, und Heinz Blank, Forstwirtschaftsmeister, entwickelten zusammen mit Antonela Springer und Yvonne Kupske aus dem Geschäftsbereich Prävention der Landesunfallkasse die Anwendung.

„Die Arbeit im Wald ist eine gefährliche Tätigkeit. Arbeitsschutz ist daher ein herausragender Punkt unserer Unternehmensstrategie“, erklärt Großmann. Denn hinter dem virtuellen Baumfällen stecke mehr als nur ein Erlebnis: Es soll helfen, die Beschäftigten zu schulen und für die Gefährdungen in der Holzernte zu sensibilisieren.

Wie stolpert man virtuell?

Die Welt, in die der Mensch eintaucht, sollte deshalb auch möglichst authentisch sein: Nicht nur sieht der Tragende die Geschehnisse aus seiner Perspektive, auch seine Bewegungen werden in Echtzeit durch Sensoren im Helm und durch Controller in den Händen (oder über eine mit Controller und Tracker präparierte Motorsäge) in den virtuellen Raum beziehungsweise Wald übertragen.

Im virtuellen Wald angekommen, beginnen für die Auszubildenden die Vorbereitungen. Bevor es an den Baum oder gar die Säge geht, muss man bereits wichtige Entscheidungen treffen: Welches Werkzeug brauche ich für die Tätigkeit und welche Schutzkleidung wird benötigt, um sicher zu arbeiten? Erst dann geht es Schritt für Schritt zum markierten Baum.

Dabei muss der Mensch auf den Weg achten - die Baumkronen sind noch zweitrangig. „Viele Arbeitsunfälle im Wald entstehen nach wie vor durch Stürzen, Stolpern oder Ausrutschen“, sagt Großmann. Und das merkt man, sobald sich der Blick nach oben verliert: Es schmerzt nicht, aber es ruckelt und vibriert, wenn man stolpert.

Angekommen beim markierten Baum geht es an die Baum- und Umgebungsbeurteilung: Wie hoch ist er? Ist der Stamm gesund, hat die Krone Fauläste? In welche Richtung hängt der Baum? Auch auf die Umgebung muss man achten: Muss ich Totholz beseitigen? Wo platziere ich das Rückweichetuch, zu dem ich gehe, wenn der Baum fällt? Gibt es Stolperfallen auf meinem Weg? Erst danach bekommt man eine Säge in die Hand und kann mit dem eigentlichen Fällen beginnen. Nach Bedarf kann dabei der funkferngesteuerte Fällkeil verwendet werden. Bevor der Baum fällt, muss noch ein letzter Rundum-Blick sein. Dann erschallt „Obacht!“ und der Tragende kann zum sicheren Rückzugsort laufen.

Grün oder rot

Das sind eine Menge einzelner Schritte, sie seien aber nötig, um die Arbeit sicher zu machen. Eine Auswertung zum Schluss zeigt, wie man abgeschnitten hat. Großmann geht die Ergebnisse mit den Nutzern durch. Grün heißt: Alles richtig gemacht. Rot bedeutet: Das war nichts – in der Realität wäre das nicht glimpflich ausgegangen.

„Nicht nur für Forstwirte in der Ausbildung ist das ein eindrucksvolles Tool, um den richtigen Arbeitsablauf der Fällung und den dazugehörigen Arbeitsschutz zu erlernen. Denn hier dürfen Fehler gemacht werden.“ Auch Auffrischungskurse zur Sensibilisierung könne sich Großmann damit gut vorstellen. Denn Sicherheit am Arbeitsplatz entwickle sich ständig weiter.

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