Fanblockfest SV Offenhausen

Party, Bulldogs und vergessene Zünfte

Roland Wacker

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18.6.2022, 11:00 Uhr
Über 60 Oldtimer-Traktoren rollten bei ihrer Ausfahrt über den heißen Asphalt.

© Roland Wacker Über 60 Oldtimer-Traktoren rollten bei ihrer Ausfahrt über den heißen Asphalt.

Mittwochs zur Schaumparty bildete sich schon eine halbe Stunde vor Kassenöffnung eine Menschentraube vor dem Einlass. Das meist jüngere Publikum sehnte den Zeitpunkt herbei, endlich wieder im hüfthohen Schaum abzutanzen. Das Feeling bekamen sie seit Jahren nur von ihren älteren Geschwistern vorgeschwärmt – heuer nun waren sie endlich selbst an der Reihe.

Aufwendige Lightshow, Schaumfontänen – das war das Konzept. Großen Anklang fanden diverse „Malle-Ohrwürmer“, völlig losgelöst landete auch das Raumschiff überm Hammerbachtal. Bei „Cordula Grün“ hielt es keinen ruhig auf den Bänken, selbst gegen Mitternacht wippte das Partyvolk zu „Macarena“ noch mit den Hüften.

Bei der Schaumparty war der Spaß riesig.

Bei der Schaumparty war der Spaß riesig. © Roland Wacker

Das „Frühschichtteam“ traf sich gegen sechs Uhr am Feiertag, beseitigte die Schaumreste und brachte die große Eventhalle der Gemeinde wieder auf Vordermann. Denn schon um 11 Uhr begann der lockere musikalische Frühschoppen mit Weißwurst und den „Hoggadn“-Musikanten.

Mit Muskeln und Fingerspitzengefühl

Neben über 60 hergerichteten Traktoren, die nachmittags eine große Ausfahrt durch Offenhausen machten, zog auch ein „Tag der fast vergessenen Zünfte“ die Leute in ihren Bann.

Bauernmöbel, liebevoll renovierte landwirtschaftliche Arbeitsgeräte, Gürtel und Taschen von der Sattlerei Weiß und allerlei Wissenswertes von den Bienen brachte den Besuchern einen Mehrwert. Zimmerer hauten mit scharfen Äxten aus einem Baumstamm durch Muskelkraft einen Vierkantbalken. Julian Flohrer zeigte viel Fingerspitzengefühl und schuf aus einer Schieferplatte eine Herzschindel.

Vom Faden zum Tuch

Ruth Göttlinger hat sich das Spinnen beigebracht.

Ruth Göttlinger hat sich das Spinnen beigebracht. © Roland Wacker

Ruth Göttlinger hat die zweijährige Lockdown-Zeit sinnvoll überbrückt und fing mit mit dem Spinnen an. Dank des Studiums zahlreicher Youtube-Videos schaffte sie es nach eineinhalb Jahren, mit einem Spinnrad und Schurwolle geschickt Fäden zu spinnen und damit Strümpfe und Tücher herzustellen. Der Rettungsdienst ASB war auch vor Ort, unterstützt er doch die humanitäre Ukraine-Hilfe, die alte KFZ-Verbandskästen sammelt oder für sieben Euro neue Kästen verkauft. Das alles kommt der durch den Krieg verletzten Bevölkerung in der Ukraine zugute.

Vierbeinige Hingucker

Ein großer Hingucker waren die Vorführungen der Interessengemeinschaft Zugpferde: Mit ihren Arbeitspferden, an die sie unterschiedliches Geschirr anlegten, mähten sie zuerst eine Wiese. Die Tiere eignen sich aber auch hervorragend in Forst- und Landwirtschaft. Neue leistungsstarke Traktoren hinterlassen in Wald und Flur oft tiefe Fahrspuren und verdichten den Waldboden. Mit Arbeitspferden können die Fuhrleute dem entgegenwirken, bodenschonend als „Holzrücker“ die Baumstämme verladen und auch wieder mit einem Pferdefuhrwerk weitertransportieren. Das ist angewandter Klimaschutz und deshalb immer mehr im Kommen.

Holzrücken mit dem Pferd ist umweltverträglicher als mit großen Maschinen.

Holzrücken mit dem Pferd ist umweltverträglicher als mit großen Maschinen. © Roland Wacker

In den Musikpausen zeigten die Thalheimer Schuhplattler ihr neues Programm. Teilweise mit neuen Akteuren hatten sie eine beklatschte, zünftige Performance auf die Beine gestellt. Mit Schuhplattln und Bierkästen-Jive zeigten sie hohe Sprünge bis an die Hallendecke. Die Coverrocker von „Fake Point“ machten am Freitag noch den Deckel drauf und Appetit auf nächstes Jahr.

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